, welche zwischen den Wellen und Stürmen jener unter- und aufgehenden Zeit gefährlich schifften . Sie zogen zu den barbarischen Völkern Galliens und Germaniens und weiter noch , über Nord-und Ostsee , predigten das Evangelium , siedelten sich an unter dem rauhen Himmel , in weiter , wilder Ferne von ihrer Heimat und ihrer Sprache , unter fremden Menschen , von denen sie gehaßt , verfolgt , gemartert , gemordet wurden ; und zum Dank dafür brachten sie diesen barbarischen Horden nicht nur das Licht , sondern auch die Liebe des christlichen Glaubens und machten ihnen das zeitliche Leben leicht , nachdem sie ihnen das ewige Leben gerettet hatten . Die Glaubensboten wurden Holzschläger , Ackersleute , Handwerker . Sie rodeten Wälder aus , sie legten Sümpfe trocken , sie bebauten das Feld , sie trieben Gartenbau , sie pflanzten den Weinstock ; sie führten Kapellen und Kirchen auf , daneben enge Räumlichkeiten zu ihrer Wohnung , und größere , um Kinder und Jünglinge aufzunehmen , zu unterrichten und auszubilden . Sie wußten Männer herbeizuziehen , von Jagd- und Kriegszügen abwendig zu machen und für das gesittete Leben des Feldbaues und des Handwerkes zu gewinnen . Diese siedelten sich auf den urbar gemachten Stätten rings um die Kirche an , bildeten Familien und die Familien bildeten eine christliche Gemeinde ; so entstanden Dörfer , dann Städte . Das ging nicht schnell , das währte Jahrhunderte ; aber Benedikts Schüler waren nicht ungeduldig , denn sie wirkten nicht , um sich an ihren Erfolgen zu freuen , sondern um das Werk Gottes unter den Menschen fortzusetzen : Pertransivit benefaciendo . Eine ihrer Generationen starb nach der anderen , und eine Generation übertrug die Fortsetzung dieses Werkes der anderen ; sie lehrten und lebten das Evangelium . Je wilder die Zeiten wurden , je trüber die Gährung brodelte , die bei dem Untergang und der Neubildung großer Epochen die Menschheit zerwühlt , je feindlicher äußere Stürme , Fehden , Kriege , barbarische Invasionen , räuberische Einfälle die Keime der christlichen Kultur mit Untergang bedrohten , und alle Bildung , alles geistige Leben in den Nöten und Drangsalen des Augenblickes begruben , um so eifriger waren Benedikts Schüler , das Werk der Finsternis zu hemmen und der Zerstörung des geistigen Lebens der Völker ein Bollwerk zu setzen . Immer größer , zahlreicher , umfassender wurden ihre Bildungsanstalten für die Jugend . Das zarte Knäblein fand bei ihnen die Pflege der Mutterliebe ; der wißbegierige Jüngling die Lehre der Wissenschaft ; der weltentfremdete Sinn die Meister in der erhabenen Ascese , der höchsten Blüte des Menschengeistes . In ihrem gemeinschaftlichen Leben unter einem Dach , spärlich genährt , einfach gekleidet , waren ihre persönlichen Bedürfnisse gering . Alle Mittel , welche dem Notleidenden , dem Kranken , dem Reisenden , dem Pilger nicht zuflossen , wurden darauf verwendet , Bibliotheken von Manuskripten anzulegen , und diese zu erhalten , zu vervollständigen , abzuschreiben , mit unsäglicher Mühe zu entziffern , bildete einen großen Zweig der Tätigkeit für diese demütigen Männer . Sie verlangten nicht die armselige Ehre , ihren Namen auf ein Manuskript verzeichnet zu sehen . Sie verlangten die Ehre Gottes , die durch alles gefördert wird , was den Menschen in seiner Erziehung für ein übernatürliches Ziel - ich meine für ein solches , das außerhalb der Grenzen dieses Erdballes liegt - bilden hilft . So waren sie ; so sind sie . « » Aber wer sind sie , diese Männer der großen Taten und der demütigen Herzen ? « rief Judith . » Es sind Männer , die heutzutage verachtet , verhöhnt , verfolgt , verleumdet , angefeindet werden und über die ich , von der vollen Höhe meines Ichs herab , längst den Stab gebrochen und sie unwürdig erklärt habe , in der Lichtwelt unserer Tage zu existieren . « » Bester Lelio , Sie reden irre . « » Keineswegs , beste Judith ! diese Männer sind ja Mönche ! Mönche des Benediktinerordens . « » Es sind Mönche ! « sagte Judith gedehnt . » Wie konnten sie dann doch so viel Gutes stiften ? « » O Du ächte Tochter Deiner Zeit ! « rief Lelio . » Ja , sehen Sie , Judith : weil es Mönche sind , deshalb stiften sie so viel Gutes . Es sind Jünger , es sind geistige Söhne von jenem Benedikt , den eine wundersame Liebe ergriff : die Liebe zu Gott ; und Söhne erben die Neigungen und Eigenschaften ihrer Väter - das müssen Sie bedenken . « » Welch ein Erbe von Liebe für die Menschheit , um nach dreizehnhundert Jahren nicht erschöpft zu sein ! « sagte Judith sinnend . » Warum gehen denn Ihre modernen Volksfreunde und Weltverbesserer nicht bei diesen Mönchen in die Schule , Lelio ? « » Das will ich Ihnen sagen : weil die modernen Apostel die Abtötung , die Verdemütigung und die Selbstverleugnung des Kreuzes ebenso sehr hassen und fliehen , als die Söhne Benedikts sie suchen und lieben ; und weil ihre heilige und segensreiche Wirksamkeit ganz absichtslos unsere unheilige und verderbliche verdammt , deshalb verfolgen wir diejenigen , welchen wir nicht nachahmen wollen . - Dies ist aber alles nur die Einleitung , um zu sagen , daß Einsiedeln eine Benediktinerabtei ist , und die frommen Mönche jetzt , wie vor dreizehnhundert Jahren , Gott in dem Nächsten dienen : sie beten für ihn , sie studieren für ihn , sie unterrichten ihn . Sie lichten keine Wälder und trocknen keine Sümpfe mehr ; dafür aber lichten sie die Herzen und retten sie die Seelen aus dem Sumpf der Sünden . Einsiedeln empfing den Namen nach einem Einsiedler und nach der Mutter Gottes . Im neunten Jahrhundert floh Meinrad , ein schwäbischer Grafensohn , in diese Waldeswildnis , an den Rand dieser Quelle . Nichts nahm er mit von den Schätzen seines Hauses , als eine kleine Muttergottesstatue , vor welcher er seine Gebete verrichtete . Er übte