Frankfurt Ehre erzeugt : an beiden Seiten des Sockels , die Du nicht siehst , sollen Deine Werke eingegraben werden , von leichtem , erhabnem Lorbeergesträuch überwachsen , der sich hinter den Pilastern hervordrängt und den Frankfurter Adler an der Vorderseite reichlich umgibt und krönt ; hinten können die Namen und Wappen derjenigen eingegraben werden , die dieses Monument verfertigen lassen . Dies Monument , so wie ich ' s mir in einer schlaflosen Nacht erdacht habe , hat den Vorteil , daß es Dich darstellt und keinen andern , daß es in sich fertig ist , ohne Nebenwerke Deine Weihe aussprechend , daß es die Liebe der Frankfurter Bürger ausspricht und auch das , was ihnen durch Dich zuteil geworden ; und dann liegt noch das Geheimnis der Verklärung , die Deine sinnliche , wie Deine geistige Natur , Dein ganzes Leben lang vor aller Gemeinheit bewahrt hat , darin . Gezeichnet mag es schlecht sein , und wie könnte es auch anders , da ich Dir nochmals versichern kann , daß ich nie gezeichnet habe , um so überzeugter wirst Du von der Wahrhaftigkeit meiner Inspiration sein , die es gewaltsam im Zornesfeuer gegen den Mangel an Beschaulichkeit in dem Künstler , der dies der Welt heilige Werk vollenden soll , hervorgebracht hat . Wenn überlegt würde , wie bedeutend die Vergangenheit die Zukunft durchstrahlen soll in einem solchen Monument , wie die Jugend einst , die Dich nicht selbst gesehen , mit feurigem Auge an diesem nachgebildeten Antlitz hängen wird , so würden die Künstler wohl den heiligen Geist auffordern , ihnen beizustehen , statt auf ihrem akademischen Eigensinn mit eitler Arroganz loszuhämmern . Ich zum wenigsten rufe den heiligen Geist an , daß er Zeugnis gebe , daß er mir hier beigestanden , und daß er Dir eingebe , es mit vorurteilslosem Blick , wo nicht von Güte gegen mich übervorteilt , zu beschauen . Ich habe eine Durchzeichnung an Bethmann geschickt , auf dessen Bitte ich es gewagt habe , die Erfindung , die ich bei seinem Hiersein gemacht , zu zeichnen . Ist es nicht zu viel gefordert , wenn ich Dich bitte , mir den Empfang des Bildes mit wenigen Worten anzuzeigen ? Am 11. Januar 1824 Bettine Dritter Teil Tagebuch zu Goethes Briefwechsel mit einem Kinde Buch der Liebe In dieses Buch möcht ich gern schreiben von dem geheimnisvollen Denken einsamer Stunden der Nacht , von dem Reifen des Geistes an der Liebe wie an der Mittagssonne . Die Wahrheit will ich suchen , und fordern will ich von ihr die Gegenwart des Geliebten , von dem ich wähnen könnte , er sei fern . Die Liebe ist ein inniges Ineinandersein ; ich bin nicht von Dir getrennt , wenn es wahr ist , daß ich liebe . Diese Wellen , die mich längs dem Ufer begleiten , die reifende Fülle der Gelände , die sich im Fluß spiegelt , der junge Tag , die flüchtenden Nebel , die fernen Gipfel , die die Morgensonne entzündet , das alles seh ich an , und wie die Biene den Honig sammelt aus frischen Blüten , so saugt mein Blick aus allem die Liebe und trägt sie heim und bewahrt sie im Herzen wie die Biene den Honig in der Zelle . So dacht ich am heutigen Morgen , da ich am Rhein hinfuhr und durch dies aufgeregte Leben der Natur mich drängte , fort , dem stillen einsamen Abend entgegen , weil es da ist , als sage mir eine Stimme , der Geliebte ist da ; - und weil ich da die Erinnerungen des Tages wie Blumen vor ihm ausstreue ; und weil ich da mich an die Erde legen kann und sie küssen Dir zu Lieb , diese schöne Erde , die den Geliebten trägt , daß ich mich hinfinden kann zu ihm . * * * Schwalbach , auf der Mooshütte Namen nennen Dich nicht ! Ich schweige und nenne Dich nicht , ob ' s auch süß wär , Dich bei Namen zu rufen . O Freund ! schlanker Mann ! weicher hingegoßner Gebärde , Schweigsamer ! - Wie soll ich Dich umschreiben , daß mir Dein Name ersetzt sei ? - Beim Namen rufen ist ein Zaubermittel , den Entfernten zur Erinnerung aufzuregen ; hier auf der Höhe , wo die waldigen Schluchten siebenfaches Echo zurückgeben , wage ich nicht Deinen Namen preiszugeben ; ich will nicht hören eine Stimme , die eben so heiß , so eindringend Dir ruft . O Du ! Du selbst ! - Ich will Dir ' s nicht sagen , daß Du es selbst bist ; drum will ich dem Buch Deinen Namen nicht vertrauen , wie ich dem Echo ihn nicht vertraue . Ach , Deinen Namen berühre ich nicht ! So ganz entblößt von irdischem Besitztum nenne ich Dich mein . * * * Ems Nicht schlafen gehen , ohne mit Dir zu sprechen - so müde wie ich auch bin ! Die Augenlider sinken und trennen mich von Dir ; mich trennen nicht die Berge und die Flüsse , und nicht die Zeiten , und nicht Deine eigne Kälte , und daß Du nichts weißt von mir , wie ich Dich liebe . - Und mich trennt der Schlaf ? - Warum denn trennen ? Ich wühle mich in Deinen Busen , diese Liebesflammen umzingeln Dein Herz , und so schlafe ich ein . * * * Nein , ich will Dich nicht nennen , Du , dem ich rufe : gib mir Gehör ! Du hörst Dich ja gern beschwätzen - so hör auch mir zu ; nicht wie jene , die von Dir , über Dich schwätzen ; zu Dir , in Deinem Anschauen sammeln sich meine Gedanken ; wie der Quell , der das Gestein spaltet und niederrauscht durchs Schattental , Blume um Blume anhaucht ; so hauch ' ich Dich an , süßer Freund ! Er murmelt nur , der Bach ; er plätschert ,