und Qual gezogen zu werden , der den größten Theil der Einwoher immerwährend mit sich fortreißt . Ach , Bruder , mein Herz hat richtig geahnet , und richtig empfunden , als es beim ersten Anblick des unvergeßlichen Freundes stärker als je bei eines andern Mannes Anblick schlug ! Was habe ich um seinetwillen schon gelitten ! Was werde ich noch zu leiden haben ! Der Streit zwischen Constantin und Galerius ist offenbar ausgebrochen - dieser hat Jenem , wie man sagt , nach dem Leben gestrebt . Constantin ist hierauf entflohen , aber in Chalcedon ergriffen , und wieder nach Nikomedien gebracht worden , und Galerius hat einen lauten Schwur gethan , ihn öffentlich hinrichten zu lassen . So standen die Sachen gestern . Agathokles hört diese Nachricht - er erkennt die Gefahr seines Freundes , und reißt sich aus den Armen eines geliebten Weibes , aus dem Schooße des häuslichen Glückes , besticht die Wachen , die den Constantin lieben , und ohnedies den verehrten Feldherrn unwillig in dem schmählichen Gefängnisse und zum Tode bestimmt sahen , und beredet diesen , an seiner Statt und in seinen Kleidern den Kerker zu verlassen , indem er sich für ihn dem Tode weiht . Constantin nimmt das ungeheure Opfer an , entflieht , und ist jetzt schon vielleicht in Byzanz . Galerius wüthet über den Betrug , der ihm gespielt wurde , und hat öffentlich erklärt , daß kein Mensch bei Lebensstrafe sich erkühnen dürfe , auch nur ein Wort für Agathokles Leben zu sprechen , den er jetzt noch ärger als Constantin haßt , und zu verderben geschworen hat ; und der schändliche Marcius Alpinus unterläßt nichts , was in seiner Macht steht , um die alte Nache am Agathokles zu kühlen . So wird der edelste Sterbliche , den ich je gekannt , ein Opfer seiner überspannten Begriffe , und der Bosheit niedriger Menschen , und es übrigt kein Strahl von Hoffnung , um ihn zu retten . Vorgestern noch war er bei mir , so fröhlich , so heiter , daß unwillkührlich die schönen Stunden in Rom vor meine Seele zurückkehrten - und heute ? Tiridates war der erste , der die Schreckensbotschaft hörte . Agathokles fand die Möglichkeit , einen Soldaten von der abgehenden Wache zu ihm zu senden , und ihm sein Weib , seine Kinder zu empfehlen . Ich habe Tiridates nie liebenswürder gesehen , als in dem Augenblick , wo er tief erschüttert und mit Thränen mir die Gefahr seines Freundes ankündigte , und mich bat , die unglückliche Frau auf die schreckliche Nachricht vorzubereiten , und sie in ihrem Schmerz nicht zu verlassen . Ich fiel ihm weinend um den Hals , und wir gelobten uns mit Thränen , Alles zu thun , was zur Rettung oder zur Erleichterung des edlen unglücklichen Paares in unserer Macht stand . Ich ließ mich sogleich zu Theophanien führen . Ich fand sie in unbeschreiblicher Angst ; denn Agathokles war vor mehreren Stunden fortgegangen , ohne daß sie wußte , wohin - aber in einer Fassung , die sie Alles fürchten ließ . Langsam und nach und nach ließ ich sie mehr errathen als hören , was geschehen war , und nun fing sie heftig an zu zittern , eine Todtenblässe überzog ihr Gesicht , und sie sank leblos von dem Stuhle herab . Es brauchte mehr als eine Stunde Zeit , bis sie wieder ein Zeichen des Lebens gab , dann aber wechselten Ohnmacht und halber Wahnsinn mit einander ab , und in diesem bedauernswürdigen Zustande ist sie noch . Die Aerzte fürchten sehr für ihr Leben , besonders wenn die erschütterte Natur den Zeitpunkt , der ihr nahe bevorsteht , beschleunigen sollte . Ich habe mir vorgenommen , sie nicht zu verlassen , und werde es halten ; es ist vielleicht der letzte Beweis wahrer , treuer Freundschaft , den ich meinem verlornen Freunde geben kann . Leb ' wohl . 107 . Agathokles an Phocion . Nikomedien , im Mai 305 . Kerkermauern umschließen mich , ein matter Lichtstrahl fällt von oben herab durch das Gegitter , und beleuchtet sparsam den Brief - vielleicht den letzten , den ich an den treuesten ältesten Freund auf dieser Erde schreibe . An mein Weib , habe ich gestern geschrieben . Sie und mein Kind - bald vielleicht meine Kinder ! - sind die einzigen Gegenstände , die ich mit Schmerz verlasse , aber o mit welchem Schmerz ! Das weiß nur der , der dies Herz so weich , so empfindlich für das unaussprechliche Glück der Liebe gebildet hat , der es ihm in vollem Maaße zu genießen gab , und es jetzt mit strengem Ernst von demselben abruft ! Sein Wille geschehe ! Ich habe gethan , was meine Pflicht gebot . Kein Zweifel , keine Unruhe kommt in meine Seele . Da war nicht zu wählen , nicht anzustehen . Jede Stimme , selbst die der Liebe mußte verstummen . Es blieb kein Ausweg . Er oder ich ! Fiel Constantin , so war alle Aussicht für die Verbesserung , die Rettung der Menschheit verloren , jede Hoffnung im Keim zerstört . Der wüthende Galerius behielt den Erdkreis in seinen blutigen Händen , das Christenthum würde , wo nicht vertilgt , doch jede seiner Segnungen vielleicht auf Jahrhunderte hinaus vernichtet seyn . Und was verlor die Welt an mir ? Zwar weiß ich , daß Theophaniens Herz brechen wird - aber es wird mit meinem brechen , wir werden uns wiedersehen ! Zwei gebrochene Herzen , zwei Sterbende - für einen geretteten Erdkreis ! Ich verließ mein Weib , ohne ihr zu sagen , was ich vorhatte . Ganz wußte ich ' s in diesem Augenblicke selbst nicht , aber ich ahnete , daß mir ein großer Schritt bevorstand , und Alles auf einen schnellen Entschluß ankam . Ich traf alle Anstalten , um eine zweite Flucht Constantins zu sichern , dann öffnete mir mein Gold den Weg zu ihm . Ich fand