Blicken : schon konnten sich Goten in den Straßen nur in guter Bewaffnung und großen Scharen blicken lassen : täglich fand man vereinzelte gotische Wachen von hinten erdolcht . Und Witichis konnte sich nicht verhehlen , daß diese Elemente des Volksgeistes gegliedert und geleitet waren von schlauen und mächtigen Häuptern : den Spitzen des römischen Adels und des römischen Klerus . Er mußte sich sagen , daß , sowie Belisar vor den Mauern erscheinen werde , das Volk von Rom sich erheben und mit dem Belagerer vereint die kleine gotische Besatzung erdrücken würde . So hatte Witichis den schweren Entschluß gefaßt , Rom , ja ganz Mittelitalien aufzugeben , sich nach dem festen und verlässigen Ravenna zu werfen , hier die mangelhaften Rüstungen zu vollenden , alle gotischen Streitkräfte an sich zu ziehen und dann mit einem gleichstarken Heere den Feind aufzusuchen . Er war ein Opfer , dieser Entschluß . Denn auch Witichis hatte sein redlich Teil der germanischen Rauflust , und es war seinem Mut eine herbe Zumutung , anstatt frisch draufloszuschlagen , zurückweichend seine Verteidigung zu suchen . Aber noch mehr . Nicht rühmlich war es für den König , der um seiner Tapferkeit willen auf den Thron des feigen Theodahad gehoben worden , wenn er sein Regiment mit schimpflicher Flucht begann : er hatte Neapolis verloren in den ersten Tagen seiner Herrschaft : sollte er jetzt freiwillig Rom , die Stadt der Herrlichkeiten , sollte er mehr als die Hälfte von Italien preisgeben ? Und wenn er seinen Stolz bezwang um des Volkes willen , - wie mußte das Volk von ihm denken ? Diese Goten mit ihrem Ungestüm , ihrer Verachtung der Feinde ! Konnte er irgend hoffen , ihren Gehorsam zu erzwingen ? Denn ein germanischer König hatte mehr zu raten , vorzuschlagen , als zu befehlen und zu gebieten . Schon mancher germanische König war von seinem Volksheer wider seinen Willen zu Kampf und Niederlage gezwungen worden . Er fürchtete ein Gleiches : und schweren Herzens wandelte er einst des Nachts im Lager zu Regeta in seinem Zelte auf und ab . Da nahten hastige Schritte und der Vorhang des Zeltes ward aufgerissen : » Auf , König der Goten , « rief eine leidenschaftliche Stimme , » jetzt ist nicht Zeit zu schlafen ! « - » Ich schlafe nicht , Teja , « sprach Witichis , » seit wann bist du zurück ? Was bringst du ? « - » Eben schritt ich ins Lager , der Tau der Nacht ist noch auf mir . Wisse zuerst : sie sind tot . « - » Wer ? « - » Der Verräter und die Mörderin ! « - » Wie ? du hast sie beide erschlagen ? « - » Ich schlage keine Weiber . Theodahad , dem Schandkönig , folgte ich zwei Tage und zwei Nächte . Er war auf dem Weg nach Ravenna , er hatte starken Vorsprung . Aber mein Haß war noch rascher als seine Todesangst . Schon bei Narnia holte ich ihn ein : zwölf Sklaven begleiteten seine Sänfte : sie hatten nicht Lust , für den Elenden zu sterben : sie warfen die Fackeln weg und flohn . Ich riß ihn aus der Sänfte und drückte ihm sein eigenes Schwert in die Faust : er aber fiel nieder , bat um sein Leben und führte zugleich einen heimtückischen Stoß nach mir . Da schlug ich ihn , wie ein Opfertier : mit drei Streichen . Einen für das Reich : und zwei für meine Eltern . Und ich hing ihn an seinem goldenen Gürtel auf , an der offenen Heerstraße , an einem dürren Eibenbaum : da mag er hangen , ein Fraß für die Vögel des Himmels , eine Warnung für die Könige der Erde . « » Und was ward aus ihr ? « » Sie fand ein schrecklich Ende ! « sprach Teja schaudernd . » Als ich von hier nach Rom kam , wußte man nur , daß sie verschmäht , den Feigling zu begleiten : er floh allein . Gothelindis aber rief seine kappadokische Leibwache zusammen und verhieß den Männern goldne Berge , wenn sie zu ihr halten und mit ihr nach Dalmatien und in das feste Salona sich werfen wollten . Die Söldner schwankten und wollten erst das verheißne Gold sehen . Da versprach Gothelindis , es zu bringen und ging . Seitdem war sie verschwunden . Wie ich wieder durch Rom kam , war sie freilich gefunden . « - - » Nun ? « - » Sie hatte sich in die Katakomben gewagt , allein , ohne Führer , einen dort vergrabnen Schatz zu holen . Sie muß sich in diesem Labyrinth verirrt haben , sie fand den Ausgang nicht mehr . Suchende Söldner trafen sie noch lebend : ihre Fackel war nicht herabgebrannt , sondern fast völlig erhalten : sie mußte alsbald erloschen sein , nachdem sie die Höhlung beschritten . Wahnsinn sprach aus ihrem Blick : lange Todesangst , Verzweiflung haben dieses böse Weib zermürbt : sie starb , sowie sie ans Tageslicht gebracht war . « » Schrecklich ! « rief Witichis . - » Gerecht ! « sagte Teja . » Aber höre weiter . « Eh ' er beginnen konnte , eilten Totila , Hildebad , Hildebrand und andre gotische Führer ins Zelt : » Weiß er ' s ? « fragte Totila . - » Noch nicht , « sagte Teja . - » Empörung ! « rief Hildebad ! » Empörung ! Auf , König Witichis , wehre dich deiner Krone ! Lege dem Knaben das Haupt vor die Füße . « - » Was ist geschehn ? « fragte Witichis ruhig . » Graf Arahad von Asta , der eitle Laffe , hat sich empört . Er ist gleich nach deiner Wahl davongeritten gegen Florentia , wo sein älterer Bruder , der stolze Herzog von Tuscien , Guntharis , haust und herrscht . Da haben die Wölsungen viel Anhang