genug sei und Anlagen zur guten Konversation zeige . - So etwas erfreut auch den Mißmütigen ! - - Jean Jacques Rousseau gesteht , als er in seinen » Bekenntnissen « auf die Geschichte von dem Bande kommt , das er stahl , und ein armes unschuldiges Mädchen für den Diebstahl züchtigen sah , den er begangen , ohne die Wahrheit zu gestehen , wie schwer es ihm werde , über diese Untiefe seines Gemüts hinwegzukommen . - Ich befinde mich eben jetzt in gleichem Fall mit jenem verehrten Selbstbiographen . - Habe ich auch kein Verbrechen zu gestehen , so darf ich doch , will ich wahrhaft bleiben , die große Torheit nicht verschweigen , die ich an demselben Abende beging , und die lange Zeit hindurch mich verstörte , ja meinen Verstand in Gefahr setzte . - Ist es aber nicht ebenso schwer , ja oft noch schwerer , eine Torheit zu gestehen als ein Verbrechen ? - Nicht lange dauerte es , so überfiel mich solch eine Unbehaglichkeit , solch ein Unmut , daß ich mich weit fort wünschte unter den Ofen des Meisters . Es war die gräßlichste Langeweile , die mich zu Boden drückte , und die endlich mich alle Rücksichten vergessen ließ . Ganz still schlich ich mich in eine entfernte Ecke , um dem Schlummer nachzugeben , zu dem mich das Gespräch rundumher einlud . Dasselbe Gespräch nämlich , das ich erst in meinem Unmut vielleicht gar irrtümlich für das geistloseste , fadeste Geschwätz gehalten , kam mir nun vor wie das eintönige Geklapper einer Mühle , bei dem man sehr leicht in ein ganz angenehmes gedankenloses Hinbrüten gerät , dem dann der wirkliche Schlaf bald folgt . - Eben in diesem gedankenlosen Hinbrüten , in diesem sanften Delirieren war es mir , als funkle plötzlich ein helles Licht vor den geschlossenen Augen . Ich blickte auf , und dicht vor mir stand ein anmutiges schneeweißes Windspielfräulein , Badines schöne Nichte , Minona geheißen , wie ich später erfuhr . » Mein Herr , « sprach Minona mit jenem süßlispelnden Ton , der nur zu sehr widerklingt in des feurigen Jünglings erregbarer Brust , » mein Herr , Sie sitzen hier so einsam , Sie scheinen sich zu ennuyieren ? - Das tut mir leid ! - Aber freilich , ein großer tiefer Dichter wie Sie , mein Herr , muß , in höhern Sphären schwebend , das Treiben des gewöhnlichen sozialen Lebens schal und oberflächlich finden . « Ich erhob mich etwas bestürzt , und es tat mir weh , daß mein Naturell , stärker als alle Theorien des gebildeten Anstandes , mich zwang , wider meinen Willen den Rücken hoch zu erheben , einen sogenannten Katzenbuckel zu machen , worüber Minona zu lächeln schien . Gleich mich zur bessern Sitte erholend , faßte ich aber Minonas Pfote , drückte sie leise an meine Lippen und sprach von begeisterten Augenblicken , denen der Dichter oft erliege . Minona hörte mich an mit solchen entscheidenden Zeichen der innigsten Teilnahme , mit solcher Andacht , daß ich mich selbst immer höher steigerte zur ungemeinen Poesie und zuletzt mich selbst nicht recht verstand . - Minona mochte mich ebensowenig verstehen , aber sie geriet ins höchste Entzücken und versicherte , wie oft es schon ihr inniger Wunsch gewesen , den genialen Murr kennen zu lernen , und daß einer der glücklichsten , herrlichsten Momente ihres Lebens der gegenwärtige sei . - Was soll ich sagen ! - Bald fand sich ' s , daß Minona meine Werke , meine sublimsten Gedichte gelesen - nein ! nicht nur gelesen , sondern in der höchsten Bedeutung aufgefaßt hatte ! Mehreres davon wußte sie auswendig und sagte es her mit einer Begeisterung , mit einer Anmut , die mich in einen ganzen Himmel voll Poesie versetzte , vorzüglich , da es meine Verse waren , die die Holdeste ihres Geschlechts mir anzuhören gab . » Mein bestes , « rief ich ganz hingerissen , » mein bestes , holdestes Fräulein , Sie haben dies Gemüt verstanden ! Sie haben meine Verse auswendig gelernt ; o all ihr Himmel ! gibt es eine höhere Seligkeit für den aufwärtsstrebenden Dichter ? « » Murr , « lispelte Minona , » genialer Kater , können Sie glauben , daß ein fühlendes Herz , ein poetisch gemütliches Gemüt Ihnen entfremdet bleiben kann ? « - Minona seufzte nach diesen Worten aus tiefer Brust , und dieser Seufzer gab mir den Rest . - Was anders ? - Ich verliebte mich in das schöne Windspielfräulein dermaßen , daß ich , ganz toll und verblendet , nicht bemerkte , wie sie mitten in der Begeisterung plötzlich abbrach , um mit einem kleinen Zierbengel von Mops gänzlich fades Zeug zu schwatzen , wie sie mir den ganzen Abend auswich , wie sie mich auf eine Art behandelte , die mich hätte deutlich erkennen lassen sollen , wie sie mit jenem Lobe , mit jenem Enthusiasmus niemand anders gemeint , als sich selbst . - Genug , ich war und blieb ein verblendeter Tor , lief der schönen Minona nach , wie und wo ich nur konnte , besang sie in den schönsten Versen , machte sie zur Heldin mancher anmutig verrückten Geschichte , drängte mich in Gesellschaften ein , wo ich nicht hingehörte , und erntete dafür so manchen bittern Verdruß , so manche Verhöhnung , so manches kränkende Ungemach . Oft in kühlen Stunden trat mir selbst die Albernheit meines Beginnens vor Augen ; dann kam mir aber wieder närrischerweise der Tasso und mancher neuere Dichter von ritterlicher Gesinnung ein , dem es an einer hohen Herrin liegt , der seine Lieder gelten , und die er aus der Ferne anbetet wie der Manchaner seine Dulzinea , und da wollt ' ich denn wieder nicht schlechter und unpoetischer sein als dieser und schwur dem Gaukelbilde meiner Liebesträume , dem anmutigen weißen Windspielfräulein , unverbrüchliche Treue und Ritterdienst bis in den Tod . Einmal von