kommen ' s fein zu spät . Die Alt ' liegt in , in den Zügen . « Während der Floßknecht in die Küche zurücktaumelte , ging Trostberg auf das Zimmer zu , aus dessen halb offener Thür ihm wüstes Lachen und Gekreisch entgegentönte . » Alte Hex , jetzt bist hin , hahahi ; magst noch ein Schlückerl von dem Roten ? Hast mir so lang das Maul sauber g ' halten , gelt , hihi , aber jetzt sind wir Herr , Du Sakra . « Und das besoffene Weibsbild warf sich über das Bett der Sterbenden und lachte und tobte , schlenkerte die Beine und schüttelte die alte Frau , die unter diesem bestialischen Angriff ihren letzten Seufzer aushauchte . » Resl , nimm Dich z ' amm , der Doktor ! « schrie der Floßknecht aus der Küche . Entsetzt war Trostberg davon geeilt , um polizeiliche Hilfe zu holen . Am nächsten Morgen stand Max v. Drillinger im Büreau des Münchener Polizeidirektors . Er besann sich und besann sich , allein er vermochte sich nicht zu sagen , wie er dahin gekommen und was er wolle . Nachdem er dem Beamten seinen Namen genannt , stellte dieser eine Reihe von Fragen nach dem Grunde seiner Reise , seinen Beziehungen zu dem Bankier Weiler und dem Franzosen Paillard - merkte aber sofort , daß der Gefragte lauter verkehrte Antworten gab . Der Polizeidirektor , anfänglich kühl wie ein Untersuchungsrichter , sagte jetzt bestürzt : » Aber ich bitte Sie , Herr Baron , verstehen Sie nicht , was ich frage oder wollen Sie nicht verstehen ? Warum geben Sie mir so ungereimte Antworten ? « Nun blickte Drillinger dem Direktor starr ins Gesicht , wackelte mit dem Kopfe und begann bitterlich zu weinen . Endlich stotterte er : » O über mich Unglücklichen , ich fühle , daß ich wahnsinnig bin , Herr ... wahnsinnig , ein armes Marterl ... « Dann brach er kraft- und besinnungslos zusammen . Der Chef der Polizei klingelte einem Unterbeamten . » Der Mann hier ist in Gewahrsam und ärztliche Beobachtung zu nehmen . Ich habe jetzt keine Zeit , mich mit ihm weiter zu befassen . « - - - - Der Pfingstmorgen brach an , aber es wollte nicht Tag werden . Der Himmel war wie mit dichten Trauerflören verhangen , wie unendlicher Thränenerguß rieselte es aus den schweren Wolken hernieder . Der König ist tot ! Des Königs Leiche und die seines Arztes v. Gudden wurden im Starnberger See gefunden ! Die Schreckensbotschaft ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt . Die unerhörte Tragik dieses königlichen Lebens- und Todesrätsels beherrschte alle Geister mit lähmender Wucht . Im Hause des Konsuls Schmerold in der Quaistraße war die Abendmahlzeit still beendet worden . Man hatte kaum die Speisen berührt , jeder Bissen quoll im Munde . Wie ein Bann lag es auf den Gemütern . Der große , eichene Tisch wurde abgeräumt , das Fenster mit den Butzenscheiben im Erker der altdeutschen Speisestube geöffnet , damit belebende Luft hereinströme . An der dunkel getäfelten Decke zuckten die Flammen des Lüstreweibchens . Draußen rauschte die Isar und der Regen ging wie eine Sündflut nieder , klatschte auf die wildwogenden Gebirgswasser und erfüllte die Straße mit grauen Pfützen . Die Abendglocken klangen so verweint , so tieftraurig wie ein gramzerwühltes Chopinsches Nokturno ... Schweigend hatte sich die Familie mit Herrn Biswanger und Pfaffenzeller und den Gästen aus Köln in den Salon zurückgezogen , den eine schwere Draperie von der Speisestube trennte . Bloß der Großvater , jetzt noch eine hohe , rüstige Gestalt im silberweißen Greisenhaar , war in der Stube zurückgeblieben , um in seinem alten Lederstuhl sein gewohntes Dämmerstündchen zu verträumen . Die schöne , blonde Elsa , die gestern erst ihren achtzehnten Geburtstag gefeiert , kam aus dem Salon zurück und warf sich dem Großvater weinend an die Brust . Dann beugte sie sich zum Erkerfenster hinaus ; ihre Thränen vermischten sich mit den Regentropfen . Isarrauschen und Glockengeläute erfüllten ihre Seele mit Schauder . Sie trat zurück und setzte sich zu Füßen des Großvaters . » O dieses Nachtlied des Wahnsinns ! O der unglückliche König ! « Der Großvater holte tief Atem . » Ja , Kind , solche Pfingsten habe ich in meinen sechsundachtzig Jahren nie erlebt . Je älter man wird , desto unglaublicher erscheinen alle Dinge und Verhältnisse . Des Himmels Ratschlüsse sind unerforschlich ; dieser Welt Weisheit ist Thorheit vor Gott ... Ich versteh ' s nicht , ich versteh ' s nicht ... Gott schütze Bayern , Gott schütze den Prinzregenten ... « Als Pfaffenzeller den alten Herrn , dessen Tüchtigkeit und Rüstigkeit einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatten , sprechen hörte , ging er leise in die Speisestube zurück . Elsa bot ihm freundlich einen Stuhl neben dem Sitz des Großvaters . » Wann haben Sie den unglücklichen König zum letztenmal gesehen , Herr Schmerold ? « » Ach , das ist lange her , Herr Pfaffenzeller . Beim Siegeseinzug anno Einundsiebzig , abends bei der Festvorstellung im Hoftheater . Es ist mir noch alles im Gedächtnis . Wallensteins Lager wurde gegeben . Haufenweis war das Volk ins Theater geströmt . Als der junge König mit seiner Mutter und dem deutschen Kronprinzen in der Hofloge erschien , brach alles in Jubel aus und das Orchester spielte die Nationalhymne . Bei jeder patriotischen Stelle des Schillerschen Stückes erschallte brausender Beifall . Als schließlich Kindermann das Reiterlied anstimmte Wohlauf Kameraden , aufs Pferd , aufs Pferd , in das Feld , in die Freiheit gezogen und dann die Wacht am Rhein gesungen wurde , ging ' s wie Sturmesbrausen durchs Haus und alles jubelte zur Königsloge hinaus . Der König und der deutsche Kronprinz faßten sich bei der Hand und verneigten sich . Zwei . herrliche , stolze , deutsche Männer ... Und jetzt nimmt unser König ein solches Ende ... « Dem Greis versagte die Stimme . Dicke Thränen rollten