mich selber hinzurichten , nämlich hinunterzusehen in den Neupeterschen Park , wenn Wina , in die ich mich vergafft habe , zufällig mit deiner Raphaela lustwandelt . Ich freue mich darauf , wie wir beide an unsern Fenstern stehen und hinabschmachten und lächerlich sein werden . Nichts ist komischer als ein Paar Paare Verliebter ; noch mehr wär ' es ein ganzer rechter und ein linker Flügel , der seufzend einander gegenüberstände ; - - hingegen eine ganze Landsmannschaft von Freunden sähe nur desto edler aus . Für jeden ist eine Frau freilich etwas anderes ; für den einen Hausmannskost , für den Dichter Nachtigallenfutter , für den Maler ein Schauessen , für Walten Himmelsbrot und Liebes- und Abendmahl , für Weltmenschen ein indisches Vogelnest und eine pommersche Gänsebrust - kalte Küche für mich . Die Lungensucht , welche Liebende und die Wärter der Seidenraupen - jene wollen ja auch Seide dabei spinnen - davontragen , wird mich als Seladon eher verlassen als ergreifen , weil ich so lange die lungengefährliche Flöte einstecke , als ich auf den Knien liege und spreche . Ich bin dir aber wirklich sehr gut , Wina , zumal da deine Singstimme so kanonisch ist und so rein ! - Aber ich will denn mein heutiges Tagebuch über den Bruder anheben ... « Nachtrag zu Nr. 56. Der fliegende Hering Das Vorstehende war zur Testaments-Exekution abgeschickt , als ich es von derselben - dem trefflichen Kuhnold - mit diesem Briefe wieder bekam : » Verehrtester Herr Legationsrat ! Ich glaube nicht , daß die van der Kabelschen Erben das bloße Einheften der zugefertigten Dokumente , wie das Vultische Tagebuch ist , für eine hinlängliche Erfüllung der biographischen Bedingungen , unter welchen Ihnen das Naturalienkabinett testieret worden , nehmen werden . Und ich selber bin , gesteh ' ich , mit den Vorteilen meines Geschmacks zu sehr dabei interessiert , als daß es mir gleichgültig sein sollte , Sie durch Vult verdrängt zu sehen . Ihr Feuer , Ihr Stil etc. etc. - - huldigen49 . - Dazu steht noch vieles andere dagegen . Es kommen im Verfolge des Vultischen Tagebuchs - zumal im Februar , wo er in vollen Flammen tobt - Stellen vor , deren Zynismus schwerlich durch den Humor , weder vor dem poetischen noch sittlichen Richterstuhle , zu entschuldigen steht . Z.B. die am 4ten Februar , wo er sagt : das junge Leben als eine Sonne verschlingend verdauen und es als einen Mond kacken . - Oder da , wo er dem dezenten Bruder , um ihn zu ärgern , erzählt , wie er , da er kein Wasser um sich gehabt , um es ins vertrocknete Dintenfaß zu gießen , sich doch so geholfen , daß er eintunken konnte , um sein Paket Briefe , seinen Briefbeutel , zu schreiben . Das zweite mag eher hingehen , daß er , wenn er mit vielen Oblaten Pakete gesiegelt und doch keine Siegelpresse und keine Zeit , sondern zu viele Arbeit gehabt , sich bloß eine Zeitlang darauf gesetzt , um andere Sachen zu machen unter dem Siegeln . Es sind überhaupt , Verehrtester , in unserer Biographie so manche Anstößigkeiten gegen den laufenden Geschmack - vom Titel an bis zu den Überschriften der meisten Kapitel - , daß man ihn wohl mehr zu versöhnen als zu erbittern suchen muß . Noch einen Grund erlauben Sie mir , da er der letzte ist . Unsere Biographie soll doch , der Sache , der Kunst , der Schicklichkeit und dem Testamente gemäß , mehr zu einem historischen Roman als zu einem nackten Lebenslauf ausschlagen ; so daß uns nichts Verdrüßlicheres begegnen könnte , als wenn man wirklich merkte , alles sei wahr . Werden wir aber dieses verhüten - verzeihen Sie mein unhöfliches Wir - wenn wir bloß die Namen verändern , nicht aber den Stil der Akteurs ? Denn wird man uns nicht auf die Spur kommen schon durch Vults unverändert geliefertes Tagebuch allein , sobald man dessen Stil mit dem Stil des Hoppelpoppels ( auch dieser Titel gehört unter die Gesamt-Rüge ) , den die Welt gedruckt in Händen hat und dessen Verfasser seit dem neulichen Artikel im Literarischen Anzeiger jeder kennt , zusammenzuhalten anfängt ? O ich fürchte zu sehr . - Aber alle diese Noten stören die Verehrung nicht , womit ich ewig etc. Kuhnold « * Ich antwortete folgendes : » Ich fluche , aber ich folge . Denn was hälf ' es , den Deutschen zuzumuten und das Beispiel zu geben , nur wenigstens auf dem Druckpapier - nicht einmal auf dem Reichsboden - so keck zu sein , als ihre Vorfahren im 16ten , 17ten Säkul auf beiden waren ? Gedachte sagen , sie hofften seitdem von den Franzosen weiter gebracht zu sein . Unser Diamant der Freiheit ist aus unserem Ringe in einen Drachenkopf gekommen , wo er nicht eher glänzen kann , als bis wir im Drachenschwanze stehen . Ich weiß nicht , ob ich mich dunkel erkläre , hoff ' es aber . Trefflichster ! der Humorist hat zwar einen närrischen , widerlichen Berghabit zum Einfahren in seine Stollen ; - er verleibt sich zwar nach Vermögen alle Aus- und Miß-Wüchse der Menschheit ein , um das Beispiel der Mißgeburten zu befolgen und zu geben , die in vorigen Jahrhunderten bloß darum mit fleischernen Fontangen , Manschetten und Pluderhosen geboren wurden , um damit der Welt , wie die Strafprediger errieten , ihre angezogenen vorzuwerfen - und hiemit wäre Vult entschuldigt- ; aber wie gedacht , ich folge und schlage nichts ein als den alten aristotelischen Mittelsteig , der hier darin besteht , daß ich weder erzähle noch erdichte , sondern dichte ; und wenn Scaliger in einem Werkchen von 8 Bogen über seine Familie imstande war , vierhundertundneunundneunzig Verfälschungen anzubringen , wie Scioppius gut erwiesen50 : so dürfte in einem Werkchen von ebenso vielen Bänden die Doppelzahl davon ebenso leicht als nützlich ausfallen . Vor dem Erraten der wahren Namen unserer Geschichte