- » Da kann kein Mensch hinauf wie ich , denn seht , die Leiter ist zerbrochen , « sagt ich , - und ich hab ihm vorgetragen , wie mir ' s geht mit dem Generalbaß , er sagt , das wär , weil ich nicht alles zu gleicher Zeit überschaue , warum meine Begriffe stockten ; und manches , woran Menschen ihr Lebenlang kauten , das müsse von andern in einem Blick erfaßt werden , sonst ging Zeit und Müh verloren ; ich sagte , mir sei bang , so werde es mir auch ergehen . » Ich hab doch in meinem Leben noch keine kleine Eichel gesehen , der bang war , es werde kein Baum aus ihr wachsen , « gab er zur Antwort ; und dabei legte er mir wieder die Hand auf den Kopf und sagte so freundlich : » Jetzt haben wir die Eichel in die Erde gelegt und gedeckt , und jetzt wollen wir sie ruhig liegen lassen und sehen , was Sonne und Regen tut . « - Du glaubst gar nicht , wie fabelig mich der Mann macht , zu den andern darf ich nicht von ihm sprechen , das kannst Du wohl denken , denn sonst würde meine Andacht mir für Verrücktheit ausgelegt werden ; aber die Patriarchenwürde strahlt mich an aus ihm , und ich spreche der ganzen Welt Hohn , daß solche einfache große und heilige Charaktere nicht Platz finden unter ihren Lappalien , und überhaupt geh ich nach Vornehmheit , und diese hat der Mann ; und seh doch nur einen auftreten in der menschlichen Gesellschaft , ob nicht aller mühselig erzwickter Rang ihn so des gesunden Verstandes beraubt , daß er nur als Narr sich selbst genug zu tun glaubt . - Weise sein kann keiner , der der Narrheit eine höhere Überzeugung opfert , denn aller Verstand deucht mir ein Spiel von Aberwitz , wenn der heiligen Weisheit nicht alle Opfer gebracht sind . Das meine ich so : wenn nicht alle äußeren Vorteile , Würden und Ruhm , nichts gelten vor dem inneren Ruf zum Göttlichen . Ich bin noch jung , mir kommt es wohl noch einmal , daß mich das Schicksal frägt , - und da werde ich des alten Handelsjuden Ephraim gedenken . - O pfui , wer seinen Umgang wollte richten nach dem äußeren Rang , von Vorurteilen sich wollte Fesseln lassen anlegen ; und mit denen prangen ! - Der einzige Stolz , den ich habe , der ist frei sein von ihnen , - und der schon auf andern Wegen seinen Vorteil sucht als in der heiligen Überzeugung seines Gewissens , der ist nicht mein Geselle . - Aber der Jude , der gibt mir keinen Anstoß , der ist frei von allem . - Adieu Bettine Noch eins setz ich hier hin : alles , was Dir geschieht , soll Dein Geistesleben befördern , - so , auf die Weise begreif meinen Umgang mit dem Juden . An die Günderode Ein mathematischer Vergleich vom Jud : Begeisterung ist ein Reich des Seins , das wir zwar aus der Wirklichkeit verbannt haben , aber in dem wir seine Gewißheit fühlen . - Wie könnte dies Reich nicht wahrhaft sein , da der Geist die Wirklichkeit verläßt , denn wo soll der Geist leben als in der Begeisterung , da er immer nur lebt , wenn er begeistert ist . - Aus dieser Schlußfolge legte er mir nun aus , was er von mir gefaßt wollte wissen - und ich ergriff seine Hand und sagte : » Ach Ephraim , jetzt weiß ich , wer Ihr seid , Ihr seid der Sokrates . « - » Ich bin der Sokrates nicht , aber er ist ein Stück von meiner Religion . « - » So ? « - sagt ich , » habt Ihr ihn studiert ; wie seid Ihr denn dazu gekommen ? « - » Da könnt ich ja wohl fragen , wie ist ein so junges Töchterchen dazu gekommen , von ihm zu wissen ? « - » Ich hab ihn der Günderode stückweis vorgelesen , aber ich war zerstreut und weiß nichts von ihm , als nur , daß er solche Schlußfolgen macht wie Ihr . « - » Wer ist die Günderode ? « - » Meine Freundin , der ich alles von Euch erzähl und auch , daß Ihr mich gefangen habt wie in einem Hamen , daß ich lernen muß , und daß Ihr der einzige Mensch seid , vor dem ich Furcht hab . « - » Wenn das nur wahr wär , « sagte er , » so wollt ich noch strenger sein . « - » Ach nein ! zerreißt den Hamen nicht , er ist gar fein gewebt , laßt dem Fisch Platz , daß er ein bißchen schnalzen kann . « - Das macht ihm nun so viel Vergnügen , so ein Weilchen mit mir zu sprechen , - er sagte : » Das ist alles gut , aber wir wollen einander nicht umsonst kennengelernt haben , und Sie sollen manchmal noch des alten Ephraim Spuren in Ihrem Geist verfolgen , wenn er schon lange nicht mehr lebt , « - wahrlich , ich hatte auf der Zunge , ihm zu sagen , daß ich ihn unaussprechlich liebe , und daß mir an seinem Segen mehr gelegen sei als an der ganzen Welt ; aber ich schwieg still , was soll man so was sagen , er sieht ' s ja und fühlt ' s auch gewiß innerlich als Wahrheit . Ich frag ihn alles , was mir in den Kopf kommt , mir deucht gar nicht , daß es möglich sei , daß ihm sein Geist nicht alles klar und deutlich mache - nur scheu ich mich , ihm zu sagen , wie sehr ich ihm vertrau , gestern sprachen wir vom Napoleon , ich sagte : » Mit Euch wollt ich Schlachten gewinnen !