und so wenig Ursache gerade ich habe , Herrn Timm hold zu sein , so hat ' s mir doch leid gethan , als er gleich darauf , einer Wechselschuld wegen , die er vielleicht , nur um uns zu bezahlen , contrahirt hatte , in den Thurm wandern mußte , in dem er , so viel ich weiß , noch heute sitzt . Oh sagte Sophie , hat ' s mein alter Anbeter also endlich doch durchgesetzt ? Ihr alter Anbeter ? Ja , wissen Sie das nicht ? Ich habe noch mit Timm zusammen Tanzstunde gehabt , und ich kann sagen , daß ich mit Niemand lieber getanzt und mich unterhalten habe , als mit ihm . Er ist ein höchst geistreicher und , wenn er will , sehr liebenswürdiger Mensch , um den es wahrhaftig Jammer und Schade ist , daß er mit seinen herrlichen Gaben so unverantwortlich wirthschaftet . Er hat in dieser Beziehung die größte Aehnlichkeit mit - Mit Oswald Stein , wollen Sie sagen , nur zu ! Ich habe das bittere Gefühl , das mich , als wir noch in Grünwald zusammen waren , jedesmal bei Nennung dieses Namens überkam , glücklich besiegt ; er existirt für mich nicht mehr , besonders nach seinen letzten Abenteuern . Das ist nicht recht , Bemperchen . Sie wissen , ich habe Stein nie besonders gemocht , aber seitdem Ihr Alle gegen ihn seid und selbst Franz , der ihn noch immer in Schutz nahm , anfängt , mit in den Chor einzustimmen , habe ich große Lust , mich auf seine Seite zu schlagen . Natürlich , sagte Bemperlein , mit einem leisen Anflug von Bitterkeit , ist es doch eine alte Erfahrung , daß die Frauen viel , ich möchte sagen Alles einem Manne verzeihen , der , was er thut , für Euch thut oder doch zu thun scheint . Mußte ich doch neulich selbst von meiner Marguerite , die ihn sonst nicht ausstehen konnte , ein in den sanftesten Tönen hingehauchtes pauvre homme ! hören . Pauvre homme ! Nun frage ich einen vernünftigen Menschen ! Also , wenn Jemand wie ein ungezogenes Kind durch das Leben ras ' t , statt nach Grundsätzen , stets nur nach seinen souveränen Launen handelt ; wenn er , wie ein Kind , Alles haben muß , was ihm gefällt , um es , wenn ' s ihm nicht mehr gefällt , in thörichtem Zorn und Uebermuth wieder zu zerbrechen - wenn er , statt seinen Nächsten zu lieben , mit seines Nächsten Frau bei Nacht und Nebel durchgeht , so sagt man von ihm , womöglich mit einer Thräne des Mitleids im schönen Auge : Pauvre homme ! Bravo , Bemperchen , rief Sophie beinahe mit der alten Lustigkeit , bravo ! Sie könnten nicht schöner predigen , wenn Sie selbst der betreffende unglückliche Nächste wären ! Aber , sagen Sie , hat man denn von den losen Vögeln noch immer keine Nachricht ? So viel ich weiß , nein ! es ist , als hätte die Erde sie eingeschluckt ? Aber wie erträgt denn der verrathene Gatte sein grenzenloses Leid ? Ach , man sollte sich eigentlich dieser Menschen wegen gar nicht weiter ereifern , erwiderte Bemperlein unmuthig , sie sind es nicht besser werth und wollen es nicht anders haben . Denken Sie sich , Fräulein Sophie , wollte sagen : Frau Sophie - dieser Mensch , dieser Cloten , der , als Stein mit seiner keuschen Penelope durchgegangen war , that , als ob die Sonne niemals wieder für ihn scheinen könne , hat sich nicht nur in überraschend kurzer Zeit getröstet , sondern dasselbe Unglück , das jener in sein Haus getragen hat , in seines Nachbars Hause ebenfalls angerichtet . Herr von Barnewitz , der Vetter der Frau von Berkow - der mit dem breiten rothen Bart , wissen Sie , und den breiten Schultern - o , Sie müssen ihn ja gesehen haben - nein ? na , es kommt auch nichts darauf an - eh bien , Herr von Barnewitz kommt neulich zu ungelegener Zeit nach Hause , findet - so erzählen sich die Leute - die Thür zum Zimmer seiner Frau verschlossen , wittert Unrath , zerschlägt ein Fenster , reißt den ganzen Fensterflügel heraus , steigt in ' s Zimmer , erwischt Herrn von Cloten , der eben von der Dame zu einer Hinterthür hinausgeschoben wird , und hat eine Auseinandersetzung mit dem edlen Paar , in Folge deren Hortense nach Italien und Herr von Cloten , nachdem er acht Tage lang das Bett gehütet , auf seine Güter gereist ist , ohne von Jemand Abschied zu nehmen . Da haben ja die Grünwalder Klatschschwestern wieder etwas zu reden gehabt ! Das können Sie glauben , fast so viel , als damals bei der Verlobung von Helene Grenwitz mit dem Fürsten Waldernberg . Wie steht es denn damit ? So viel ich weiß , soll die Verlobung , ich meine die eigentliche , officielle , in diesen Tagen hier in der Residenz stattfinden . Anna-Maria sagte mir neulich , daß sie mit Helene Anfang März hier eintreffen werde . So sind Sie also mit der Familie noch immer in Verbindung geblieben . Ich hatte keinen rechten Grund , meine Stunden aufzugeben . Anna-Maria beehrte mich fortwährend mit ihrer besondern Gnade , und überdies habe ich mich in der letzten Zeit mehr mit ihrem Wesen ausgesöhnt . Ich glaube , wir haben ihr vielfach Unrecht gethan . Sie hat gewiß ihre bedenklichen Seiten , aber man muß auch so gerecht sein , anzuerkennen , daß die Verhältnisse , in denen sie lebt , eigenthümlich genug sind . Wenn sie Helene einen reichen Mann verschafft , so thut sie nicht mehr und nicht weniger , als was alle Frauen in ihrer Lage auch thun würden . Und ihre Lage ist keineswegs so glänzend , wie wir glaubten . Seit dem Tode des Barons hat sie von dem