, welcher drüben stand , sich durchaus glichen und einer und derselbe wären . « » Warum brauchst du den Ausdruck Schatten ? « » So deuchte mir ' s eben ; doch ließen sich Gesicht und Miene und Farben der Kleidung wohl unterscheiden . Als beide sich umfaßten , sich die Arme gaben und so der Tür zu wollten , da bogen sie wie eine Rauchsäule leicht um den hölzernen Pfeiler , der in der Mitte der Kammer steht . « » Arm in Arm , sagst du ? « » Dicht , dicht aneinandergeschlossen ; sie machte den Anfang , er tat ' s ihr nur wie gezwungen nach und traurig . Hierauf - aber o allmächtiger Gott ! wie soll ich , wie kann ich aussprechen , was keine Zunge vermag , was doch niemand glaubt und niemand glauben kann , am wenigsten mir , mir armen Jungen ! « Er schöpfte tief Atem und fuhr sodann fort : » Sie schlüpften unhörbar über die Schwelle , er glitt über sein Ebenbild hin , gleichgültig , als kennt er es nicht mehr . Da wirft er auf einmal sein Auge auf mich , o ein Auge voll Elend ! und doch so ein scharfer , durchbohrender Blick ! und zögert im Gehn , schaut immer auf mich und bewegt die Lippen , wie kraftlos zur Rede - da hielt ich ' s nimmer aus und weiß auch von hier an nichts weiter zu sagen . « Der Präsident verschonte den jungen Menschen mit jeder weitern Frage , beruhigte ihn und empfahl endlich Vater und Sohn , die Sache bei sich zu behalten , indem er zu verstehen gab , daß er nichts weiter als eine ungeheure Selbsttäuschung darunter denke . Der alte Gärtner aber schien sehr ernst und maß selbst seinem Herrn im Innern eine andre Meinung bei , als ihm nun eben zu äußern beliebe . Nachdem die beiden Leichen auf dem katholischen Gottesacker des nächsten Städtchens , jedoch mit Zuziehung eines protestantischen Geistlichen , zur Erde bestattet worden , traf der edelmütige Mann , durch den es vornehmlich gelang , diese letzte Pflicht mit allem wünschenswerten Anstande und unter einem ansehnlichen Geleite vollzogen zu sehen , ungesäumt Anstalt , der Freundschaft und der Menschenliebe ein neues Opfer zu bringen . Weder konnte er zugeben , daß die arme überbliebene Schwester des Malers sich einer so traurigen Heimreise , als ihr jetzt bevorstand , allein unterziehe , noch sollte der Förster den Verlust seiner Kinder auf andere Weise , als aus dem Munde des Gastfreundes vernehmen , dessen Haus der unschuldige Schauplatz so schwerer Verhängnisse ward . Bald saß daher der Präsident mit Nannetten und Margot im Wagen . Übrigens war es bei ihm schon im stillen beschlossene Sache , das Mädchen , wenn es ihr und den Ihrigen gefiele , wieder zurückzunehmen und für ihr künftiges Glück zu sorgen . Der Gedanke war eigentlich von Margot ausgegangen und kaum enthielt sie sich , Nannetten nicht schon unterwegs die Einwilligung abzudringen . Der Schmerz des Alten in Neuburg übersteigt allen Ausdruck ; doch verfehlte die Persönlichkeit des hohen Gastes ihre gute Wirkung nicht . Noch in der Anwesenheit des Präsidenten kam ein Brief des Hofrats im Forsthause an , mit der Überschrift an Nolten und mit der ausdrücklichen Bitte um schleunigste Beförderung . Der Förster erbrach ihn , las und reichte das Blatt mit stummer Verwunderung dem Präsidenten . Der Brief lautete folgendermaßen : » Soeben erfahre durch Freundeshand den grausamen Verlust , der Sie mit dem Tode einer geliebten Braut betroffen . Auch die näheren Umstände und was alles dazu mitgewirkt , weiß ich . Ihr Unglück , welches mit dem meinigen so nah zusammenfällt , ja recht vom Unglücksstamme meines Daseins ausging , erschüttert mich und zwingt mich zu reden . Wie oft , als Sie noch bei uns waren , hat mir das Herz gebrannt , Ihnen um den Hals zu fallen ! Wie preßte , peinigte mich mein Geheimnis ! Aber - wie soll man es heißen - Furcht , Grille , Scham , Feigheit - ich konnte nicht , verschob die Entdeckung von Tag zu Tag , mich schauderte davor , in Ihnen , in dem Sohne eines Bruders , mein zweites Ich , meine ganze Vergangenheit wiederzufinden , dies Labyrinth , wenn auch nur im Gespräch , in der Erinnerung , aufs neue zu durchlaufen ! Seit Ihrem Abgang war ich für solchen Eigensinn , Gott sei mein Zeuge , recht gestraft mit einer wunderbaren Sehnsucht nach Ihnen , Wertester ! Nun aber vollends dürstet mich nach Ihrem Anblick innig , wir haben einander sehr , sehr viel zu sagen . Meine Gedanken stehn übrigens so : Zu einer so gemeßnen Tätigkeit , als Sie in W * erwarten würde , dürfte Ihnen der Mut jetzt wohl fehlen , um so leichter werden Sie es daher verschmerzen , daß dort , wie mir geschrieben wird , gewisse Leute , auf Ihr Zögern , bereits geschäftig sind , Sie auszustechen . Wir wollen , dächt ich , selbigen zuvorkommen und erst dabei nichts einbüßen . Hören Sie meinen Vorschlag : Wir beide ziehn zusammen ! sei es nun hier , oder besser an einem anderen Plätzchen , wo sich ' s fein stille hausen läßt , gerade wie es zweien Leuten ziemt , wovon zum wenigsten der eine der Welt nichts mehr nachfragt , der andere , soviel mir bekannt , von jeher starken Trieb empfunden , mit der Kunst in eine Einsiedelei zu flüchten . Was mich betrifft , ich habe noch wenige Jahre zu leben . Wie glücklich aber , könnt ich das , was etwa noch grün an mir sein mag , auf Sie , mein teurer Neffe , übertragen . Ja schleppen wir unsere Trümmer aus dem Schiffbruch mutig zusammen ! Ich will tun , als wär ich auch noch ein Junger . Mit Stolz und Wehmut sei ' s gesagt , wir sind zwei Stücke eines