Hause herrschenden Weltabgewandtheit angeheimelt gefühlt . Aber der Gedanke , hier ihre Tage zu verbringen , lag ihr doch vorderhand noch fern , und so kehrte sie denn , kurz nach Ablauf einer Woche , nach Berlin zurück , wo mittlerweile Melusine für alles gesorgt und eine ganz in der Nähe von Woldemars Kaserne gelegene Wohnung gemietet und eingerichtet hatte . Das war am Belle-Alliance-Platz . Als das junge Paar diese Wohnung bezog , ging die Saison bereits auf die Neige . Die Frühjahrsparaden nahmen ihren Anfang und gleich danach auch die Wettrennen , an denen Armgard voller Interesse teilnahm . Aber ihre Freude daran war doch geringer , als sie geglaubt hatte . Weder das Großstädtische noch das Militärische , weder Sport noch Kunst behaupteten dauernd den Reiz , den sie sich anfänglich davon versprochen , und ehe der Hochsommer heran war , sagte sie : » Laß mich ' s dir gestehn , Woldemar , ich sehne mich einigermaßen nach Schloß Stechlin . « Er hätte nichts Lieberes hören können . Was Armgard da sagte , war ihm aus der eignen Seele gesprochen . Liebenswürdig und bescheiden , wie er war , stand ihm längst fest , daß er nicht berufen sei , jemals eine Generalstabsgröße zu werden , während das alte märkische Junkertum , von dem frei zu sein er sich eingebildet hatte , sich allmählich in ihm zu regen begann . Jeder neue Tag rief ihm zu : » Die Scholle daheim , die dir Freiheit gibt , ist doch das Beste . « So reichte er denn seine Demission ein . Man sah ihn ungern scheiden , denn er war nicht bloß wohlgelitten an der Stelle , wo er stand , sondern überhaupt beliebt . Man gab ihm , als sein Scheiden unmittelbar bevorstand , ein Abschiedsfest , und der ihm besonders wohlwollende Kommandeur des Regiments sprach in seiner Rede von den » schönen , gemeinschaftlich durchlebten Tagen in London und Windsor « . - All die Zeit über waren natürlich auch die von einer Übersiedlung aufs Land unzertrennlichen kleinen Mühen und Sorgen an das junge Paar herangetreten . Unter diesen Sorgen - Lizzi hatte abgelehnt , weil sie die große Stadt und die » Bildung « nicht missen mochte - war in erster Reihe das Ausfindigmachen einer geeigneten Kammerjungfer gewesen . Es traf sich aber so glücklich , daß Portier Hartwigs hübsche Nichte mal wieder außer Stellung war , und so wurde diese denn engagiert . Melusine leitete die Verhandlungen mit ihr . » Ich weiß freilich nicht , Hedwig , ob es Ihnen da draußen gefallen wird . Ich hoff es aber . Und Sie werden jedenfalls zweierlei nicht haben : keinen Hängeboden und keinen Ankratz , wie die Leute hier sagen . Oder wenigstens nicht mehr davon , als Ihnen schließlich doch vielleicht lieb ist . « » Ach , das ist nicht viel « , versicherte Hedwig halb scham- , halb schalkhaft . Am 21. September wollte das junge Paar in Stechlin einziehen , und alle Vorbereitungen dazu waren getroffen : Schulze Kluckhuhn trommelte sämtliche Kriegervereine zusammen ( die Düppelstürmer natürlich am rechten Flügel ) , während Krippenstapel sich mit Tucheband über ein Begrüßungsgedicht einigte , das von Rolf Krakes ältester Tochter gesprochen werden sollte . Die Globsower gingen noch einen Schritt weiter und bereiteten eine Rede vor , darin der neue junge Herr als einer der » Ihrigen « begrüßt werden sollte . Das alles galt dem Einundzwanzigsten . Am Tage vorher aber traf ein Brief Melusinens bei Lorenzen ein , an dessen Schluß es hieß : » Und nun , lieber Pastor , noch einmal das eine . Morgen früh zieht das junge Paar in das alte Herrenhaus ein , meine Schwester und mein Schwager . Erinnern Sie sich bei der Gelegenheit unsres in den Weihnachtstagen geschlossenen Paktes : es ist nicht nötig , daß die Stechline weiterleben , aber es lebe der Stechlin . «