Tochter im Rückstande . Die ganze Familie war nach Paris gegangen . Die junge Gräfin mußte im Hotel Soubise ihr Wochenbett halten , und mit dem stolzesten Uebermuthe wurde dies Glück verkündet , fürstliche Geschenke in allen Richtungen vertheilt , und endlich ein Tauffest vorbereitet , diesen gesteigerten Empfindungen gemäß . Leonin ließ sich in der Richtung forttreiben , die um ihn her so bestimmt angedeutet ward , daß sein eigener Wille unthätig bleiben konnte , da Niemand das Ziel desselben bezweifelte . Aber heftiger , wie je , erwachte Gewissensangst in seiner Brust , und ein Gefühl , das aus Wehmuth und Sehnsucht zusammengesetzt war . Er hatte keinen freien Athemzug - keinen heitern Blick - er suchte die Einsamkeit - und wer ihn unbeweglich aufgerichtet in seinem verschlossenen Zimmer hätte stehen sehen , das Auge in das Leere schweifend , der hätte fürchten können , den glücklichen Vater , den Günstling des Glückes habe der Verstand verlassen . - Aber er hatte in diesen Stunden eine Vision , die ihn vielleicht rettete ! Er dachte an Fennimor - und endlich löste sich aus dem dunkeln Raume , wohin er starrte , ein leichter Nebel - er schwebte näher - in duftigen , kaum sichtbaren Umrissen trat Fennimor daraus hervor - zuerst bewegte sie die schlanke , weiße Hand - dann sah er den zarten , leichten Fuß , halb schwebend , und wie nur sie ihn bewegte - dann schaute er das süße , bleiche Haupt - die Wangen mit Thränen bethaut , aber den Mund von dem harmlosesten Lächeln der Liebe verschönt - die reichen Locken schienen golden strahlend , und ihr Auge sah ihn so bittend , winkend an , daß er die Arme ausstreckte , der gelähmten Zunge den geliebten Namen erpressen wollte , und endlich , indem sie verschwand , niederstürzte und in Thränenströmen sich erleichterte . Dies wiederholte sich täglich , so oft Leonin die Einsamkeit erreichen konnte - und nur dies war es , was ihn bei den Anforderungen des Tages erhielt . - Die Majestäten hatten an dem glücklichen Ereignisse in der von ihnen so ausgezeichneten Familie den ehrenvollsten Antheil genommen , und die Marschallin in der Stille eine Hoffnung genährt , die sie immer zu einer geduldigen Zuhörerin machte , wenn die Frau Herzogin von Lesdiguères mit dem Marschalle über die Pathen stritt , die dem Kinde gegeben werden sollten . Den dritten Tag nach der Tafel , als schon für den nächsten die glanzvolle Taufhandlung angesetzt war , ohne daß man unter den zahllosen Gästen die Pathen bezeichnet hätte - trat Leonin , vom Könige kommend , in den Portikus des Hauses , und ward von einem Knaben angeredet , der ihm ein mit Bleistift geschriebenes Blatt gab . Er blickte den kleinen Boten zerstreut an , und ihn für einen Bettler haltend , gab er ihm einige Stücke Geld und eilte die Treppe hinan . Er mußte sich über die Treppen durch die Gänge und Gemächer winden , um zu seiner Gemahlin zu kommen ; denn die Dienerschaft , Tischler , Tapeziere , Gärtner waren mit ihren Vorbereitungen zu dem glänzenden Feste des morgenden Tages in einer so geräuschvollen Thätigkeit , daß für den Augenblick fast jede andere Rücksicht aufhörte , und Leonin , selbst kaum beachtet und erkannt , sich förmlich durcharbeiten mußte . Erschrocken fast blieb er aber in einem der letzten Zimmer stehen , weil man hier unter einem Thronhimmel Viktorinens Paradebett aufführte , umgeben mit einer in goldenen Rahmen laufenden Glaswand , die sie von den Personen trennen sollte , welche Pathen des Kindes sein würden , und die als solche mit den nächsten Verwandten das Recht hatten , der Wöchnerin vor dieser Glaswand eine Verbeugung zu machen . » Mein Gott , « rief Leonin , » ist diese abscheuliche Ceremonie denn durchaus nöthig ? Wie gefährlich , die Mutter solcher Pein auszusetzen , die sogar ihr Leben bedrohen kann ! Das Paradebett ist schrecklich - Grauen erregend ! « Er drückte die Hände vor ' s Gesicht - im selben Augenblicke schien es ihm ein Leichenzimmer - das Bett ward ein Paradesarg ! - » Gott wie schrecklich ! « rief er , außer sich , und stürzte an seinem erstaunten Kammerdiener vorüber , sich sehnend nach Viktorinens lebendigem Anblicke . Doch die Frauen vertraten ihm leise winkend den Weg - Viktorine schlief . Er schlich näher - er setzte sich dicht an die Vorhänge - nach und nach erst tauchte aus dem Dämmerlicht ihre Gestalt auf . Mit welcher Rührung betrachtete er die schönen , festen Züge , die , selbst vom Schlafe halb bezwungen , doch noch den Karakter einer Antike hatten . Seufzer auf Seufzer hob sich aus seinem Busen - sein Herz , belastet mit Schmerz und Angst , die jeder Tag zu steigern schien , ward von der Stille dieses Zimmers , der unbeweglichen Ruhe Viktorinens in einem Grade erschüttert , der ihn fast zur Verzweiflung brachte . Er konnte es nicht länger ertragen , schlich leise fort und athmete auf , als das erste helle Zimmer ihn umfing . » Mein Sohn , « sagte der Marschall , als Leonin in das Gesellschaftszimmer der Familie trat , » wir müssen nun beschließen , wer Pathe Deines Kindes werden soll . « » Pathe meines Kindes ? « erwiederte Leonin zerstreut . » Der König und die Königin . « » Das erwartete ich ! « rief die Marschallin , indem sie unwillkürlich aufstand , und der Ausdruck der höchsten Befriedigung über ihr Antlitz glitt . Auch der Marschall stand auf , und indem er eine kleine , steife Verbeugung machte , sagte er : » Ich kann nicht darüber klagen , daß die hohen Herrschaften vergessen , wer der alte Marschall Crecy-Chabanne ist . « » Jetzt aber erzählen Sie uns , wie es kam ! « rief Madame de Lesdiguères . - » Ich liebe es , zu hören , wie sie sich bei solcher