alles für Hilfsmittel den Polen noch zu Dienst wären . Der Großfürst Michael vermittelte hierbei ebenfalls ; Paskiewitsch verlangte unbedingte Unterwerfung und Räumung von Warschau , Krukowiecki erklärte seinen Beitritt , fügte aber hinzu , daß die Zustimmung des Reichstags nötig sei , daß diese indessen erfolgen werde . Bis sie verschafft sei , bis Nachmittag zwei Uhr , solle der Waffenstillstand ausgedehnt werden . Zwischen den russischen Zurüstungen zu einem neuen Sturme ritten die beiden Polen zurück , und zwar einen andern Weg als sie gekommen waren . Dies rettete Krukowiecki das Leben : an dem Wege , den er des Morgens genommen hatte , harrte seiner der Tod , die Demokraten , welchen er jetzt ein Entsetzen geworden , lauerten ihm auf . Warschau war unterdessen in der wunderlichsten Unruhe und Ungewißheit : niemand dachte an eine so nahe Endkatastrophe , und doch fühlte man sich unter dem peinigenden Drucke einer Gefahr drohenden Luft , man fragte sich : » Was ist ? « » Was geschieht ? « » Warum schweigen die Kanonen ? « » Siegen wir ? « » Warum ist der Präsident bei den Russen ? « Nur die höher Gestellten sahen den Abgrund , an welchen sie geführt waren , ohne doch auch genau zu wissen , wie tief er sei , ob ein Sprung retten könne ; der Vizepräsident , welchem vor den unheimlichen Schritten Krukowieckis graute , legte seine Stelle nieder , ihm folgten die meisten Minister , dennoch fürchtete noch niemand das Entsetzlichste , was bereits neben ihnen stand . Es ist vormittags zehn Uhr , der Reichstag versammelt sich , Krukowiecki und Prondzynski kommen an ; wie soll die Forderung des russischen Feldmarschalls , welche die ganze jetzige Existenz vernichtet , den Deputierten vorgetragen werden ? Prondzynski wird hineingeschickt , er soll als betrauter Offizier den rettungslosen Waffenzustand schildern . Erhitzt , fieberisch bewegt von den Eindrücken , die ihn schleudern , tritt er ein und bittet um eine geheime Sitzung . Man schließt die Türen , räumt die Galerien , Prondzynski gibt eine hinreißende Schilderung , daß Warschau kaum noch eine Stunde zu halten sei , daß der Feldmarschall den Wiener Traktat , vollständige Amnestie , Preßfreiheit , Freiheit von russischer Besatzung biete - ein Teil des Reichstags ist erschüttert , da erhebt sich der Landbote Worcell und ruft , man solle sich vertagen und niemals einen solchen Vertrag bestätigen , es erhebt sich der Landbote Jelowicki und erklärte , jene Darstellung sei lügnerisch übertrieben , General Bem habe versichert , die Stadt könne sich noch vierundzwanzig Stunden halten , unterdes sei Ramorino da , Paskiewitsch habe bereits soviel Munition verschossen , als Napoleon zu seinem ganzen Zuge bis Moskau mitgenommen , er müsse in kurzem erschöpft sein . » Herren Landboten ! « beginnt Prondzynski aufs neue - Bonaventura Niemojewski verbietet ihm das Wort und ermahnt die Versammlung , standhaft zu sein , sich nicht einschüchtern zu lassen . Es ist ein Uhr . Prondzynski zieht einmal um das andere seine Uhr heraus und ruft : » Meine Herrn , entscheiden Sie sich , es sind nur noch wenig Minuten übrig , der Sturm beginnt von neuem , die Russen dringen in die Tore . « » Lasset die Sturmglocken läuten , « ruft Anton Ostrowski , » alles mit Waffen hinaustreiben gegen den Feind ! « » Auf der Stelle , « stimmt Nakwaski bei , » und der Bischof mit dem heiligen Kreuz soll vorangehn . « » Wählt Niemojewski zum Präsidenten ! « » Nein , fragt Krukowiecki ! « » Keine Volksbewaffnung , sie erwürgt auch uns . « Da dröhnten die Fenster von dem Schlage , welchen zweihundert Kanonen donnerten , Paskiewitsch begann den neuen Sturm . » Erwählt den Kaiser von Rußland zum König von Polen , wenn Polen ganz Polen bleibt , « rufen fünf bis sechs Stimmen , darunter Lelewels , Ostrowskis . » Erwartet das Ärgste auf diesen Stühlen wie römische Senatoren , « ruft Szaniecki ; » zwingt den entmutigten Prondzynski , der unser fähigster General ist , an die Spitze der Truppen zu eilen ! « » Ja , ja ! so sei ' s ! « ruft alles . Prondzynski entweicht . » Öffnet die Türen , « ruft der Reichstagsmarschall , » verhandelt das Eigentumsrecht der Bauern ! So soll uns der Feind finden . « Aus dieser Zerfahrenheit , wo stolze Phrasen , einzelne Kühnheit , aber nirgends eine gefaßte , durchdringende Energie , nirgends überwältigende , herrschende Persönlichkeiten und Entschlüsse zu finden waren , aus dieser Versammlung , welche von den Ereignissen überflügelt war , ließ sich keine Rettung erwarten . Und diese Versammlung war das einzig noch geachtete mächtige Institut der ganzen Revolution . Prondzynski mochte übertreiben , aber er tat es sicher nicht so lügnerisch , als man ihm vorwirft , Paskiewitsch hatte wirklich große Wahrscheinlichkeit des Gelingens für sich , da die Dinge einmal so weit getrieben waren , und er eine unumschränkte Entschlossenheit für sich hatte . Der Hauptsturm war diesen Tag auf den Mittelpunkt der polnischen Position , auf Czysti gerichtet , das mit zweihundert Kanonen verheerend angegriffen wurde . Auf der Uminskischen Linie , wo ebenfalls stürmisch vorgedrungen ward , gelang der russische Angriff nicht , sondern ward zurückgeworfen , aber Czysti wurde bald so weit demontiert , daß es sturmreif war ; Paskiewitsch , der mitten im Feuer hielt und seine Truppen unablässig vordrängte , mußte zwar persönlich zurück , da eine Kugel seinen Kopf gestreift und verwundet , General Toll indessen übernahm das Kommando , und war eben im Begriff , den Sturm zu beginnen . Da kam Prondzynski mitten durch das beiderseitige Feuer gesprengt , und brachte die Nachricht , Krukowiecki sei vom Reichstage autorisiert , zu unterhandeln . General Berg wurde mit ihm zurückgesendet ; dieser verlangt schriftliche Autorisation vom Reichstage , Krukowiecki hat eine solche nicht und schickt dem Reichstage seine Entlassung . Sie wird angenommen ; der Sturm auf Czysti