weißt von nichts , du läßt mich ganz allein , Was ich in dir geliebt , das bleibt doch mein . Gehört dem Flügel dieser Ton , Den meine Finger traurig weckten ? Nein du bist mein , dir selber recht zum Hohn , Was ich in dir erweckt , gehört mir schon . Dein Haus ist mein , denn ach von dir Umschließt es so viel schöne Kinder ; Ist mein die Perle , so gehört auch mir Die Schale , deines Leibes schöne Zier . Ich geb die Seele , du bist mein , Du schöner Teufel mußt mir dienen , Hast mich verführt mit schönem Augenschein , Sei alles falsch und leer , du bist doch mein . Vielleicht war es in derselben Stunde , während die Fürstin so heftig zu ihrem Flügel sang , wo der Schreiber , ( den der Graf ein paarmal , um ihn zu witzigen , etwas scharf angesprochen , als er sich gar zu weise gemacht ) , nachdem er die ersten Wallungen seines Zornes überwunden hatte , mit einem beruhigenden Blicke seine Arbeiten betrachtete und sich mit stillen Bitten an seinen Genius wendete ; sicher ist es , er machte an jenem Tage das folgende Sonett Mein Genius , du hast mir viel verliehen , Du kannst , was nie geahndet , mir erschließen , Wenn deine Blicke flüchtig mich begrüßen , Durch dich gedeiht mir jegliches Bemühen . O könnt ich dich mit meinem Arm umschließen , Daß du dich nimmer könntest mir entziehen , Daß meine Wangen nie von Scham erglühen , Verläßt mich Witz , wo andrer Witze fließen . Schaff mich gewiß und fest in allen meinen Kräften , Daß sie dem Augenblicke willig dienen So bin ich tüchtig jeglichen Geschäften . Gleich fern von Furcht und Frechheit in den Mienen , Laß mich die Blicke frei auf andre heften , Und aller Neid soll schwinden im Erkühnen . Wir überlassen es dem Urteile der Leser , ob sie lieber so wüten möchten wie jene , oder so ruhig überlegen wie dieser . Diese Überlegung , dieses ewige Betrachten , in dem sich sein ganzes Wesen verlor , während es sich recht tief zu erfassen meinte , war in seiner frühesten Zeit begründet . Er war einer der geschicktesten Schüler seiner Stadt ; zwar von armen Eltern , aber überall durch Fleiß ausgezeichnet . Einem Lehrer seiner Schule war er besonders anvertraut und strebte mit unaufhaltsamer Leidenschaft diesem seinem Muster in allem , sowohl in Kenntnissen als im Äußern gleich zu werden ; in diesem Streben hatte er dessen ganze Bibliothek durchgelesen , einige Bücher ausgenommen , die jener in einem besonderen Schranke aufbewahrte , und mit denen er sich zuweilen halbe Tage verschloß . Viele Monate hatte er gesonnen , wie er zu diesem Schatze gelangen könnte ; in halbem Fieber durch die Furcht entdeckt zu werden , und von der Höhe allgemeiner Liebe und Ehre zur Schadenfreude aller herabgestürzt zu werden , versuchte er nacheinander alle Schlüssel , die er sich verschaffen konnte . Endlich an einem heißen Nachmittage , wo er sich wegen einer Arbeit vom Ausgehen losgebeten hatte , gelang es ihm mit einem Schlüssel , den ihm ein Dieb bei seiner Arretierung zugeworfen hatte , den geheimnisvollen Schrank zu öffnen ; mit klopfendem Herzen durchblätterte er ein kleines Büchlein , das einzige , was darin enthalten war . Es war das dem Meursius untergeschobene Buch von der Eleganz der lateinischen Sprache , und wie es erst der Verdruß kein Buch über geheimnisvolle Wissenschaften zu finden , aus seiner Hand geworfen , so hob er es bald wieder aus allgemeiner Neugierde auf , und der sinnliche Brand der Lust in dem Buche , der sich im tiefsten Verderben der Zeiten zu kühlen suchte , erweckte eine Seite in ihm , die bis dahin tief geschlummert hatte . Er las sich heiß an dem Buche , daß ihm der Atem verging ; ganz gegenwärtig umschwebten ihn alle schändlichen Lüste verwilderter Naturen , fast mit Gewalt mußte er sich losreißen , als der Lehrer kam , der bald mit Verwunderung sein fremdes Wesen bemerkte . Mit Lügen wußte er sich durchzuhelfen , Lüge wurde sein ganzes Leben zu andern . Da er weder reich noch schön war , so konnte er seine erweckten Begierden schwer befriedigen ; da er den Ruhm des Fleißes und der Geschicklichkeit über alles liebte , konnte er auch nicht so viel Zeit jenen Gedanken , die ihn innerlich ergötzten , hingeben ; ja er machte sich schmerzliche Vorwürfe darüber , kaufte jeden sündigen Augenblick mit Stunden des Fleißes , strafte sich für jeden Gedanken : so kam er zu jenem ewigen Bewußtsein , das ihn in jeder selbst überlassenen Minute schreckhaft aufquälte ; für sein innerliches Leben hatte er keinen Freund mehr , er schämte sich dessen . Je tiefer wir in uns versinken , Je näher dringen wir zur Hölle , Bald fühlen wir des Glutstroms Welle , Und müssen bald darin vertrinken ; Er zehrt das Fleisch von unserm Leibe , Und öde wird ' s im Zeitvertreibe , In uns ist Tod ! Die Welt ist Gott ! O Mensch , laß nicht vom Menschen los , Ist deine Sünde noch so groß Meid nur die Sehnsucht nach den Sünden , So kannst du noch viel Gnade finden ; Wer hat die Gnade noch ermessen ? Es kann der Mensch so viel vergessen ! Dreizehntes Kapitel Der Besuch der Obristin . Die Fürstin besteigt mit dem Grafen den Ätna . Nächtliche Verwechselung . Die Meerfahrt . Der Prinz von Palagonien . Die Mineraliensammlung . Johannes und Hyolda In dieser Zeit wurde die Herzogin von der alten Obristin , die sie nach Sizilien geführt hatte , sehr angenehm überrascht . Diese heitre alte Frau , die sich mit einem gewissen Stolze als die Schöpferin alles Glücks dieses Hauses ehren ließ , trat auch gewissermaßen herrschend darin auf , da selbst die Herzogin aus Ehrfurcht gegen sie manche