Hunnenschatz . Die beiden setzten sich . Der dritte lag am Grunde . Mit Blumen stillten sie den Blutstrom aus der Wunde . Hiltgund , der zagen Maid , laut rief Walthari dann , Die kam und legte guten Verband den Recken an . Walthari drauf befahl : » Jetzt misch ' uns einen Wein , Wir haben ihn verdienet , er soll uns heilsam sein . Es sei der erste Trunk dem Hagen zugebracht , Der war dem König treu und tapfer in der Schlacht . Dann reich ' ihn mir , der ich das Schwerste hab ' erlitten , Zuletzt mag Gunther trinken , der lässig nur gestritten . « Die Jungfrau folgt dem Winke , und bracht ' s dem Hagen dar , Da sprach der Held , wie sehr er von Durst gequält auch war : » Walthari , deinem Herrn , sei erst der Trunk gereicht , Braver als ich und alle hat der sich heut erzeigt ! « Zwar müd , doch frischen Geists saß itzt beim Wein geeint Hagen , der Dornige , mit seinem alten Freund . Nach Lärm und Kampfgetös , Schildklang und schweren Hieben Zum Becher dort die zwei viel Scherz und Kurzweil trieben . » Zukünftig « , sprach der Franke , » magst du den Hirsch erjagen , O Freund ! und von dem Fell den Lederhandschuh tragen , Und so du dir mit Wolle ausstopfest deine Rechte , So meint noch mancher Mann , die Hand sei eine echte . O weh , auch mußt fortan du allem Brauch entgegen Am deine rechte Hüfte das breite Schlachtschwert legen , Und will Hiltgunde einst dir in die Arme sinken , So mußt du sie verkehrt umarmen mit der Linken , Und alles , was du tust , muß schief und linkisch sein ... « Walthari ihm erwidert : » O Einaug ' , halte ein ! Noch werd ' ich manchen Hirsch als Linker niederstrecken , Doch dir wird nimmermehr des Ebers Braten schmecken . Schon seh ' ich queren Auges dich mit den Dienern schelten Und tapfrer Helden Gruß mit scheelem Blick entgelten . Doch alter Treu ' gedenkend schöpf ' ich dir guten Rat : Bist du der Heimat erst und deinem Herd genaht , Dann laß von Mehl und Milch den Kindleinbrei dir kochen , Der schmeckt zahnlosem Mann und stärkt ihm seine Knochen . « So ward der alte Treubund erneut mit Glimpf und Scherz , Dann trugen sie den König , dem schuf die Wunde Schmerz , Und hoben sänftlich ihn aufs Roß und ritten aus , Nach Worms die Franken zogen , Walthari ritt nach Haus . Da ward mit hohen Ehren begrüßt der junge Held , Und bald ward auch Hiltgunde dem Treuen anvermählt . Nach seines Vaters Tod tat er der Herrschaft pflegen Und führte dreißig Jahre sein Volk mit Glück und Segen ; Noch in manch schwerem Kampfe gewann er Sieg und Ruhm , Doch stumpf ist meine Feder und billig schweig ' ich drum . Hochweiser Leser du , schenk ' meinem Werke Gnade ! Wohl gleicht mein rauher Reim dem Sang nur der Zikade , Doch für das Höchste ist mein junger Sinn erglüht . Gelobt sei Jesus Christ ! - So schließt Waltharis Lied . Fünfundzwanzigstes Kapitel . Ausklingen und Ende . » So schließt Waltharis Lied . « - Er hat brav gesungen , unser Einsiedel Ekkehard , und sein Waltharilied ist ein ehrwürdig Denkmal deutschen Geistes , die erste große Dichtung aus dem Kreis heimischer Heldensage , die trotz verzehrendem Roste der Zeit unversehrt der Nachwelt erhalten ward . Freilich sind andere Töne darin angeschlagen als in den goldverbrämten Büchlein , die der epigonische Poet ausheckt , - der Geist großer Heldenzeit weht drin , wild und fast schaurig , wie Rauschen des Sturmes im Eichwald , es klingt und sprüht von Schwerteshieb und zerspelltem Helm und Schildrand ein Erkleckliches und ist von minniglichem Flötenton so wenig zu verspüren als von angegeistetem Schwatzen über Gott und die Welt und sonst noch einiges : riesenhafter Kampf und riesenhafter Spaß , altes Reckentum in seiner schlichtfürchterlichen Art , ehrliche fromme schweigende Liebe und echter dreinschlagender Haß , das waren Ekkehards Bausteine ; aber darum ist sein Werk auch gesund und gewaltig worden und steht am Eingang der altdeutschen Dichtung , groß und ehrenfest , wie einer jener erzgewappneten Riesen , die die bildende Kunst späterer Zeiten als Torhüter vor der Paläste Eingang zu stellen pflegt . Und wen die Herbigkeit alter , oft schier heidnischer Anschauung unlieblich anmuten möchte , gleich einem rauhen Luftzug an den Dünen des Meers , draus der frackumhüllte Mensch Erkältung schöpft und ein Hüstlein , der möge bedenken , daß einer das Lied sang , der selber in der Hunnenschlacht gefochten , und daß er ' s sang , die Locken umsaust vom Winde , der über die Schneefelder des Säntis gestrichen , viel hundert Klafter über den Niederungen des Tales , die Wolfshaut zum Mantel , den Felsblock der Höhle zum Schreibtisch , die Bärin zum Zuhörer . Es ist schade , daß die neckenden Geister und Kobolde schon lange ihr frohsames Handwerk eingestellt haben , sonst möcht ' es manch einem Schreibersmann unserer Tage nicht ungedeihlich sein , wenn ihn plötzlich unsichtbare Hände vom Mahagonitisch hinwegtrügen auf die grünen Matten der Ebenalp ; - dort droben , wo der alte Mann in seiner Berggewaltigkeit dem Poeten ins Konzept schaut , wo die Abgründe gähnen , der Donner zwölffältig durch die Schluchten rollt und der Lämmergeier in einsam stolzem Kreisen dem Regenbogen zufliegt , dort muß einer etwas Großes , Kerniges , Bärenmäßiges singen oder reuig in die Kniee sinken wie der verlorene Sohn und vor der gewaltigen Natur bekennen , daß er gesündigt . - - Unsere Erzählung neigt sich zum Ende . Es wär ' ihr vielleicht ein Gefallen geschehen , wenn Ekkehard jetzt nach Vollendung seines Sanges eines sänftlichen Todes verblichen wäre : das hätte einen gar