das gestern passierte Korallenriff und auch noch ein zweites , kleineres bei hellem Tageslicht umsegeln und sich auf allen Karten überzeugen , daß nun der Weg frei sei . Dennoch aber wachte der Kapitän noch die ganze folgende Nacht , obgleich mehrere Matrosen sahen , daß er manchmal beim ruhelosen Auf- und Abgehen mit geschlossenen Augen gegen die Pardunen stieß . Erst als das offene Meer wieder erreicht war , ging auf dem » Stern von San Franzisko « alles den gewohnten Gang , und nachdem man an einer kleinen , anscheinend unbewohnten Insel nochmals ohne weitere Zwischenfälle Wasser eingenommen hatte , erreichte das Schiff nach drei Wochen wohlbehalten den Hafen der kalifornischen Hauptstadt . Mr. Barrow fand zu seiner großen Erleichterung in den Reedern verständnisvolle Menschen , die vollkommen guthießen , was er getan hatte . Sie veröffentlichten sogar in den Zeitungen einen Artikel , in dem sie die Tat ihres Kapitäns würdigten und die allgemeine Aufmerksamkeit der vielen in San Franzisko ansässigen Deutschen auf die unglücklichen Auswanderer lenkten , so daß von allen Seiten Spenden eintrafen und sicherlich mancher von den Schiffbrüchigen doppelt soviel geschenkt bekam , als ihm bei Kap Horn verloren gegangen war . Auch das Abenteuer mit den Wilden ging von Mund zu Mund ; die Matrosen des » Stern von San Franzisko « wurden die Helden des Tages , man kam an Bord , um sich die Einzelheiten dieses Falles erzählen zu lassen , und die Zeitungen brachten den Kampf mit den Patagoniern in solchen Übertreibungen , daß Robert darin fast keinen wahren Zug mehr wiederfand . Sein erster Weg an Land führte zur Post . Vielleicht hatte sich ja doch der Vater bewegen lassen , ihm zu verzeihen , ihm wenigstens einige gute , wohlgemeinte Worte zu schreiben , - wie sehr wünschte er es ! Sein Herz klopfte zum Zerspringen , als er den Postbeamten murmeln hörte : » Kroll ! - Kroll ! - Es muß etwas da sein , das diesen Namen trägt ! « » Aha « , fügte er dann hinzu , » hier ist es schon . « Und Robert hielt in seiner Hand einen kleinen , plump zusammengefalteten Brief aus grobem Schreibpapier , ohne Umschlag , mehrere Male gesiegelt und mit einer Adresse von unbekannten Schriftzügen . » An den Herrn Leichtmatrosen Robert Kroll aus Pinneberg , auf dem Schiff Stern von San Franzisko in Franzisko , wenn das Schiff glücklich ankommt , sonst soll der Brief verbrannt werden . « Halb lächelte er , als er das seltsame Schriftstück in den Händen hielt , und halb packte ihn eine unbestimmte Furcht . Das hatte die Mutter von irgendeiner guten Freundin schreiben lassen , er wußte es vorher , - aber warum ? - - Wenn nun der Vater gestorben war ? Ohne sich umzusehen verließ er das Postgebäude und ging in ein nahegelegenes Wirtshaus , um den Brief zu lesen . Er brauchte mehr Mut , diese ungeschickten Siegel zu brechen , als in der nordischen Eiswüste vor dem zum Sprung ansetzenden Wolf . Erst nach mehreren Minuten vergeblicher Anstrengung gelang es ihm , die unförmigen Buchstaben zu folgendem Inhalt zusammenzustellen . Mein geliebter Sohn Robert ! Liese Schmidt , die Tochter unserer alten Brotfrau , deine Schulkameradin , schreibt mir diesen Brief , worin ich dir zunächst unsere herzlichen Grüße sage , das heißt , der Liese und meinen , denn der Vater ist so bös , daß man in seiner Gegenwart nicht einmal deinen Namen aussprechen darf . Den letzten Brief , den du von Bergen hierhergeschickt hast , wollte er gar nicht annehmen , und fast wäre derselbe wieder zurückgesandt worden in die weite Welt hinein , wenn ich nicht den Herrn Postmeister mit vielen Tränen gebeten hätte , mir doch die Botschaft von meinem einzigen Kinde nicht zu entziehen . Erst schwankte er lange , und ich bot ihm schon in großer Herzensangst einen ganzen Taler über das geforderte Porto , aber dann ließ er sich doch erweichen , obgleich er das Geld nicht nahm . Ich will ' s tun , liebe Frau , sagte er , weil ich die unglückliche Geschichte mit Ihrem nichtsnutzigen Jungen - du darfst es nicht übel aufnehmen , lieber Robert , aber er sagte wirklich so ! -von früher her kenne und weil ich Sie herzlich bedaure . Man ist ja auch Mensch , nicht bloß Beamter . Siehst du , auf diese Weise erlangte ich deinen Brief , den mir Liese Schmidt vorlas und bei dem ich Gott vielmals inbrünstig gedankt habe , daß Er Seine treue Hand über dich gehalten in der Stunde der Gefahr . Ich bin auch am nächstfolgenden Tage zur Kirche gegangen und habe ein Achtschillingstück in den Klingelbeutel gesteckt aus großer Herzensfreude . Dein Vater weiß , daß ich den Brief heimlich an mich gebracht habe und ebenso alles , was darin stand . Ich erzähle ' s ihm immer nebenbei , so als hätte ich ' s in der verwichenen Nacht geträumt , und dann merke ich wohl , wie genau der alte , eigensinnige Mann zuhört , aber weiter darf ich nicht gehen , sonst schneidet er mir das Wort vor dem Munde ab . Träume , was du willst , Mutter , sagt er , und erzähle mir auch alles das , nur sprich nicht von dem Entlaufenen . Ich habe keinen Sohn , das weißt du . So steht es bei uns , mein geliebter Junge , und Vater ist krank dazu . Er grämt sich sehr um dich , und wenn du wiederkommen und deine Lehrzeit nochmals anfangen wolltest , so würde das mir eine große Freude sein . Du könntest ja wahrlich jetzt genug haben von dem wilden Leben , wo es dir doch aller christlichen Zucht und Ehrbarkeit mangelt , als da sind : Sonntags zur Kirche gehen und ein reines Hemd sowie ein ordentliches Essen auf dem Tisch . Wenn ich gar bedenke , daß du einen schwarzen Mohrenmenschen deinen