mir , Sir ! O , ich habe niemals ein ähnliches Gesicht gesehen ! – Es war ein blutiges Gesicht – es war ein wildes Gesicht . Ich wollte , ich könnte das Rollen der roten Augen vergessen – die fürchterlichen , aufgedunsenen , schwarzen Gesichtszüge ! « » Aber Geister sind doch gewöhnlich blaß , Jane ! « » Dieser Geist war aber blaurot , Sir ; die Lippen waren geschwollen und dunkel , die Stirn gefurcht ; die schwarzen Augenbrauen bildeten einen hohen Bogen über den blutunterlaufenen Augen . Darf ich Ihnen sagen , an was es mich erinnerte ? « » Das darfst du . « » An das schauerliche , germanische Gespenst – an den Vampyr . « » Ah ! – Und was that es ? « » Sir , endlich nahm es meinen Schleier von seinem unförmlichen Kopfe , riß ihn in zwei Teile , warf diese auf den Boden und trat mit beiden Füßen und voller Wut darauf . « » Und weiter ? « » Dann zog es die Fenstervorhänge zur Seite und blickte hinaus . Vielleicht sah es , daß Tagesanbruch nahe war , denn es nahm die Kerze und ging an die Thür . Gerade neben meinem Bette blieb die Gestalt stehen . Die entzündeten Augen glotzten mich an – sie hielt mir das Licht dicht ans Gesicht und löschte es vor meinen Augen aus . Ich fühlte , wie ihr finsteres Gesicht dem meinen immer näher kam – – dann verlor ich das Bewußtsein ; zum zweitenmal in meinem Leben – nur zum zweitenmal – wurde ich vor Schrecken bewußtlos . « » Wer war bei dir , als du wieder zu dir kamst ? « » Niemand , Sir , als das helle Licht des Tages . Ich stand auf , kühlte mein Gesicht mit frischem Wasser und that einen kühlen Trunk ; obgleich ich matt war , fühlte ich mich doch nicht krank , und so faßte ich den Entschluß , von dieser Vision niemand Mitteilung zu machen . Jetzt , Sir , sagen Sie mir , wer und was jenes Weib war ? « » Die Ausgeburt eines überreizten Gehirns , weiter nichts ; davon bin ich überzeugt . Ich muß dich sorgsam hüten , mein Schatz . Nerven wie die deinen sind nicht gemacht , um widrige Schicksale zu ertragen . « » Sir , verlassen Sie sich darauf , es war nicht die Schuld meiner Nerven ; es war Wirklichkeit ; der Übergang hat in der That stattgefunden . « » Und deine vorhergehenden Träume ? War das auch Wirklichkeit ? Ist Thornfield-Hall eine Ruine ? Bin ich durch unüberwindliche Hindernisse von dir getrennt ? Verlasse ich dich ohne eine Thräne ? – ohne einen Kuß ? – ohne ein Wort ? « » Noch nicht . « » Bin ich denn im Begriff , es zu thun ? – Der Tag , der uns für alle Zeiten unauflöslich aneinander ketten soll , ist bereits angebrochen ; und wenn wir einmal verbunden sind , werden diese seelischen Qualen und Schrecken nicht wiederkehren ; dafür stehe ich dir ein . « » Seelische Qualen und Schrecken , Sir ! Ich wollte , ich könnte glauben , daß es nichts anderes wäre ; jetzt wünsche ich es mehr denn je , da selbst Sie mir das Geheimnis dieses fürchterlichen Besuchs nicht erklären können . « » Und da ich es nicht kann , ist es auch nicht Wirklichkeit gewesen , Jane . « » Aber Sir , als ich mir heute morgen beim Aufstehen dies alles sagte und im Zimmer umherblickte , um beim Anblick jedes bekannten und lieben Gegenstandes im hellen Tageslicht wieder Mut und Trost zu schöpfen – da sah ich – vor mir auf dem Teppich – das , was meine Hypothesen deutlich Lügen strafte – den Schleier , welcher in zwei Hälften gerissen am Boden lag ! « Ich fühlte , wie Mr. Rochester entsetzt und schaudernd zusammenfuhr ; hastig umfing er mich mit beiden Armen und rief aus : » Allmächtiger Gott sei bedankt , daß nur dem Schleier ein Unfall zustieß , als ein böser Unhold sich in deiner nächsten Nähe befand . – O ! zu denken , was hätte geschehen können ! « Er atmete schnell und zog mich so fest an sich , daß ich zu keuchen begann . Nach minutenlangem Schweigen fuhr er dann plötzlich fröhlich fort : » Jetzt werde ich dir alles erklären , Jane . Es war halb Traum , halb Wirklichkeit ; ich zweifle nicht daran , daß ein Frauenzimmer in deinem Heiligtum gewesen : und jenes Weib war – Grace Poole . Du selbst nennst sie eine wunderliche , seltsame Person ; nach allem , was du weißt , hast du ein Recht , sie so zu nennen – denn bedenke nur , was sie mir gethan ! was sie Mason gethan ! – In einem Zustande zwischen Wachen und Schlafen bemerktest du ihren Eintritt und ihre Geberden ; aber fieberhaft erregt , fast delirierend wie du warst , sahst du sie wie einen Kobold , ganz verschieden von ihrer wirklichen Gestalt ; das lange , wirre Haar , das geschwollene schwarze Gesicht ; die unnatürliche Gestalt , waren Ausgeburten deiner Einbildungskraft ; die Resultate eines Alpdrückens . Das zornige Zerreißen deines Brautschleiers war Wirklichkeit – und dergleichen kann man von ihr sehr wohl erwarten . Ich sehe dir an , daß du fragen möchtest , weshalb ich ein solches Geschöpf im Hause behalte . Wenn wir Jahr und Tag verheiratet gewesen sind , dann werde ich es dir erzählen . Jetzt aber noch nicht . Bist du ' s zufrieden , Jane ? Genügt dir meine Erklärung des Geheimnisses ? « Ich dachte einige Augenblicke nach , und dann erschien mir seine Deutung wirklich als die einzig mögliche . Zufrieden war ich allerdings noch immer nicht damit , aber ihm zu Liebe that ich , als sei ich es wirklich