auf seinem Willen bestand , und meinte , sie hätte nicht geglaubt , daß so eine gute Frau auf der Welt noch lebe , und noch so eine vornehme und wo selligs nit nötig hätt auf der Welt und nit für e Himmel , weil sie sonst schon darein käme und ihn für gwüß hätt . Aber wie ihr das Erwarmen wohltäte , weil sie nicht immer auf sein müsse , sie könne es nicht sagen . Endlich kam Zeug und das Versprechen , der Doktor werde morgen früh da sein ; man solle alle Stunden von der Rustig geben und Brühe z ' trinke , so streng man möge . Vielleicht , daß dann noch müsse kristiert sein . » E aber nein « , sagte die Frau , » sövli Hung wird er doch nicht gegen uns sein wollen , sövli , daß wir schon aufmüssen , wird er uns doch nicht noch mehr kujinieren wollen ! « » Habe nicht Kummer , Frau , nimm jetzt und schlaf dann ein wenig . Lue , aufs Doktern verstehen ich und du uns nicht , und manchmal ist , was unser Gattig Lüt ds Dümmste dunkt , ds Witzigist « , sagte Änneli . Darauf machte es sich an die Kinder , die sonst keinen Zeug einnehmen wollten . Schmeichelnd fing es beim Jüngsten an , versprach gute Brühe , und das Kind nahm und sagte , das sei fry guet , es hätte nicht geglaubt , daß Dokterzüg so gut sei . » Hast du noch nie gehabt ? « fragte Änneli . » Nein , aber man hat mir oft gesagt , ih söll folge un is Bett , sust werd ih krank u de gäb me mr Dokterzüg , u das steych vom Tüfel u dräyh eim ganz zringsetum und syg yznäh öppis schröckligs . « » Jä so « , sagte Änneli . Auch die andern Kinder nahmen ein , teils weil das Jüngste es genommen hatte , teils weil sie der freundlichen fremden Frau es nicht recht weigern durften . Die Nacht war eingebrochen , die Mutter schlief ; Änneli das beständig beschäftigt war , bald mit den Kindern , bald mit Kochen und andern Dingen noch , wollte Licht machen , fand die Lampe , aber kein Öl dazu , gäb wie es suchte an allen Orten , wo man sonst das Öl zu haben pflegt ; leise fragte es eins der Kinder darnach . » Wir haben schon gestern keins mehr gehabt « , antwortete das Kind . Glücklicherweise war es Mondschein und sehr helle , indessen unbequem war es jedenfalls . Wenn Änneli zuweilen absitzen konnte , so mußte es immer und immer wieder denken : Kein Öl und vier krankne Kinder ! Unsereim weiß doch wahrhaftig nicht , wie es solche Leute haben , wir haben es viel zu gut . Wie wäre mir doch , wenn was mangelte , gäb wie leicht , in meiner Haushaltung , und nur eine Nacht lang , es legte mich schlaflos , und wenns nur kein Kaffee wäre oder kein Mehl und ich wüßte , den andern Tag könnte ich deren wieder haben , so viel ich wollte . Und hier nichts , kein Geld , kein Brot , von allem nichts , und alle krank ! Nüt ha u nit wüsse wo nah , nein , das stünde ich nicht aus ! Und doch würde ich müssen , dachte es , wenn unser Herrgott es wollte , aber ich weiß nicht , wie mir wäre . Und doch müßte ich es ertragen , wenn Gott es wollte ! Oh , wenn man geben kann man weiß nicht , wie es einem anders ist , als wenn man nehmen muß . Und wenn ich meine Kinder auch so hätte müssen liegen sehen in schlechten Hüdlene , so matt und mager , nichts als die Haut über die Beinchen , Herr Jemer , wenn ich eins von ihnen noch so sehen müßte , nein wäger , das ertrüge ich nicht ! Und wenn mir Gott die Wahl ließe zwischen dem Reichtum und den Kindern , entweder sie so sehen ohne alle Sachen , in schlechtem Bett , oder sie gar nicht zu haben : was lieber ? Ach Gott , ach Gott , dachte Änneli , wie gut ist doch der da oben , daß er einen nicht in Versuchung führt , solche Fragen nicht tut , es macht , wie ers am besten findet ! Aber wenn ich denken müßte , ich müßte alles , alles geben und hätte nichts mehr für meine Kinder , und sie lägen so da und ich könnte nicht einmal für sie betteln , es würde mir das Herz zerreißen , und doch gäbte ich sie nicht . Was hülfs mir , reich zu sein , wenn ich keine Kinder mehr hätte , da müßte ich mich ja zu Tode weinen und könnte nichts mehr sagen als : Hätt ih se doch no , hätt ih se no ! Wie doch das ein hübsches Kind ist , mußte es denken , als es das kleine Mädchen aufheben mußte und der Mond auf dessen Gesichtchen sich spiegelte , durch die Locken schimmerte , golden sie säumte . O du armes Kind , was wird aus dir werden , wie bös wirst du es einst haben und wie reich wäre manche Frau , wenn sie dich hätte ! Da lägest du in einem andern Bettchen , und wer weiß , was du für Aufwart hättest ! Gott hat es so gemacht , er wird wissen warum . Aber unsereim begreift es nicht . Ach , man begreift so manches nicht ! Warum der armen Frau nicht mehr geben , mit Minderem könnten wir es ja auch machen und müßten doch lange nicht so wohnen und hätten noch lange Geld für Öl ! Aber so hat ers gemacht , es wird gut sein so und muß gut sein , dHauptsach ist