zu unseren Verhandlungen hinzuzögen ; es war vorauszusehen , daß in seiner Gegenwart Manches - « » Zur Sprache kommen würde , was dem Herrn Steuerrath nicht besonders angenehm ist « - sagte der Commerzienrath , mit einem boshaften Lächeln in seinen Papieren blätternd . » Ich muß Sie bitten , Herr Schwager , « sagte der Director - » Und ich muß noch außerdem bitten , « rief der Steuerrath , » daß diese Verhandlungen in einem geziemenderen Tone geführt werden . Wenn ich mein Wort als Edelmann gebe , daß mein verstorbener Bruder mich in der allerletzten Zeit mehr als einmal versichert hat , er habe nur einen kleinen , ja den kleinsten Theil des Zehrendorfer Forstes - « » So , « schrie der Commerzienrath ; » schaust du da heraus ? Erst war es das Haus , dann war es das Inventar , jetzt ist es der Forst - hier ist die Verschreibung . « » Bitte , « sagte der Steuerrath , das Papier , welches ihm der Commerzienrath über den Tisch entgegenstreckte , mit dem Rücken der Hand zurückschiebend , » ich habe davon bereits Notiz genommen . Diese Verschreibung ist mindestens nicht unanfechtbar . « » Es ist die Handschrift unseres Bruders , « sagte der Director in vorwurfsvollem Tone . » Aber in so allgemeinen Ausdrücken abgefaßt ! « entgegnete der Steuerrath achselzuckend . » Sollte ich mir vielleicht jeden Baum einzeln verschreiben lassen , « rief der Commerzienrath ; » es ist unerhört , wie man mich hier behandelt . Ich spreche nicht von Ihnen , Herr Director , Sie sind ein Ehrenmann durch und durch - aber wenn man mir jeden Augenblick sagt , daß ich Achtung haben soll vor eines Edelmannes Wort und dann eine solche eigenhändige Verschreibung nichts mehr gelten soll , die auch eines Edelmannes Wort ist und noch dazu ein schriftliches - « Der Commerzienrath war zur Abwechslung in einen ganz kläglichen Ton gefallen . » Vielleicht kann auch darüber unser junger Freund wünschenswerthe Auskunft geben , « sagte der Director . » Erinnern Sie sich , Georg , aus dem Munde unseres verstorbenen Bruders einer auf den fraglichen Punkt bezüglichen Aeußerung ? « Der Steuerrath warf einen raschen , ängstlichen Blick auf mich ; der Commerzienrath sah bald mich , bald den Steuerrath lauernd an , ob er ein Zeichen geheimen Einverständnisses auffangen könne ; der Director hatte seine großen , klaren Augen fragend auf mich gerichtet . » Allerdings , « erwiederte ich . » Nun ? « rief der Commerzienrath . Ich theilte den Herren die Aeußerungen mit , welche der Wilde , als er mich an dem Morgen des letzten Tages vor seinem Tode auf meinem Zimmer besuchte , gethan hatte , daß von dem ganzen majestätischen Forst ihm nichts mehr gehöre , nicht so viel , sich einen Sarg daraus zimmern zu lassen . Meine Stimme zitterte , als ich diese Mittheilungen machte . Jener Morgen , als der schöne Park in prächtigem Sonnenscheine heraufgrüßte - zum letzten Male ; das Bild des seltsamen Mannes , der sich gänzlich verloren wußte und diesem Bewußtsein in so leidenschaftlicher Weise Ausdruck gab ; seine Haltung , seine Worte , der Ton seiner Stimme - das Alles überkam mich mit unwiderstehlicher Gewalt ; ich mußte mich abwenden , die Thränen nicht sehen zu lassen , die aus meinen Augen drangen . » Die Sache würde für mich entschieden sein , wenn sie es nicht bereits gewesen wäre , « sagte der Director , indem er sich erhob und auf mich zutrat . » Für mich ebenfalls ! « rief der Commerzienrath , mit einem triumphirenden Blicke nach dem Steuerrath . » Für mich nicht , « sagte der Steuerrath ; » wie geneigt ich bin , in die Wahrhaftigkeit oder , genauer gesprochen , in das gute Gedächtniß unseres jungen Freundes hier das vollste Vertrauen zu setzen ; seine Reminiscenzen weichen von dem , was ich aus dem Munde meines Bruders weiß , zu weit ab , als daß ich meine früheren Behauptungen zurücknehmen wollte oder könnte . Es thut mir leid , daß ich so hartnäckig sein muß , aber ich muß es eben . Ich bin es mir , ich bin es den Meinen schuldig . Die letzten achtzehn Jahre meine Lebens sind eine Kette von Opfern , die ich unserem ältesten Bruder gebracht habe . Noch wenige Tage vor seinem tragischen Ende hat er in den flehentlichsten Ausdrücken meine Hilfe für eine bedeutende Summe in Anspruch genommen ; ich bin in der ganzen Stadt umhergelaufen , sie ihm zu schaffen ; ich war auch bei Ihnen , Herr Schwager , wie Sie sich erinnern werden ; Sie wiesen mich - mit nebenbei nicht sehr feinen Worten - ab ; ich schrieb meinem unglücklichen Bruder : ich würde ihm helfen , aber er müsse warten ; ich beschwor ihn , von verzweifelten Entschlüssen abzustehen . Er hat nicht gehört . Wäre dieser Brief nicht verloren gegangen - « » Sie bedürfen meiner wohl nicht mehr , Herr Director , « sagte ich , verließ , ohne Antwort abzuwarten , das Zimmer und langte in meinem Bureau in einer Aufregung an , über die ich jetzt - nach so vielen Jahren - schmerzlich lächle . Was war mir denn Großes begegnet ? Es hatte Jemand , während es sich um wichtige Dinge handelte , frech gelogen ! Ich habe mich später überzeugt , daß die Sache nicht so selten ist , daß die Lüge in geschäftlichen Dingen gewissermaßen einen Freibrief hat - aber ich war damals noch sehr jung , sehr unerfahren und ich darf wohl sagen : unschuldig , oder meine Empfindung in diesem Augenblicke hätte nicht eine so gewaltsame sein können . Ich stand da vor einem Abscheulichen , Unfaßbaren . Ja , ich konnte es nicht fassen , mir war , als ob die Welt im Begriffe sei , aus ihren Angeln zu fallen . Schon einmal war mir etwas