die Tür und schrie erschrocken auf : » Jesus Maria ! « Seger stand draußen und trat herein , indem er sprach : » Anton , wir sind quitt , ich habe Euch entführt , Ihr habt auf mich schießen wollen ; wir haben nichts mehr gegen einander ; wir können jetzt manches mit einander tun , vor allem zechen . « » Aber sage mir Seger , sag mir mein Fabian , ich erkenne dich jetzt erst ganz wieder , wie hast du so vielfach gegen mich handeln können ? « » Nun , Ihr wißt alles schon « , sagte Seger , » ja seht , in früher Zeit mußte ich es auf Geheiß meines Vaters Niklas tun , den nun schon lange der Teufel geholt hat ; was ich zuletzt getan , das war der verfluchten Weiber wegen in Augsburg , und ich frag Euch selbst , ob einem ein Weib nicht den Kopf umdrehen kann , als wär er ein Wetterhahn . « Anton dachte sich in dem Augenblicke zwischen seine Frau und Susannen , machte eine bedenkliche Miene und bot ihm die Hand : » Es ist gut , will weiter nicht daran denken ; es ist mir lieb , daß ich wieder einen habe , mit dem ich von alten Zeiten reden kann , von alten Späßen ; von meiner neuen gräflichen Herrlichkeit werde ich wohl so bald nichts erfahren . Wein her , Kurt ! Sagt mir nur , warum habt Ihr meines Vaters Vieh weggetrieben ? « SEGER : » Ich brauchte Geld und jetzt haben wir ' s beide ; es kam gerade ein Schlächter vorbei , der hatte eine schwere Geldkatze um und ein Dutzend blanke Messer in der Scheide ; der Kerl hatte solche Lust zum Schlachten , wie sein Hund zum Blutlecken , der hatte einen Jubel an all dem fetten Schafvieh . « - ANTON : » Mit den Schafen , das ärgert mich , es war so ein Angedenken aus meiner Jugend ; wenn das mein Vater noch erlebt hätte ! « - SEGER : » Es geht immer anders nach dem Tode , als die Alten meinen ; meinen Vater sollte ich recht reinlich begraben , das hatte er mir befohlen ; nun hatte er sich niemals gewaschen , ich zog ihm also die Haut ab und ließ mir ein Paar Hosen daraus gerben , so war uns beiden gedient und geholfen . « - ANTON : » Pfui Teufel ! mit solchen Geschichten bleib mir vom Leibe . Wie ist dein Vater gestorben ? « SEGER : » Das wird Euch nicht sonderlich gefallen , ich hab ' s Euch ja damals erzählt , wie ich ihm den Tod zugeschworen ; das habe ich auch gehalten . « - ANTON : » Ihr seid ein erschrecklicher Mensch ! Ich weiß gar nicht , warum ich Euren verfluchten Reden immer zuhören muß . « - Susanna brachte jetzt Wein in einer hölzernen Kanne , die mit verschiedenen farbigen Holzarten buntgewürfelt ausgelegt war . SEGER : » Bringst du auch einen Fingerhut mit ? Nein , das gilt nicht ; jetzt ziehen wir in den Keller , ich glaub , der Junge will sparen . « - ANTON : » Hör Susanna , du bringst uns wenig . « Susanna wurde rot und ging zur Tür hinaus ; Seger lachte mit hoher Stimme : » Also ist Frau Annas Bettplatz schon wieder besetzt ? das nenn ich rasch nach solchem Gesichterschneiden , Mundlecken , Herzdrücken und Tränenquetschen . « - ANTON : » Nichts davon , ich liebe noch meine Frau wie sonst und hab dies arme Kind nicht sonderlich sündlich berührt . « - SEGER : » Da seid Ihr ein Narr gewesen , so will ich ' s tun . « - ANTON : » Beim heiligen Sixtus , ich spalt Euch das Haupt , wo Ihr sie anrührt ; auch dürft Ihr nicht sagen , daß ich ihr Geschlecht verraten . « - SEGER : » Ihr seid verflucht herrisch , seit Ihr den Titel eines Grafen von Stock Euch hinters Ohr geschrieben , denn auf der Stirn dürft Ihr das S doch nicht tragen , sonst lachen Euch die Leute aus ; weiß noch kein Mensch , ob an der ganzen Kronenburg etwas ist ; mein Vater meinte immer , es sei ein altes Loch von einem Bergschlosse , wo sie einen Schatz drin glaubten , den aber noch kein Mensch gesehen ; es ist so wie mit den Reliquien , hab mein Tage viel Geld damit verdient ; wo ich irgend einen alten Lumpen , ein Stück faul Holz , ein paar ausgedürrte Knochen am Schindanger finden kann , das schneide ich zu Reliquien , lege Zeugnis und alte Schrift bei ; die Leute sind so fromm und so dumm dabei , wie bei den echten . « Susanna brachte wieder Wein , aber der war schnell ausgetrunken . Seger schwor darauf , sie müßten in den Keller , bei dem Tragen verdufte die beste Kraft , nahm auch Anton halb auf seine Schulter , halb ging er , und brachte ihn mit Ächzen bis vor die Türe . Hier ließ sich Anton herunter und sagte , daß er wirklich schon allein gehen könne , besah die Wände und seufzte : » Seht Seger , in diesem Saale trug mich meine liebe Mutter oft Huckepack und sagte mir , sie sei ein Streitpferd und ich ein Ritter , wenn ich Abends nicht einschlafen wollte . « - » Meine Mutter sprach immer , ich sei ein schieler Spitzbube , wenn ich Abends nicht schlafen wollte , und wenn sie eins zu viel getrunken hatte , schlug sie mir dabei an die Ohren - das war mein Ritterschlag . « Sie kamen in den Keller , da lagen viele Fässer , aber wenig Wein ; endlich zeigte ihnen Susanna das letzte , worin der heimliche Gott noch wirkte . Anton war von