Freund nennst , so bitte ich unsern Herrn und Heiland , dir diese Greuel nicht anzurechnen . Ferner benachrichtige ich dich , daß Pikas , unser Hund , noch lebt , und daß wir von dem Seiler , der dich damals zum Bösen verlockt und hernach verlassen , niemals wieder ein Wort gehört haben . Sonst wüßte ich nichts Neues und schließe meinen Brief mit der Bitte , doch die nächste Post an mich und nicht an den Vater zu adressieren . Er nimmt von dir nichts an . Viel tausendmal lieber aber wäre mir ' s , du kämest selbst und söhntest dich aus mit dem Alten . Das Schneiderhandwerk nährt seinen Mann und ist auch gefahrlos und christlich dabei . Liese Schmidt meint dasselbe wie ich , womit wir beide dich herzlich grüßen und dich dem lieben und getreuen Gott vielmals empfehlen . Deine zärtliche Mutter , Anna Kroll . Nachschrift . Die Liese Schmidt will so gern auch einmal einen Brief von dir haben , damit sie den Leuten ein bißchen erzählen kann , hauptsächlich schreib uns bald , ob in San Franzisko die Menschen alle schwarz sind und ob sie zu Schimpf und Schande ohne Kleider herumlaufen . D.O. Lange starrte Robert auf die Schrift und eine ganze Welt verschiedener Empfindungen stand in ihm auf . Wie es die Mutter in ihrer rührenden Herzenseinfalt hier ausgedrückt hatte , so dachte und fühlte auch der starrsinnige Vater . Was ihnen vor einem halben Jahrhundert von ihren Eltern eingeprägt worden war , daran hielten sie beharrlich fest , was außerhalb ihres Gesichtskreises lag , das verstanden sie nicht mehr . Konnte man ihn zwingen , in dies Gefängnis freiwillig zurückzugehen und sich selbst zu verleugnen ? Nein , niemals . Er fühlte sein Gewissen , nachdem er diesen Brief gelesen hatte , sogar bedeutend leichter . Trotz gegen Trotz ! Wollte der Vater von dem einzigen Sohn keinen Brief annehmen , nun , so sollte er auch nicht wieder damit belästigt werden . Waren die alten Leute um den guten Lebenswandel ihres Sohnes so sehr besorgt und hielten sie den treuen Mongo für ihn als Gefährten zu schlecht , dann sollten sie bald genug ihren Irrtum erkennen . Robert biß die Zähne zusammen . Er brauchte nur ein wenig Glück in den Minen , nur zwei- oder dreihundert Taler Überschuß , und alles war gut . Der » nichtsnutzige « Junge , der verleugnete , beklagte Sohn konnte nach Hause zurückkehren und den Kleinstädtern zeigen , daß ihre bösen Vorahnungen ohne allen Grund gewesen waren . Aber hingehen und mit leeren Händen um Verzeihung bitten - das würde er niemals tun . Er hatte es lange genug geglaubt , eine Versöhnung , eine Rückkehr für möglich gehalten und sich eingebildet , daß der Vater mit offenen Armen den Sohn willkommen heißen werde , - jetzt war er enttäuscht worden . Finster vor sich auf das unberührte Bierglas starrend saß er da und grübelte , fast ohne zu wissen , was er dachte , ohne zu merken , daß sich mehrere Leute in seine Nähe setzten und ihn dauernd beobachteten . Erst als ihm jemand die Hand auf die Schulter legte , sah er auf . » Nun , Mr. Kroll , erst einen Tag an Land und schon Grillen fangen ? Kommen Sie mit mir , ich will Ihnen ein Lokal zeigen , wo getanzt wird , das ist besser . « Robert erkannte einen Angestellten des Handelshauses , für das Kapitän Barrow fuhr , er erwiderte sehr höflich die Worte des jungen Mannes , dankte ihm auch für seine Freundlichkeit , aber er lehnte doch entschieden den Vorschlag ab . Sobald der » Stern von San Franzisko « den Rest der Fracht gelöscht und das ganze Schiff von oben bis unten gereinigt worden war , gab es Löhnung , und dann ging ' s hinauf in die Goldminen . Robert erinnerte sich nur zu gut daran , was ihm der Steuermann gesagt hatte , daß nämlich meistens in den Wirtshäusern sofort wieder ausgegeben werde , was mit Mühe und Anstrengung verdient worden sei , - außerdem war er auch durchaus nicht in der Stimmung zu tanzen , sondern hätte am liebsten gleich den andern Gästen den Rücken gekehrt und wäre hinausgegangen . Doch das war unmöglich . Seit dem gestrigen Tag hatte sich das Gerücht von dem Kampf mit den Wilden schon soweit verbreitet , daß man überall in der Stadt davon sprach , und als man jetzt einen unmittelbar daran Beteiligten erkannte , wurde er ohne eine ausführliche Schilderung des Abenteuers nicht wieder fortgelassen . Als er endlich an Bord kam , war Kapitän Barrow in bester Laune . Es hatte sich alles nach Wunsch abgewickelt , eine zweite Reise sollte sofort nach Räumung des Schiffes angetreten werden , und die Mannschaft konnte an Bord bleiben , ohne erst abzumustern . Der » Stern von San Franzisko « ging nach Hamburg , von wo er eine Ladung feiner Rheinweine abholen sollte . An Bord entfaltete sich eine rege Tätigkeit . Nach Hamburg ! - Robert fühlte in der Tasche den Brief seiner Mutter wie Feuer brennen . Wenn er ihn nicht erhalten hätte , wäre er vielleicht schon in wenigen Wochen auf dem Wege nach Hause gewesen , vielleicht hätte er sogar sein Versprechen Gottlieb gegenüber rückgängig gemacht , hätte ihm nur das nötige Reisegeld geschenkt und selbst alles aufgegeben , um sich mit dem Vater zu versöhnen und seinen Segen zu erbitten . Aber jetzt ! - - Sein Entschluß stand unwiderruflich fest . Er schlug es aus , für die neue Reise zu heuern , und ging gar nicht wieder an Land , um kein Geld unnötig auszugeben . Wie die übrigen schiffbrüchigen Auswanderer erhielt auch Gottlieb soviel geschenkt , daß die beiden nach Auszahlung der Heuer ihre Fahrt ins Goldland sofort antreten konnten . Sämtliche Ausrüstungsgegenstände wollten sie , um den teuren Transport zu sparen , an Ort und Stelle kaufen , nur