, sondern schriftlich auszurichten ; aber der Caplan war bisher in all den Jahren noch keiner solchen Botschaft von ihr gewürdigt worden . Was will sie mir ? rief er unmuthig , als er das Billet eröffnete . Es enthielt nur wenige Zeilen . » Legen Sie mir es nicht als Eitelkeit aus , hochwürdiger Herr , « schrieb sie , » wenn ich mich Ihnen einmal als Mitarbeiterin bei Ihrer heiligen Mission anbiete . Es giebt Gefahren , in welchen Jedermann die Hand zur Rettung anlegen muß , und unsere Kirche erkennt ja in dringenden Fällen auch dem Laien eine priesterliche Kraft zu . Lassen Sie uns gemeinsam handeln , um das Unheil zu verhüten , das über den Häuptern von Personen schwebt , deren Schicksal und deren Gewissensruhe Ihnen nicht theurer sein können , als mir . Was ich Ihnen zu sagen habe , müssen Sie je eher je besser erfahren , Ihr Besuch wird mir also zu jeder Stunde ein erwünschter sein ! « Sie kann nicht ruhen , nicht rasten ! rief er aus und warf das Blatt auf seinen Tisch . Dann nahm er es wieder auf , las es noch einmal , verschloß es und verließ das Zimmer . Aber nicht zur Herzogin begab er sich , sondern grades Weges zu dem Freiherrn , obschon dieser darauf hielt , daß keiner seiner Hausgenossen ihn ohne die dringendste Noth aufsuchte , wenn er ihn nicht zu sich entboten hatte . Als der Caplan nach geschehener Meldung bei dem Freiherrn eintrat , fand er diesen lesend am Kamine sitzen , und er empfing ihn mit der Frage , was denn geschehen sei . Nichts Ungewöhnliches , entgegnete der Caplan ; ich wünschte nur , Sie einmal wie in früheren Zeiten ungestört zu sprechen , Herr Baron , und dazu fehlt mir seit lange die Gelegenheit , wenn ich sie nicht wie jetzt eben suche . Der Freiherr war einen Augenblick unentschlossen , wie er den unerwarteten Besuch und diese Anrede aufnehmen solle , in deren Ton eine gewisse Feierlichkeit nicht zu verkennen war , aber er traf schnell seine Wahl und sagte mit der vornehmen Sorglosigkeit , die ihm immer so wohl anstand : Was wollen Sie , mein Freund ? Bin ich doch in den letzten Monaten kaum selber eine Stunde allein gewesen , so voll von Besuchen haben wir das Haus gehabt ! Ich weiß , das ist nicht Ihr Geschmack , und Ihnen war es früher in unserem Junggesellenleben hier im Schlosse wohler . Aber warten Sie nur , ich habe meine Maßregeln im Geiste bereits getroffen , und ich denke , Sie sollen künftig mit meinen Anordnungen zufrieden sein ! Der Caplan hatte auf ein Zeichen des Freiherrn Platz genommen ; indeß er verstand nicht gleich , worauf derselbe hinaus wollte , und sagte : Ich kam nicht hieher , für mich selber etwas zu begehren , Herr Baron ! Darauf kenne ich Sie , mein alter Freund , rief der Freiherr , aber um so mehr ist es an mir , die Sorge für Ihr Wohlbefinden zu übernehmen , und verlassen Sie sich darauf , ich werde dieses nicht aus dem Auge verlieren ! Der Caplan sah jetzt , daß der Baron es wußte , weßhalb er gekommen sei , und daß er es ihm unmöglich machen wolle , davon zu sprechen ; er sagte also ruhig , aber sehr bestimmt : Ich suchte Sie auf , Herr Baron , weil ich in Sorgen bin , in Sorgen als ein alter Freund Ihres Hauses , in Sorgen als der geistliche Berather der gnädigen Frau ! Der Baron erhob sich , und während er noch mit sich kämpfte , ob und in welcher Weise er seinem Mißfallen an den Worten des Caplans Ausdruck geben sollte , fuhr dieser fort : Es ist freilich eine lange Reihe von Jahren her , Herr Baron , daß Sie mir in den schweren Stunden , welche Ihrer Hochzeit vorangingen , das Recht zugestanden , Sie an eben diese Stunden und die unheilvollen Ereignisse zu mahnen , deren Folge sie waren , wenn ich dies jemals nöthig finden sollte ! Und Sie glauben , der Augenblick sei jetzt gekommen , dieser Augenblick sei der rechte , mir es in das Gedächtniß zu rufen , fiel der Baron ihm , plötzlich seine Haltung ändernd , in die Rede , mit welchen Hoffnungen , mit welchem völligen Vertrauen ich mein ganzes Schicksal den Händen der Baronin übergab ? - Ein leises , bitteres Lachen tönte von seinen Lippen . In der That , mein Freund , heute werde ich zum ersten Male an Ihrer Menschenkenntniß , ja , selbst an Ihrem richtigen Empfinden irre ! Der Caplan beachtete den Vorwurf nicht . Nicht allein um glücklich zu werden , Herr Baron , auch um zu beglücken , nahmen Sie damals die Hand der Gräfin Berka in die Ihrige ! sagte er . Dann machte er eine kleine Pause und sprach danach mit sanfter Eindringlichkeit : Es war viel geschehen , das Gemüth eines so jungen Wesens zu beunruhigen , die junge Frau hatte viel zu vergessen , viel zu tragen , und sie hat das redlich gethan . Sie hat sich mit Liebe und mit Hingebung an ihre Pflicht , an ihren Gatten geklammert , sie hat ihre Familie aufgegeben , um mit ihm in seinem Glauben Eins zu werden , aber leider blieben Sie und die Frau Baronin nicht allein , und .... Der Freiherr hatte eine gewisse Rührung bei der Erinnerung an jene ersten Zeiten seiner Ehe nicht bemeistern können ; bei den letzten Worten des Geistlichen fuhr er aber auf : Mahnen Sie mich daran nicht , ich bitte Sie darum ! Ich mag nicht daran denken ! Der Caplan ließ sich nicht beirren . Ich kenne das Herz der Frau Baronin besser , als sie selbst es kennt ; ihre Seele ist schuldlos , ihr Thun ist ohne Makel ! sagte er bestimmt ; eine