willigen konnte ? Sie tadeln mich , weniger durch das , was Sie laut werden lassen , als durch das , was Sie verschweigen ; die Spannung Ihres Briefs verräth , wie sehr Sie sich zu beherrschen streben . Sein Sie ganz offen . Ich kann es ertragen . Mein guter Comthur ! seit ich in die unselige Verbindung zwischen Emma und Ihrem Neffen willigte , handelte es sich nicht mehr um das , was ich zugeben oder hindern wollte ; die beiden unglücklich Gepaarten mußten ihr Loos erfüllen . Sie irren sehr , wenn Sie sich einbilden , ich habe durch Emma ' s plötzliche Entfernung von der Burg dies Alles verschuldet . Schon lange war Emma mit sich einig , Hugo frei zu geben . Ihr glühendes Herz flammte in lauter feurigen Bildern auf , die von innern Stürmen schnell gejagt , eine Wolkendecke über das wirkliche Leben breiteten . Sich für ihn zu opfern , das war der Stolz ihrer verschmachtenden Seele , das war das Geschäft ihrer kranken Phantasie . Wie wenig kennen Sie den Menschen , wenn Sie wähnen , bis dahin dringe fremder Wille . Es ist wahr ! nachdem , was im Hause des Präsidenten vorging , konnte ich an die Dauer solch schmählich entweihten Ehebundes nicht mehr denken . Was weiter folgte , darüber fordern Sie wohl von mir keine Rechenschaft . Das Kloster im Schwarzwalde war unsere erste Zuflucht . Einsamkeit und abgezogenes Denken gestalten das Gemüth nach anderer Form . Es scheint uns in diesem Augenblicke alles beschlossen und vollendet , was heute nur ruhen muß , um morgen weiter leben zu können . Emma ward schnell in ihrer Begeisterung mit dem fertig , was sie allein noch für Hugo thun konnte . Nach kurzer Zeit nahm sie den Schleier , und ließ das Gerücht ihres Todes sie von dem Manne scheiden , dem sie ihr Dasein bei weitem mehr , als den Heiligen des Klosters weihte . Was ich hierbei litt , doppelt litt , weil ich die Nutzlosigkeit dieses Opfers längst einsah , wie heiß ich das zertrümmerte Geschick , die Selbsttäuschung , die unnatürliche Verirrung der einzigen Tochter beweinte , wie sie mir anfangs in ihrer Umwandlung gestorben schien , und ich schwankte , ob ich sie nicht eben so gern unter der dichten Hülle des Sarges als hinter diesen Mauern wissen möchte ? das Alles sagt sich nicht , das faßt mit dem besten Willen Keiner , am wenigsten ein Mann ! Als darauf aber der Wurm in dem Herzen der Unglücklichen stärker nagte , sie , vollends hinwelkend , wahr zu machen drohte , was sie zum Scheine gespielt , da dachte ich darauf , durch Versetzung in eine andere geistliche Gemeine , ein wärmeres Clima , in ganz veränderte Umgebungen , sie mir noch lebend zu erhalten . Durch eine Verwendung meiner Prinzeß , ward Emma Aebtissin in einem florentinischen Kloster . Sie erschrack heftig bei der Nachricht . Ihre Gesundheit schien den Schmerzen der Trennung aus der Heimath nicht gewachsen . Nur einmal noch , auf kurze Zeit , wollte sie in der Nähe ihres alten Wohnsitzes athmen , leben dürfen ; sie forderte dies , als das einzige Mittel , den letzten Riß der Vergangenheit zu überwinden . Ihr Arzt rieth selbst dazu . Sie erhielt unbestimmten Urlaub , sie benutzte diesen - und das Aufziehen eines Pistolen-Schlosses reichte hin , die ganze künstliche Leiter unter ihren Füßen wegzuziehen ! Ich bin bei weitem hierüber nicht so erschüttert , wie Sie . Was die Welt denken und urtheilen wird ? gilt mir in dieser Hinsicht gleich . Die hat ihr Urtheil längst ausgesprochen . Nun sagt sie es noch einmal anders vielleicht , doch nicht klüger . Emma ist außerhalb ihrem Bereich , ich gehe ihr aus dem Wege , und Hugo - Nun das verlangen Sie nicht , daß mir dessen Geschick , wie dessen Ruf am Herzen liegen solle ! Was hofften Sie wohl von einer neuen Verbindung für ihn ? Was blendet Sie denn jetzt mit einemmale über den glaubensleeren , unklaren , unsichern Klügler , daß Sie Ihre Thränen in die seinen mischen ? - Meinen Sie , weil ihn das Außerordentliche erschütterte , weil ihn der Anblick der Todtgeglaubten übermannend niederwarf , er sei nun für immer in dem Kern des Daseins gebrochen ? Er könne das gespaltene Leben nicht wieder ergänzen ? nur in bejammernswerthem Ringen müssen ihm Tage und Jahre hingehen . Mein Gott , bester Freund ! tragen Sie doch Ihre Empfindungen nicht auf einen Menschen über , der keines bleibenden Eindrucks fähig ist . Wie schnell tauschte er ein Gut für das andere ein , wie noch schneller warf er dieses wieder von sich , und was wäre es denn jetzt mit ihm gewesen , hätte er auch die Vergessene nicht wiedergefunden ? Nein , glücklich war der niemals zu machen ! denn sehen Sie , mit allen schimmernden Gaben des Scharfsinns , des Witzes , der angenehmen Laune , bei dem milden Ausgleichen fremder Schwäche , der duldsamen Gelassenheit und den Aufwallungen liebender Gefühle , fehlt Ihrem Neffen ein innerer Mittelpunkt . Er ist wie ein schönes , reich ausgestattetes Haus , in dem Sie alles finden , nur keinen Heerd ! drum frieren Sie , und hungern und dursten , und werden niemals erquickt , wie viele Vorräthe auch überall befindlich sind . Der Heerd , der ihm im Innern fehlt , den verschmähet er auch im Aeußern . Naschen will er überall , doch gesammelt genießen , das kann er nicht . Fürchten Sie doch ja nicht für sein Herz , nennen Sie auch nicht die bebenden , confus ineinander gewirrten Fäserchen , ein Herz . Auf der Stelle mag es sonderbar bei ihm aussehen ! Vor allem aber schelten Sie Niemand , als ihn selbst , wenn Sie ' s beklagen müssen , daß von allen Ihren Hoffnungen keine erfüllt ward . Von der betrogenen Dame seiner Gedanken durfte