Adern an seinen Schläfen zu besorgniserregenden Wülsten an . Meister Zauner wollte vermitteln , zog sein Töchterlein beiseite und flüsterte dem erhitzten Weibchen ein paar eindringliche Worte ins Ohr . » Jetzt bin ich Frau , versteht der Herr Vater ? « antwortete das feine Lieserl . » Jetzt tu ich , was ich mag ! A bißl was muß ich haben davon , daß ich mich aufgeopfert hab ! « Lachend trat sie mit dem Postpraktikanten zu einem Walzer an . Immer eifriger sprach der Bräutigam in seinem wachsenden Mißvergnügen dem Weinglas zu . Einmal griff er über den Tisch und zupfte die Zaunerin am Ärmel : » Was wagen S ' , Frau Schwiegermutter - mein Lieserl schaut sich net arg viel auf mich ! Dös verdrießt mich recht ! « » So laß ihr doch heut dös bißl Vergnügen ! « lautete die ärgerliche Antwort . » Von abends um neune an ghört s ' dein ! Und ' s Leben is lang . Da kommst noch allweil auf deine Kosten . « Der Bräutigam nickte und saß wieder geduldig auf seinem einsamen Platz . Als aber Stunde um Stunde verging , ohne daß Lieserl den Tanzboden verließ , erhob sich der Andres endlich , suchte sein Bräutl auf und sagte : » Weiberl , was is denn ? Schaust dich gar nimmer um auf mich ? Ich bin doch heut die Hauptperson ! « Lieserl gab eine Antwort , die den jungen Pointner erblassen machte . Er legte seine Bärenfaust mit eisernem Griff um das schlanke rosige Handgelenk der Braut , zog sie trotz ihres Sträubens zur Hochzeitstafel und hielt sie an seiner Seite fest . Die Zaunerin ereiferte sich über diese » unghobelte Gwalttätigkeit « , Meister Wastl zog sich schwermütig mit seiner Weinflasche in das Extrastübchen zurück , um die Sache nicht länger mit ansehen zu müssen , und das feine Lieserl weinte vor Zorn . Als der Postpraktikant , dem sie die nächste Quadrille zugesagt hatte , sein Recht forderte , sagte der Bräutigam sehr grob : » Nix da ! Mein Lieserl bleibt bei mir ! Heut muß ich mir d ' Mahlzeit net aufwärmen lassen von eim andern . Heut koch ich selber . « Es gab ein Wortwechsel , ein paar Burschen faßten die Situation unter dem Gelächter der ganzen Hochzeitsgesellschaft in drastisch wirkende Schnaderhüpfel , der Bräutigam warf einem der Sänger das Weinglas an den Kopf , und die Folge war eine blutige Keilerei . Bei diesem Tanz war der Pointner-Andres der unübertrumpfbare Meister . Er machte bei der Säuberung des Tanzlokals so gründliche Arbeit , daß nur die Musikanten noch zurückblieben , ausgenommen den Kontrabassisten , der außerhalb der Tribüne stand und beim Aufwaschen aus Versehen mitgenommen wurde . Als er die Scherben seines Instruments ansah , erklärte er : » Is einer gschickt , so kann er aus meiner Baßgeigen noch allweil a Zündholzschachterl machen . « Die Trompeter und Klarinettisten , die der Lawine des Hinauswurfs glücklich entronnen waren , mußten einen lustigen Marsch anstimmen . Und unter Schmetterklängen wurde der sieghafte Bräutigam , der sein trotzendes Weiberl mit festem Griff an der Hand führte , von allen Ungeprügelten der Hochzeitsgesellschaft heimgeleitet in das Paradies seines jungen Glückes . 13 Am Allerseelentag fiel der erste Schnee über die Dächer des Dorfes , während er auf den Bergen schon fußhoch lag . - Franzl blieb in der Dippelhütte , um den Flug der Adler zu überwachen . Mitte November erhielt er aus Siebenbürgen von Graf Egge die telegraphische Anfrage : » Sind sie noch da ? « Vier Wochen später kam die gleiche Frage aus dem Banat , wohin Graf Egge zu den Bärenjagden gereist war . Am Tag vor Weihnachten suchte Franzl unter wirbelndem Schneegestöber den Heimweg ins Dorf . Im Park von Hubertus war weiße Stille . Schmal ausgetretene Fußwege führten durch den hohen Schnee . Am Schloß waren alle Fensterläden geschlossen , die Hirschgeweihe von der Mauer abgenommen . Der Adlerkäfig in der Ulmenallee stand leer , und in dicken Klumpen hing der Schnee am Drahtgitter - die Sommergäste des Käfigs hatten das Winterquartier in der Remise bezogen . Für Franzl kamen harte Wochen . Die Überwachung der Wildfütterung , die Zurichtung der Marderfallen und das Legen der Fuchseisen hielt ihn vom Morgen bis zum Abend auf den Beinen . Wohl waren für Patscheider und Schipper zwei neue Jäger in Dienst getreten , aber sie mußten das Revier erst kennenlernen , bevor ihnen Franzl einen Teil der Arbeit übertragen konnte . Und jede zweite Woche stieg er durch den zähen Schnee zum Palais Dippel hinauf , um den Adlern frische Kirrung zu legen . Noch in jeder Schneezeit hatte Franzl die gleichen Strapazen gesund und lachend übertaucht . In diesem Winter wurde sein Gesicht so schmal , seine Gestalt so hager , daß die Horneggerin mit Sorgen kein Ende fand . Die letzte Märzwoche brachte einen brausenden Föhnsturm . Auf allen sonnseitigen Gehängen der Berge schmolz der Schnee , und das Hochwild verließ - für den Jäger das erste Frühlingszeichen - die Futterplätze , um zu den Almen hinaufzusteigen . Franzl quartierte sich wieder im Palais Dippel ein . Seine stille Schwermut blieb auch da droben unverändert , obwohl ihm die Arbeit keine Zeit zu zwecklosem Grübeln vergönnte . Während er dem neuen Kameraden , der mit ihm das Heulager teilte , den Schutzdienst im Bezirk überließ , war er vom ersten Morgengrauen bis zum sinkenden Abend auf den Füßen , um hoch im Gewänd den Kirrungsplatz der Adler zu überwachen oder tief im Bergwald die Balzplätze der Auerhähne aufzusuchen . In der ersten Maiwoche schickte ihm Moser einen Zettel des Inhaltes : » Morgen kommt der gnädig Herr Graf , er will dich gleich haben , hat er dellagrafiert . Um zehne kommt er , also schau , daß bei der Hand bist , sonst gibt ' s Spitakl - dein lieber Moser . « Franzl trat sofort den Heimweg an und stellte