nun jetzt im ganzen Umfange des Wortes Diktator , obwohl er den Titel nicht hatte : das Generalissimat war dem 75jährigen Malachowski aufgenötigt worden , damit die Armee für alle Pläne verfügbar blieb ; die Gouverneurschaft von Warschau hatte General Chrzanowski , ein Offizier , welcher den Patrioten höchst verdächtig war und schon lange von Unterhandlungen mit den Russen gesprochen hatte ; vom Oberbefehl über die Nationalgarde war der hochgeachtete Anton Ostrowski entfernt ; Krukowiecki ließ seine eigene Wohnung von einem Chasseurregimente bewachen . Die Demokraten nämlich gerieten jetzt in die Furcht , von ihm betrogen zu sein und organisierten eine Verschwörung . Sie ward entdeckt - in diesen aufgelösten Zustand kamen nun die Parlamentärs von Paskiewitsch , welche Unterhandlungen eröffneten . So stand es , als Valerius am Vormittage des 5. Septembers den General Prondzynski an sich vorübersprengen und über die polnischen Vorposten hinauseilen sah ; vor ihm ritt ein Parlamentär , neben ihm Peter Wysocki , jetzt Oberstleutnant , welcher ein Hauptführer der Fähndriche beim Ausbruch der Revolution gewesen war . Als sie nach mehreren Stunden erst zurückkehrten , erzählte Wysocki zu großer Bestürzung , daß Prondzynski eine Stunde lang geheim mit dem russischen Generale Dannenberg in Unterredung geblieben und ganz verwandelt , höchst bestürzt zurückgenommen sei . So war man denn auch über diesen wichtigsten Heerführer in Unruhe versetzt , wenn auch nicht an einen Verrat von seiner Seite geglaubt wurde ; vielleicht waren ihm im Eifer Andeutungen entschlüpft über die ferne Abwesenheit des Ramorinoschen Korps , über die Regierung , kurz , den Morgen darauf , als Valerius sich eben gegen fünf Uhr von seiner harten Lagerstatt am Erdboden erhob , donnerte ein Kanonenschuß vom russischen Heere herüber , es folgte ein zweiter , und als ob Luft und Erde in Donner aufgelöst würden , ein Schlag von hundert Kanonen , die wie ein Hagelwetter links und rechts neben ihm in die polnischen Verschanzungen einschlugen , schwarze Kolonnen , die Blitz auf Blitz vor sich hertrugen , kamen über die Ebene daher auf die Position von Wola los , welche die stärkste der Warschauer Verschanzungen war . Paskiewitsch begann den Sturm ; in dem Augenblicke war der Oberbefehlshaber Malachowski gar nicht zugegen , General Bem , welcher sämtliche Artillerie befehligte , stand ruhig auf dem Observatorium in Warschau und hielt den Angriff auf das feste Wola für einen Scheinangriff , viele Werke waren von den Soldaten entblößt , weil die 20000 Mann von Ramorino fehlten , die zum Teil just nach Wola gehörten , nur Uminski , unter welchem auch Valerius jetzt focht , war auf seinem Posten und des Äußersten gewärtig . Der größte Teil von der Armee , ganz Warschau dachte nicht daran , daß in den nächsten achtundvierzig Stunden eine Totalentscheidung des ganzen Krieges vor sich gehe , just dies Verhüllte , Unerkannte des Äußersten war ein so überaus tragisches Moment . Zwei Stunden Zeit kostet ' s die Russen , zwei kleine , vereinzelte Vorwerke zu nehmen , aber sie bieten , von der kräftigsten Energie ihres Feldherrn Paskiewitsch gedrängt , einen unablässigen massenhaften Angriff der verzweiflungsvollen Wehr von seiten der Polen ; nach sieben Uhr stürzen sie zum Sturm auf Wola , nach einem entsetzlichen Gemetzel ist es gegen neun Uhr genommen ; Wysocki , der es mit verteidigt , in den Händen der Russen - es tritt eine Totenstille auf dem Felde ein , kein Schuß fällt mehr ; Krukowiecki erscheint , um zu sehen , was vorgefallen sei . Als nun die Russen zu weiterem und breiterem Angriffe vorrückten , fanden sie geordneten Widerstand von Bem und Uminski ; nachmittags um drei Uhr beginnen die Polen selbst den Angriff , um Wola wieder zu erobern . Hier gab es nun eine Stunde lang das mörderischste Gefecht des ganzen Krieges ; Paskiewitsch drängte mit konzentriertester Tapferkeit und Kraft alles auf Wola zusammen . Um vier Uhr mußten die Polen auf das nächste Hauptwerk Czysti zurückweichen und Wola aufgeben ; um fünf Uhr schwieg erschöpft alles ; die Russen befestigten Wola . Dies war der erste Tag des Sturms . Warschau hatte in dem Halbkreise , welchen es diesseits der Weichsel nach der westlichen Ebene ausdehnt , drei Verteidigungslinien ; dieser Tag hatte den festesten Teil der ersten Linie gekostet , der übrige Kreis derselben war noch von Polen besetzt , die zweite und dritte Linie unberührt ; man hoffte jede Stunde auf Ramorinos Ankunft , man dachte nicht an ein Ende . Aber Krukowiecki dachte daran , Chrzanowski , der Gouverneur von Warschau , der alles zu verhaften befahl , was in der Stadt die Waffen erhebe , Prondzynski , der mutlos war . Krukowiecki ließ in die Stadt hineinsagen , alles sei verloren , man möge ihn zu Unterhandlungen bevollmächtigen . Er erhält vorläufige Erlaubnis , man denkt , er wolle Zeit gewinnen ; aber die Armee erhält keine Befehle für den nächsten Tag , noch beordert er Wagen , welche man vorschlägt , um dem Ramorinoschen Korps die Ankunft zu beschleunigen ; gegen Mitternacht beruft er Prondzynski . Er soll neue Unterhandlungen anknüpfen und erhält von Krukowiecki die geheime Weisung , Rückkehr unter russische Herrschaft sei die Grundlage . Um drei Uhr des Morgens reitet Prondzynski nach Wola ; Feldmarschall Paskiewitsch empfängt ihn barsch in Gegenwart des Großfürsten Michael und des General Toll , der Großfürst aber vermittelt , es soll bis neun Uhr Waffenstillstand sein , Präsident Krukowiecki solle selbst zur Unterhandlung nach Wola kommen . Nach acht Uhr des Morgens am 7. September ritten also Krukowiecki und Prondzynski mit dem russischen Parlamentär , General Dannenberg , nach Wola ; Paskiewitsch empfing sie , von einem glänzenden Generalstabe umgeben , und man ging ins kleine Wirtshaus von Wola , um zu unterhandeln . Das wichtige Verhältnis wurde dadurch eingeleitet , daß der russische Feldmarschall den polnischen Präsidenten hart und rauh anging , wie den Vertreter einer bereits ganz verlornen Sache , und daß Krukowiecki sich nun ebenfalls zornig in die Brust warf , und aufzählte , was