. Zu Tod erschöpft , dem Verhungern nahe , in zerrissenen Kleidern , mit Schlamm behangen , sah er am sinkenden Abend von der Raitenhaslacher Höhe die Pfannenfeuer flammen , die man zu Burghausen entzündete , um die Arbeit am Hunds-Törring auch in den Nachtstunden vorwärts zu bringen . Laitzinger wollte über das steile Waldgehänge hinunterklettern . Da kam von der Saalach ein klirrender Reiterzug die Straße herauf . Herzog Heinrich , von seinem ehrlichen Fieberanfall noch nicht völlig genesen , machte seinen abendlichen Erquickungsritt . Seine Leibtrabanten , an die vierzig Harnischer , waren ihm Schutz und Gefolge . Zwei mit Wachsfackeln ritten voraus . Der Falkner hatte kein schweres Raten : Dieser kleine , flinke , braune Herr , der gesondert von den anderen trabte , trug an seinem zierlichen Leibe die Hand , für die das winzige , mit Schweiß durchtränkte , an einer Silberschnur um den Hals des Laitzinger gesiegelte Röllchen bestimmt war . Als der schmutzige , zerlumpte Strolch so jäh aus den Stauden schnellte und auf den Herzog zusprang , wollten die Harnischer mit dem Eisen dreinschlagen . » Botschaft für den Herzog « , kreischte der Falkner , » von seinem besten Freund . « Er streckte die leeren Hände hoch . » Ich bin ohne Waffen . « Herr Heinrich , der ein bißchen erschrocken war , befahl : » Nüremberger , Ramsauer ! Faßt den Kerl an den Händen ! « Er musterte beim Fackelschein den vor Erschöpfung Zitternden . » Von meinem besten Freund ? Das ist gelogen . Unter Fürsten und Herren hab ich nur einen Freund . Der bin ich selber . Wer ist der Wunderliche , den du meinst ? « » Ich hab schwören müssen , daß ich schweig . Die Botschaft ist um meinen Hals gesiegelt . Nur Ihr allein , Herr , dürft sie lösen von mir . « Auf einen Wink des Herzogs sprang Malimmes vom Gaul und entblößte die Brust des Laitzinger . Herr Heinrich schnitt mit seinem Dolche die silberne Schnur an des Falkners Hals entzwei , wickelte das mürbe , feuchte Röllchen auseinander und las bei der Fackelhelle . Er wurde bleich , und sein Gesicht verzerrte sich . Mit funkelnden Augen beugte er sich aus dem Sattel herunter und sah dem Boten ins Gesicht . Und las wieder . » Heim ! « Seine Stimme schrillte . War ' s Zorn ? Oder wilde Freude ? » Hebt ihn hinter dem Jul auf den Gaul hinauf . Zwei magere Buben machen den Falben nicht müd . Und fort ! Fort ! Heim ! « Der Herzog hatte sein Roß gewendet und ließ es jagen . Die Harnischer mußten ihre schlechteren Gäule treiben . Bei dem schnellen Ritt wehten die Fackelflammen , daß sie zu erlöschen drohten . In diesem zuckenden Wechsel von Dunkelheit und Helle saß der Bote hinter Jul auf dem Falben und hielt die Arme um den jungen Reiter geklammert . Malimmes , in einer galligen Verdrossenheit , murrte dem Runotter zu : » Guck ! Dem Jul ist ungemütlich . Das paßt , ihm nit , daß der ander die Arm so fest um ihn her hat . « Der Ramsauer nickte , neigte sich im Ritte gegen den Söldner hin und flüsterte : » Ich selber merk ' s. Und das ist seltsam . Früher einmal - ich weiß nimmer , wann - ist ein Maidl gewesen , das allweil ein lützel gebubnet hat . Jetzt seh ich einen Buben , der maidelen tut . « Ein rauhes Lachen . Und Malimmes schlug seinem Gaul die Sporen in den Leib , ließ ihn ein paar Sätze nach vorwärts machen , faßte mit eiserner Faust den Boten am Nacken , riß ihn von dem scheuenden Falben zu sich auf den Ingolstädter herüber und hielt ihn umklammert , daß der Laitzinger stöhnen mußte . » Gelt , du ? Bei mir ist das Hocken ein lützel gröber . « Es wurde Nacht , bis der Reiterzug über die letzte Brücke hineinklirrte unter die Hallendächer des Schloßhofes . In der großen , vielfenstrigen Stube brannten die Kerzen . Nikodemus saß mit vier Schreibern am Tische . Als Herr Heinrich so zu Türe hereinstürmte , wie er aus dem Sattel gesprungen war , in Panzer , Mantel und Helm , da merkte der Kahlköpfige gleich , daß ein schweres Ding sich ereignet hatte . Er schickte die Schreiber aus der Stube und fragte erschrocken : » Herr ? « Der Herzog sah mit blitzenden Augen die Spruchbänder an der Mauer an , lachte grell und rief über die Schulter : » Den Kerl herein ! « Die vier Harnischer , die seit dem Winter immer um seine Person waren - Malimmes , Runotter , Jul und ein alter Doppelsöldner - brachten den Laitzinger in seinem Schmutz und seiner bleichen , zitternden Angst über die Schwelle und führten vor den Herzog hin . Drei von diesen vieren schienen sich bei dem Vorgang nicht aufzuregen ; sie hatten gleichgültige , strenge Gesichter . Doch in den großen heißen Augen des Jul war ein scheues Erbarmen mit dem jungen Menschen , der sich vor Angst und Erschöpfung kaum noch auf den Beinen erhalten konnte . Schweigend hatte der Herzog seinem Rat das kleine , mürbe , zerknitterte Pergament gereicht ; und schweigend , mit vorgebeugtem Gesicht und unter raschen Atemzügen wartete er , bis Nikodemus gelesen hatte . Der Kahlköpfige betrachtete das Blatt , sah verdutzt den Herzog an und las wieder . » Nun ? « Nikodemus hob stumm die Schultern . » Kennst du diese Schrift ? « » Das ist zierlich gemalte Klosterschrift , die keine Hand erkennen läßt . « In Zorn geratend , drängte der Herzog : » Und die Botschaft ? So rede doch ! « » Herr ! Die muß man mit Vorsicht beschauen . Das kann ein furchtbares Ding sein . Aber auch ein dummer Schabernack . « » Dreck oder Gold ! «