und Versprochene mitbringen . Die Nachbarn , welche , jung und alt , in Erwartung wie gewöhnlich zusammengekommen waren , machten verdrießliche Gesichter , Lieschen besonders , die ihm entgegengegangen war , schien sehr übler Laune . Ich hatte mich in mein Zimmer geflüchtet , das Blatt in der Hand haltend , ohne hineinzusehen , denn es hatte mir schon heimlichen Verdruß gemacht , aus jener Erzählung zu vernehmen , daß Wilhelm die Verbindung beschleunigt habe . » Alle Freunde sind so , alle sind Diplomaten ; statt unser Vertrauen redlich zu erwidern , folgen sie ihren Ansichten , durchkreuzen unsre Wünsche und mißleiten unser Schicksal ! « So rief ich aus , doch kam ich bald von meiner Ungerechtigkeit zurück , gab dem Freunde recht , besonders die jetzige Stellung bedenkend , und enthielt mich nicht weiter , das folgende zu lesen . » Jeder Mensch findet sich von den frühsten Momenten seines Lebens an , erst unbewußt , dann halb , endlich ganz bewußt , immerfort bedingt , begrenzt in seiner Stellung , weil aber niemand Zweck und Ziel seines Daseins kennt , vielmehr das Geheimnis desselben von höchster Hand verborgen wird , so tastet er nur , greift zu , läßt fahren , steht stille , bewegt sich , zaudert und übereilt sich , und auf wie mancherlei Weise denn alle Irrtümer entstehen , die uns verwirren . « » Sogar der Besonnenste ist im täglichen Weltleben genötigt , klug für den Augenblick zu sein , und gelangt deswegen im allgemeinen zu keiner Klarheit . Selten weiß er sicher , wohin er sich in der Folge zu wenden und was er eigentlich zu tun und zu lassen habe . « » Glücklicherweise sind alle diese und noch hundert andere wundersame Fragen durch euren unaufhaltsam tätigen Lebensgang beantwortet . Fahrt fort in unmittelbarer Beachtung der Pflicht des Tages und prüft dabei die Reinheit eures Herzens und die Sicherheit eures Geistes . Wenn ihr sodann in freier Stunde aufatmet und euch zu erheben Raum findet , so gewinnt ihr auch gewiß eine richtige Stellung gegen das Erhabene , dem wir uns auf jede Weise verehrend hinzugeben , jedes Ereignis mit Ehrfurcht zu betrachten und eine höhere Leitung darin zu erkennen haben . « Sonnabend , den 20. Vertieft in Gedanken , auf deren wunderlichen Irrgängen mich eine fühlende Seele teilnehmend gern begleiten wird , war ich mit Tagesanbruch am See auf und ab spaziert ; die Hausfrau - ich fühlte mich sehr zufrieden , sie nicht als Witwe denken zu dürfen - zeigte sich erwünscht erst am Fenster , dann an der Türe ; sie erzählte mir : der Vater habe gut geschlafen , sei heiter aufgewacht und habe mit deutlichen Worten eröffnet , daß er im Bette bleiben , mich heute nicht , morgen aber erst nach dem Gottesdienste zu sehen wünsche , wo er sich gewiß recht gestärkt fühlen werde . Sie sagte mir darauf , daß sie mich heute viel werde allein lassen ; es sei für sie ein sehr beschäftigter Tag , kam herunter und gab mir Rechenschaft davon . Ich hörte ihr zu , nur um sie zu hören , dabei überzeugt ' ich mich , daß sie von der Sache durchdrungen , davon als einer herkömmlichen Pflicht angezogen und mit Willen beschäftigt schien . Sie fahr fort : » Es ist gewöhnlich und eingerichtet , daß das Gewebe gegen das Ende der Woche fertig sei und am Sonnabendnachmittag zu dem Verlagsherrn getragen werde , der solches durchsieht , mißt und wägt , um zu erforschen , ob die Arbeit ordentlich und fehlerfrei , auch ob ihm an Gewicht und Maß das Gehörige eingeliefert worden , und , wenn alles richtig befunden ist , sodann den verabredeten Weberlohn zahlt . Seinerseits ist nun er bemüht , das gewebte Stück von allen etwa anhängenden Fäden und Knoten zu reinigen , solches aufs zierlichste zu legen , die schönste , fehlerfreiste Seite oben vors Auge zu bringen und so die Ware höchst annehmlich zu machen . « Indessen kamen aus dem Gebirg viele Weberinnen , ihre Ware ins Haus tragend , worunter ich auch die erblickte , welche unsern Geschirrfasser beschäftigte . Sie dankte mir gar lieblich für das zurückgelassene Geschenk und erzählte mit Anmut : der Herr Geschirrfasser sei bei ihnen , arbeite heute an ihrem leerstehenden Weberstuhl und habe ihr beim Abschied versichert : was er an ihm tue , solle Frau Susanne gleich der Arbeit ansehen . Darauf ging sie , wie die übrigen , ins Haus , und ich konnte mich nicht enthalten , die liebe Wirtin zu fragen : » Um ' s Himmels willen ! wie kommen Sie zu dem wunderlichen Namen ? « - » Es ist « , versetzte sie , » der dritte , den man mir aufbürdet ; ich ließ es gerne zu , weil meine Schwiegereltern es wünschten , denn es war der Name ihrer verstorbenen Tochter , an deren Stelle sie mich eintreten ließen , und der Name bleibt doch immer der schönste , lebendigste Stellvertreter der Person . « Darauf versetzte ich : » Ein vierter ist schon gefunden , ich würde Sie Gute-Schöne nennen , insofern es von mir abhinge . « Sie machte eine gar lieblich demütige Verbeugung und wußte ihr Entzücken über die Genesung des Vaters mit der Freude , mich wiederzusehen , so zu verbinden und zu steigern , daß ich in meinem Leben nichts Schmeichelhafteres und Erfreulicheres glaubte gehört und gefühlt zu haben . Die Schöne-Gute , doppelt und dreifach ins Haus zurückgerufen , übergab mich einem verständigen , unterrichteten Manne , der mir die Merkwürdigkeiten des Gebirgs zeigen sollte . Wir gingen zusammen , bei schönstem Wetter , durch reich abwechselnde Gegenden . Aber man überzeugt sich wohl , daß weder Fels noch Wald , noch Wassersturz , noch weniger Mühlen und Schmiedewerkstatt , sogar künstlich genug in Holz arbeitende Familien mir irgendeine Aufmerksamkeit abgewinnen konnten . Indessen war der Wandergang für den ganzen Tag angelegt ,