ganzen großen Vermögen außer dem , was sie bei jetzt gespart hat , und das kann - für die Ansprüche solcher Leute wenigstens - nicht allzuviel sein , eine verhältnißmäßig geringe Wittwenpension ; und auch die fällt weg , im Falle Malte dem Beispiele seines Cousins Felix nachfolgen und auch an der Auszehrung sterben sollte , was nebenbei im höchsten Grade wahrscheinlich ist . Der Junge besteht jetzt schon nur aus Haut und Knochen . Da wäre ja allerdings Helenens glänzende Heirath eine Art von Nothwendigkeit im Sinn dieser Leute , obgleich ich überzeugt bin , daß er für Helene eine traurige Nothwendigkeit ist . Weshalb ? Im Vertrauen ! ich glaube , ihr Herz hatte sich bereits nach einer andern Seite entschieden , als sie dem Fürsten das Jawort gab . Wollte Gott , sie wäre von Anfang an weniger zurückhaltend gegen mich gewesen ; vielleicht wäre alles anders gekommen . Glauben Sie das nicht , in diesem Mädchen steckt ein hartnäckiger Stolz , den kein einzelner Mensch , den , glaube ich , nur das Schicksal beugen kann . Sie wird Niemand einen unbedingten Einfluß auf ihre Entschließungen gestatten . Sagen Sie , Bemperchen , was ist denn eigentlich an dem Gerücht , das Ihre Frau von Berkow und den Baron mit einander in einem - sehr intimen Verhältnisse leben läßt ? fragte Sophie nach einer kleinen Pause . Nichts , reinweg gar nichts , sagt Bemperlein mit großem Eifer , ich möchte nur wissen , was die Leute eigentlich wollen ! Es besteht eine Freundschaft zwischen ihnen , die sich von ihren gemeinsam verlebten Jugendjahren her datirt . Das ist Alles . Wenn sie Nachbarn sind und sich in Folge dessen häufig sehen , so ist doch das wahrhaftig ganz unverfänglich . Sie könnten sich ja heiraten , wenn sie sonst nur wollten . Anstatt dessen reis ' t der Baron nach Paris und läßt sie in Schnee und Eis auf dem einsamen Berkow . Das beweist doch sonnenklar , daß von Liebe zwischen ihnen die Rede nicht ist , oder es müßte denn eine curiose Sorte Liebe sein . In diesem Augenblick schrak Sophie freudig zusammen . In dem Fensterspiegel hatte sie die Gestalt eines schlanken , eleganten , schwarzbärtigen Mannes erblickt , der die nicht eben belebte Straße eiligen Schrittes heraufkam . Franz kommt ! rief die junge Frau , während ihre großen blauen Augen aufleuchteten und ein tieferes Roth ihre Wangen färbte ; verstecken Sie sich , Bemperchen ! Aber , wohin ? rief Herr Bemperlein , von dem Fenstertritt herabspringend . Nur dort hinter die Portière ! Halten Sie in der Mitte fest , daß sie nicht auseinanderfällt - so ! Die Klingel an der Hausthür ertönte , unmittelbar darauf wurde die Stubenthür geöffnet und Franz trat schnell heran . Ist Bemperlein nicht gekommen ? Siehst Du ihn etwa hier ? Nun sah Franz Herrn Anastasius Bemperlein freilich nicht , wohl aber auf einem Stuhl einen Herrenhut und überdies die Falten der Portière in einer Weise arrangirt , die nur dadurch möglich war , daß eine Hand hineingegriffen hatte und jetzt die beiden Theile fest zusammenhielt . Er fragte : Dieser Bemperlein ist doch ein ganz unzuverlässiger , leichtfertiger , gewissenloser Springinsfeld ; ein Mensch ohne Treu und Glauben , ohne Grundsätze ; ein Charlatan , von dem es mir schon hundertmal leid gethan hat , daß ich ihn Herrn Plante als Director seiner chemischen Fabrik so lange empfohlen habe , bis derselbe ihn mit tausend Thalern jährlich und fünf Procent der Nettoeinnahme engagirt hat ; ein Don Juan von einem Bemperlein , der mit den Frauen seiner Freunde heimliche Zusammenkünfte hat , beim Nachhausekommen des Ehemanns sich hinter der Portière versteckt und dabei so dumm ist , seinen Hut im Zimmer stehen zu lassen ; ein Harlequin von einem Bemperlein - Halt , sagte Bemperlein , den Vorhang auseinanderschlagend , ich bin erkannt . Die beiden Freunde eilten auf einander zu und umarmten sich mit großer Herzlichkeit . Mißt Ihr , wen ich so eben gesehen habe ? sagte Franz , nachdem man das Nothwendigste durchgesprochen . Nun ? riefen Bemperlein und Sophie . Den Baron Oldenburg und Frau von Berkow . Unmöglich ! rief Bemperlein , einen verlegenen Blick auf Sophie werfend , welchen diese mit einem schalkhaften Lächeln beantwortete . Was ich Euch sage . Ich begegnete ihnen in der Nähe des Schlosses Arm in Arm . Frau von Berkow hat mir ihre Adresse gegeben und mich gebeten , sie zu besuchen . Da ! Sie hat die Kinder mit , und ich vermuthe , daß sie längere Zeit hier bleiben wird . Ich sagte ihr , daß wir Bemperchen heute erwarteten , und sie war über diese Nachricht sehr erfreut . Auch Baron Oldenburg läßt grüßen und Ihnen sagen , daß er seit gestern mit Professor Berger von Paris zurück sei . Ihr wißt doch , das sich die Beiden in Paris getroffen und die ganze Revolution mitgemacht haben ? Sie logiren Hotel de Russie Unter den Akazien . Ich habe Frau von Berkow gerathen , wenn sie nicht ganz besonders dringende Geschäfte hier halten , die Stadt zu verlassen , da wir voraussichtlich sehr unruhige Tage haben werden . In der Albrechtsstadt schwirrt und wirrt es wie in einem Ameisenhaufen . Adjutanten und Ordonnanzen jagen ventre à terre durch die Straßen . Und der Albrechts- und Bärenstraßen-Ecke sah ich sogar schon Kanonen aufgefahren . Unter den Akazien soll es zu einem blutigen Zusammenstoß gekommen und ein Gardeoffizier von dem Volke arg mißhandelt sein . Einige nannten den Fürsten Waldernberg . Der Lärm ist so groß gewesen , daß das Publikum das Opernhaus , trotzdem ein neues Ballet gegeben wird , gleich nach Beginn der Vorstellung wieder verlassen hat . In der Fischerstraße hat ein Volkshaufe einen Angriff auf einen Waffenladen gemacht , und ein Bekannter will in der Gelbstraße die Anfänge einer Barricade gesehen hoben . Mit einem Worte : die Stadt ist in einer fieberhaften Aufregung ,