. Es ist doch eine vornehme Verwandtschaft . « Armgard nickte , und von der Uferstelle her , wo die Sorrentiner Fischer eben anlegten , klang es herauf : » Tre giorni son che Nina , che Nina , In letto ne se sta ... « Am andern Tage , wie vorausgesagt , kam ein Brief von Melusine , diesmal aber nicht an die Schwester , sondern an Woldemar adressiert . » Was ist ? « fragte Armgard , der die Bewegung nicht entging , die Woldemar , während er las , zu bekämpfen suchte . » Lies selbst . « Und dabei gab er ihr den Brief mit der Todesanzeige des Alten . An ein Eintreffen in Stechlin , um noch der Beisetzung beiwohnen zu können , war längst nicht mehr zu denken ; der Begräbnistag lag zurück . So kam man denn überein , die Rückreise langsam , in Etappen über Rom , Mailand und München machen , aber an jedem Orte ( denn beide sehnten sich heim ) nicht länger als einen Tag verweilen zu wollen . Von Capri nahm Woldemar ein einziges Andenken mit , einen Kranz von Lorbeer und Oliven . » Den hat er sich verdient . « - Die letzte Station war Dresden , und von hier aus war es denn auch , daß Woldemar ein paar kurze Zeilen an Lorenzen richtete . » Lieber Lorenzen ! Seit einer halben Stunde sind wir in Dresden , und ich schreibe diese Zeilen angesichts des immer wieder schönen Bildes von der Terrasse aus , das auch auf den Verwöhntesten noch wirkt . Wir wollen morgen in aller Frühe von hier fort , sind um zehn in Berlin und um zwölf in Gransee . Denn ich will zunächst unser altes Stechlin wiedersehen und einen Kranz am Sarge niederlegen . Bitte , sorgen Sie , daß mich ein Wagen auf der Station erwartet . Wenn ich auch Sie persönlich träfe , so wäre mir das das Erwünschteste . Es plaudert sich unterwegs so gut . Und von wem könnt ich mehr und zugleich Zuverlässigeres erfahren als von Ihnen , der Sie die letzten Tage mit durchlebt haben werden . Meine Frau grüßt herzlichst . Wie immer Ihr alter , treu und dankbar ergebenster Woldemar v. St. « Um zwölf hielt der Zug auf Bahnhof Gransee . Woldemar sah schon vom Coupé aus den Wagen ; aber statt Lorenzen war Krippenstapel da . Das war ihm zunächst nicht angenehm , aber er nahm es bald von der guten Seite . » Krippenstapel ist am Ende noch besser , weil er unbefangener ist und mit manchem weniger zurückhält . Lorenzen , wenn er dies Wort auch belächeln würde , hat einen diplomatischen Zug . « In diesem Augenblick erfolgte die Begrüßung mit dem inzwischen herangetretenen » Bienenvater « , und alle drei bestiegen den Wagen , dessen Verdeck zurückgeschlagen war . Krippenstapel entschuldigte Lorenzen , » der wegen einer Trauung behindert sei « , und so wäre denn alles in bester Ordnung gewesen , wenn unser trefflicher alter Museumsdirektor nur vor Antritt seiner Fahrt nach Gransee von einer Herausbesserung seines äußeren Menschen Abstand genommen hätte . Das war ihm aber unzulässig erschienen , und so saß er denn jetzt dem jungen Paare gegenüber , angetan mit einem Schlipsstreifen und einem großen Chemisettevorbau . Der Schlips war so schmal , daß nicht bloß der zur Befestigung der Vatermörder dienende Hemdkragenrand in halber Höhe sichtbar wurde , sondern leider auch der aus einem keilartigen Ausschnitt hervorlugende Adamsapfel , der sich nun , wie ein Ding für sich , beständig hin und her bewegte . Die Verlegenheit Armgards , deren Auge sich - natürlich ganz gegen ihren Willen - unausgesetzt auf dies Naturspiel richten mußte , wäre denn auch von Moment zu Moment immer größer geworden , wenn nicht Krippenstapels unbefangene Haltung schließlich über alles wieder hinweggeholfen hätte . Dazu kam noch , daß seiner Unbefangenheit seine Mitteilsamkeit entsprach . Er erzählte von dem Begräbnis und wer vom Grafschaftsadel alles dagewesen sei . Dann kam Thormeyer an die Reihe , dann Katzenstein und die Domina und zuletzt auch » lütt Agnes « . » Des Kindes müssen wir uns annehmen « , sagte Armgard . » Wenn du darauf dringst , gewiß . Aber es liegt schwieriger damit , als du denkst . Solche Kinder , ganz im Gegensatz zur Pädagogenschablone , muß man sich selbst überlassen . Der gefährlichere Weg , wenn überhaupt was Gutes in ihnen steckt , ist jedesmal der bessere . Dann bekehren sie sich aus sich selbst heraus . Wenn aber irgendein Zwang diese Bekehrung schaffen will , so wird meist nichts draus . Da werden nur Heuchelei und Ziererei geboren . Eigner freier Entschluß wiegt hundert Erziehungsmaximen auf . « Armgard stimmte zu . Krippenstapel aber fuhr in seinem Berichte fort und erzählte von Kluckhuhn , von Uncke , von Elfriede ; Sponholz werde in der nächsten Woche zurückerwartet , und Koseleger und die Prinzessin seien ein Herz und eine Seele , ganz besonders - und das sei das Allerneueste - seit man für ein Rettungshaus sammle . Seitens des Adels werde fleißig dazu beigesteuert ; nur Molchow habe sich geweigert : » so was schaffe bloß Konfusion « . Um zwei traf man in Schloß Stechlin ein . Woldemar durchschritt die verödeten Räume , verweilte kurze Zeit in dem Sterbezimmer und ging dann in die Kirchengruft , um da den Kranz an des Vaters Sarge niederzulegen . Am späten Nachmittag erschien auch Lorenzen und sprach zunächst sein Bedauern aus , daß er einer Amtshandlung halber ( Kossät Zschocke habe sich wieder verheiratet ) nicht habe kommen können . Er blieb dann noch den Abend über und erzählte vielerlei , zuletzt auch von dem , was er dem Alten feierlich habe versprechen müssen . Woldemar lächelte dabei . » Die Zukunft liegt also bei dir . « Und unter diesen Worten reichte er Armgard die Hand . Sechsundvierzigstes Kapitel Armgard hatte sich von der im Stechliner