Einsetzung internationaler Schiedsgerichte vorzubringen . Die nächste interparlamentarische Konferenz soll im Juli 1890 in London zusammentreten . Auch ein Fürstenmanifest findet sich in dem blauen Heft - datiert März 1888 - ein Manifest , aus welchem endlich - mit altem Herkommen brechend - statt des kriegerischen , ein friedlicher Geist hervorleuchtete . Aber der Edle , der jene Worte an sein Volk erlassen , der Sterbende , der mit dem Aufwand seiner letzten Kraft nach dem Szepter griff , das er handhaben wollte , als wär ' s einen Palmenzweig - der blieb machtlos an das Schmerzenslager gefesselt , und nach kurzer Frist war Alles vorbei ... Ob sein Nachfolger - der begeisterungsglühende , der großes wollende - sich für das Friedensideal begeistern wird ? ? Nichts ist ' s unmöglich . » Mutter , willst Du übermorgen Deine Trauerkleidung nicht ablegen ? « Mit diesen Worten trat heute morgens Rudolf in mein Zimmer . Für übermorgen nämlich - 30. Juli 1889 - ist die Taufe seines erstgebornen Sohnes angesetzt . » Nein , mein Kind , « antwortete ich . » Aber bedenke , an einem solchen Freudenfeste wirst Du doch nicht traurig sein - warum also das äußere Zeichen der Trauer beibehalten ? « » Und Du wirst doch nicht abergläubisch sein und fürchten , das schwarze Kleid der Großmutter könne dem Enkel Unglück bringen ? « » Das wohl nicht - aber es stimmt nicht zu der umgebenden Fröhlichkeit . Hast Du denn einen Eid geschworen ? « » Nein - es ist nur ein gefaßter Vorsatz . Aber ein Vorsatz , der an ein solches Andenken sich knüpft - Du weißt , was ich meine - der nimmt die Unverbrüchlichkeit eines Eides an . « Mein Sohn neigte das Haupt und beharrte nicht weiter . » Ich habe Dich in Deiner Beschäftigung gestört ... Du schreibst ? « » Ja - meine Lebensgeschichte . Ich bin gottlob zu Ende . Das war das letzte Kapitel . - « » Wie willst Du den Schluß Deiner Geschichte geben ? Du lebst ja noch - und sollst noch viele Jahre , viele glückliche Jahre unter uns verbringen , Mutter ! Mit der Geburt meines kleinen Friedrich , den ich dazu erziehen werde , die Großmama anzubeten , beginnt ja wieder ein neues Kapitel für Dich . « » Du bist ein gutes Kind , mein Rudolf . Ich müßte undankbar sein , wenn ich an Dir nicht Stolz und Freude hätte ... und ebenso stolze Freude macht mir meine - seine holde Sylvia : ja , ich gehe einem gesegneten Alter entgegen . Ein milder Abend - aber die Geschichte des Tages ist doch aus , wenn die Sonne untergegangen , nicht wahr ? « Er antwortete nur mit einem stummen , mitleidsvollen Blick . » Ja , das Wort Ende unter meiner Biographie ist berechtigt . Als ich den Entschluß faßte , dieselbe zu schreiben , beschloß ich zugleich , beim 1. Februar 1871 abzubrechen . Nur , wenn Du mir auch noch durch den Krieg entrissen worden wärest , was ja so leicht hätte geschehen können - zum Glück warst Du zur Zeit des bosnischen Feldzuges noch nicht wehrpflichtigen Alters - nur dann hätte ich mein Buch noch verlängern müssen . Doch so wie es ist , war es schon schmerzlich genug zu schreiben . « » Und wohl auch - zu lesen ... « bemerkte Rudolf , in der Handschrift blätternd . » Das hoffe ich . Wenn dieser Schmerz nur in einigen Herzen thatkräftigen Abscheu gegen die Quelle des hier geschilderten Unglücks weckt , so werde ich nicht vergebens mich gequält haben . « » Hast Du aber auch alle Seiten der Frage beleuchtet , alle Argumente erschöpft , den Wurzelkomplex des Kriegsgeistes analisiert , die wissenschaftlichen Grundlagen genügend aufgebaut ? Hast Du - « » Mein Lieber , wo denkst Du hin ? Ich habe ja nur sagen können , was sich in meinem Leben - in meinen beschränkten Erfahrungs- und Empfindungskreisen abgespielt . Alle Seiten der Frage beleuchtet ? Gewiß nicht ! Was weiß ich z.B. - ich , die reiche , hochgestellte - - von den Leiden , die der Krieg über die Massen des Volkes verhängt ? Was kenne ich von den Plagen und bösen Einflüssen des Kasernenlebens ? Und die wissenschaftlichen Grundlagen ? Wie komme ich dazu , in ökonomisch-sozialen Fragen bewandert zu sein , und diese sind es - so viel weiß ich nur - welche schließlich alle Umbildungen bestimmen ... Keine Geschichte des vergangenen und zukünftigen Völkerrechts stellen diese Blätter dar - eine Lebensgeschichte nur . « » Fürchtest Du nicht eins ? Man merkt die Absicht und - « » Verstimmt wird man doch nur durch eine durchschaute Absicht , die der Urheber schlau zu verbergen meinte . Die Meinige aber liegt unverhohlen zu Tage - ist sie doch mit drei Worten schon auf dem Titelblatt verkündet . « Die Taufe hat nun gestern stattgefunden . Diese Feier gestaltete sich zu einer doppelt glückverheißenden , denn meine Tochter Sylvia und ihres kleinen Neffen Taufpate - den wir schon lange heimlich im Herzen trugen - : Graf Anton Delnitzky - haben sich bei dieser Gelegenheit verlobt . So bin ich durch meine Kinder rings von glücklichen Verhältnissen umgeben . Rudolf , seit sechs Jahren in den Besitz des Dotzkyschen Majorats gelangt und seit vier Jahren mit der ihm von Kindheit an bestimmt gewesenen Beatrix , geborenen Griesbach - dem wunderlieblichsten Geschöpft , das man sich vorstellen kann - verheiratet , sieht nur durch die Geburt eines Erben seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt . Kurz : beneidenswerte , glänzende Lose . Ein im Gartensaal eingenommenes Diner versammelte die Taufgäste . Die Glasthüren standen offen und die Luft des herrlichen Sommernachmittags strömte rosenduftend herein . Neben mir , an unserer Tafelrunde , saß Gräfin Lori Griesbach , Beatrixens Mutter . Dieselbe ist nunmehr Witwe . Ihr Mann fiel in der bosnischen Expedition . Sie hat sich den Verlust nicht stark