gebeugt . Ihr grauglänzendes Haar war in dünn gewordenen Zöpfen um den unbedeckten Kopf gelegt . Ihr sehr gealtertes Gesicht bestand aus lauter kleinen , winzigen , eng aneinander liegenden Fältchen . Und doch war es schön , dieses Gesicht . Es besaß jene von innen heraus sprechende Schönheit , welche man als Altersschönheit bezeichnet . Sie pflegt das Produkt vielen Leidens und Denkens zu sein . Ganz selbstverständlich war Kolma Putschi nicht mehr männlich , sondern weiblich gekleidet . Sie blieb vor mir stehen , schaute mich lange , lange prüfend an und sagte dann , indem ihr ernstes Gesicht zu lächeln begann : » Ja , das ist er ! Noch ganz wie früher ! Trotz der vielen vielen Jahre , welche vergangen sind , seit wir uns nicht mehr sahen ! Darf ich Old Shatterhand begrüßen ? « Sie fragte das , ohne mir die Hand entgegenzustrecken . Ich antwortete : » Was gäbe es für einen Grund , dies nicht zu dürfen ? « » Die Feindschaft ! « » Welche Feindschaft ? Ich kenne keine . « » Auch ich kannte sie nicht ; nun aber habe ich sie kennen gelernt . Old Shatterhand ist in Beziehung auf das Denkmal unser Gegner ! « » Vielleicht Gegner , keineswegs aber Feind . Ich habe Kolma Putschi geachtet , geliebt und bewundert , so lange ich sie kenne , und werde ihr diese Freundschaft bewahren , so lange ich lebe . Ich bitte um ihre Hand , die so kühn und tapfer sein konnte , und doch so mild und so edel zu gleicher Zeit . « Da wurde ihr Gesicht wie heller , warmer Sonnenschein , der aus jedem Fältchen zu mir aufstrahlte . Wir reichten uns die Hände . Ich zog sie fest an mich heran und küßte sie auf die lieben , guten , einst so tieftraurigen Augen . Dann nahmen wir beieinander Platz , um das durch mein Kommen unterbrochene Gespräch fortzusetzen . Da sah und hörte ich denn , daß Kolma Putschi im Verlaufe der letzten Jahrzehnte viel , sehr viel gelernt hatte . Sie war mit Young Surehand und Young Apanatschka , ihren Enkeln , geistig emporgewachsen , aber leider nicht über die Anschauungen und Ansichten dieser Enkel hinaus . Sie schwärmte für die geplante , rein äußerliche Winnetou-Apotheose , und sie war überzeugt gewesen , daß ich und das Herzle ganz ebenso schwärmen würden . Als Meinungsverschiedenheiten und Spaltungen entstanden , hatte sie geglaubt , daß es nur unseres Kommens bedürfe , um diese Konflikte zu lösen . Sie war in den letzen Tagen nicht hier gewesen und erst mit Old Surehand und Apanatschka zurückgekehrt . Da hatte sie dann alles erfahren , daß wir angekommen seien , daß man uns abstoßend und geringschätzig behandelt habe , und daß uns aber von Tatellah-Satah die große Genugtuung bereitet worden sei , von ihm persönlich nach dem Schlosse abgeholt zu werden , um dort als seine besonderen Gäste in seiner Nähe zu wohnen . Das hatte die Spaltung zwischen Oberstadt und Unterstadt erweitert . Man befürchtete in der Unterstadt , daß nun grad Old Shatterhand , den man hatte auf die Seite schieben wollen , sich in der Denkmalsfrage das entscheidende Wort anmaßen werde , und das hatte Old Surehand und Apanatschka veranlaßt , zu erklären , daß sie fest entschlossen seien , mich in meiner Wohnung bei Tatellah-Satah nicht aufzusuchen . Kolma Putschi aber hatte es nicht über das Herz gebracht , in derselben Weise schroff zu sein . Sie hatte sich bei dem » Bewahrer der großen Medizin « anmelden lassen , um ihn um die Erlaubnis zu bitten , uns bei ihm besuchen zu dürfen , und er hatte sehr gern eingewilligt . Nun hatten die beiden Frauen während meiner Abwesenheit schon stundenlang beisammen gesessen und inniges Wohlgefallen aneinander gefunden . Das war zwar nur eine kurze Zeit , aber dem Herzle schien es trotzdem schon gelungen zu sein , ihrer Gastin das zu geben , was diese von ihr erwartete . Der Brief , den Kolma Putschi zu uns hinübergeschrieben hatte , schloß bekanntlich mit den Worten : » So komm also , und bring mir Deine Menschenliebe , Deine Herzensgüte und - - - Deinen Glauben an den großen , gerechten Manitou , den ich gern ebenso deutlich fühlen möchte , wie Du , meine Schwester , ihn fühlst . « Diese Liebe , diese Güte und dieser Glaube , sie waren jetzt da . Was ich als Mann in scharfem Tone hätte sagen müssen , das hatte das Herzle in freundlicher Eindringlichkeit gesagt . Als ich jetzt kam war Kolma Putschi schon mehr als halb zu unserer Ansicht herüberbekehrt , und es bedurfte nur noch weniger Worte , um ihr meine Ansichten und Entschlüsse zu präzisieren . Als sie mich bat , doch nach der Unterstadt zu kommen und Old Surehand und Apanatschka aufzusuchen , antwortete ich : » Das darf ich nicht . Ich bin Gast Tatellah-Satahs , und wer ihn meidet , den habe auch ich zu meiden . « » Steht es so , wirklich so ? « fragte sie besorgt . » Ja so ! « bestätigte ich . » Nach den Gesetzen der roten Männer ist das Haus meines Wirtes auch mein Haus . Wer es verachtet , der verachtet auch mich ! « » Verzeih ! Wenn du von Verachtung sprichst , so irrst du dich . Niemand wird es wagen , dich zu verachten ! « » Falsch ! Nicht ich bin es , der sich irrt . Ich wurde eingeladen , nach dem Mount Winnetou zu kommen . Ich kam . Man hatte mich zu empfangen , mich zu begrüßen , mich willkommen zu heißen . Wer hat das getan ? Niemand kam zu mir . Ich wurde aufgefordert , zu euch zu kommen , euch nachzulaufen . Nun sollst du die Antwort hören , die ich euch hierauf erteile . « Das Herzle gab mir einen