selbst mich zu nahen , vermeide ich soviel ich es schicklicher Weise kann , weil sie stets von Gabrielen mit mir sprechen will . Letzthin hat sie einen ganzen Abend hindurch mich über Sie ausgefragt . Ausgefragt , das ist das rechte Wort - für dieses neugierige , untheilnehmende Auskundschaften . Mir war dabei zu Muthe , als spräche jene Eugenia , die einst mit ähnlichen Redensarten mich dem Abgrunde entgegentrieb , von welchem nur die Hand eines Engels mich retten konnte . Und doch hat diese Aurelia eine gewisse , mir so liebe Art , den Kopf ein wenig vorzubeugen und dann seitwärts aufzublicken ! Im Gespräch hebt sie oft die zarte wunderschöne Hand , deren gleichen es nur noch einmal in der Welt giebt , und regt die rosigen Fingerchen so , daß ich nicht müde werden kann , ihr zuzusehen . Oft höre ich ihrer Stimme zu , und strenge mich an , auf ihre Worte nicht zu merken , dann träume ich mir , ein böser Zauber habe Gabrielen in diese Gestalt gebannt , und die Zeit desselben wäre nun um ; ich blicke auf zu ihr und bei jeder Ihnen abgestohlnen Bewegung wähne ich , jetzt müsse die fremde Gestalt verschwinden und meine Sonne mir aufgehen . « » Was man so in der Welt liebenswürdig nennt , ist diese Aurelia , sobald sie es seyn will , in hohem Grade . Zu ihrer Ehre sey es gesagt , daß dieses oft der Fall ist , und doch giebt es Momente , in welchen sie mir sogar hassenswerth vorkommt , weil sie nicht Gabriele ist und sich doch unterfängt , ihr ähnlich zu scheinen . Dann graust mir vor ihr , wie vor einem Leben heuchelnden Wachsbilde . Aber ist es nicht wunderbar , daß Ernesto , außer der Stimme , welche er allenfalls noch zugiebt , mir jede weitre Aehnlichkeit Aureliens mit Ihnen durchaus abläugnet ? Er sucht sogar , und oft ziemlich auffallend mich von ihr fern zu halten , als fürchte er für mich in ihrer gefährlichen Nähe . Ahnet er denn gar nicht , daß es nur der Schatten von Gabrielens Schatten ist , was zu ihr mich zieht ? « Aus gleichzeitigen Briefen Ernestos an Frau von Willnangen . » Ich weiß es , theure Freundin ! Sie lachen über meine Bedenklichkeiten und Besorgnisse , aber ich lasse es mir gefallen und gebe ohne Widerstreben Ihrem gutmüthigen Spotte mich Preis , wenn ich nur nach gewohnter Art Ihnen vertrauen darf , was Herz und Sinne mir trübt . Und dieß ist jetzt Aureliens blendendschöne Erscheinung , ungeachtet ihres zuvorkommenden Betragens gegen mich , und des schmeichelnden Klanges ihrer Worte . Ich kann mich nun einmal des peinlichsten Gefühls in ihrer Nähe nicht erwehren , und seit ein Zufall , den ich durchaus boshaft und unheilbrütend nennen muß , uns hier in Florenz ihr entgegen warf , habe ich innerlich weder Ruhe noch Rast . Schon seit sie aufhörte ein Kind zu seyn , spürte ich bei ihr etwas Unheimliches , das meinen Unmuth erregte , obgleich ihre äußere Liebenswürdigkeit mir oft recht hinreißend erschien . Jetzt wird dieses Gefühl lauter in mir als je , ihr Lachen , ihr Scherzen klingen mir wie bittrer , dem Leben gesprochner Hohn , der sich nur in erzwungne Lustigkeit zu verkleiden sucht , und ihr ganzes Wesen hat in meinen Augen etwas so verstörtes , unheilweissagendes , daß ich weder mich selbst , noch die , welche ich liebe , in ihrer Nähe wissen mag . Vor allem änstigt es mich , wenn ich Hippoliten , verloren in ihrem Anschauen und in dem Klange ihrer Worte , neben ihr sitzen sehe ; dann drängt es mich , ihn von ihr fortzureißen , und müßte ich auch mit meinem geliebten Zöglinge von irgend einem Felsen herabspringen , wie einst der weise Mentor mit dem Sohne des Odysseus . Daß es übrigens mit dem Einflusse dieser neuen Kalypso bei meinem Telemach keine große Gefahr hat , weiß ich , gottlob ; sie wird ihn mir weder bezaubern noch verhexen , obgleich sie zu beiden wohl Lust und auch Talent hätte , denn er steht zum Glücke unter höherem Schutze . Wäre mir dieß auch früher nicht schon klar geworden , so hätte mir es ein Lied gesagt , welches er sich schrieb mitten in einer rauschenden Gesellschaft , wo Aurelia und andre schöne Frauen ihn aufforderten , mehr Theil an der Geselligkeit zu nehmen . Es war an dem Ufer eines kleinen Flusses , wo er sich unter überhängende Pinien setzte und in seine Schreibtafel die Worte aufzeichnete , die er mir beim Nachhausegehen als Antwort auf die Aufforderung der Damen stumm überreichte , die ich ihm wortlos zurückgab und die ich ihn seitdem oft nach einer Melodie singen höre , welche er dazu fand . Ich schließe die einfachen Worte diesem Briefe bei . Trotz alle dem suche ich doch absichtlich aber unmerklich die Gelegenheiten zu entfernen , wo Hippolit mit Aurelien zusammentreffen kann ; denn der Umgang mit Wesen ihrer Art bringt nichts Gutes , macht Niemanden besser ; und darum soll man ihn nach meiner Ueberzeugung meiden , so viel man nur immer kann . « Hippolits Lied . Laßt mich , ob ich auch still verglüh ' , Laßt mich nur stille gehn ; Sie seh ' ich spät , Sie seh ' ich früh Und ewig vor mir stehn . Was ladet ihr zur Ruh ' mich ein ? Sie nahm die Ruh ' mir fort ; Und wo Sie ist , da muß ich seyn , Hier sey es oder dort . Zürnt diesem armen Herzen nicht , Es hat nur einen Fehl : Treu muß es schlagen bis es bricht , Und hat deß nimmer Hehl . Laßt mich , ich denke doch nur Sie ; In Ihr nur denke ich ; Ja ! ohne Sie wär ' ich einst nie Bei Engeln ewiglich . Im Leben denn