wirklich die des vermeintlichen Hawes gewesen , und lange mußte er wieder klopfen , ehe er Einlaß erhielt . Der junge Verbrecher war aber nicht so leicht abzuweisen , und viel zu schlau , als sich durch ein einfaches Ruhigverhalten der Inwohnenden gleich davon überzeugen zu lassen , das Haus sei wirklich für den Augenblick unbewohnt . Er kannte seine Leute besser und vermuthete gar nicht mit Unrecht , daß Mrs. Breidelford , trotz ihrer sonst in der That ungewöhnlichen Schweigsamkeit , sicherlich hinter der Thür stehe und jede seiner Bewegungen belausche . Als sein Klopfen deshalb immer noch erfolglos blieb , bog er sich zum Schlüsselloch nieder und flüsterte durch dieses : » Meine verehrte Mrs. Breidelford , es thut mir zwar unendlich leid , daß Ihnen meine Gesellschaft nicht übermäßig interessant oder wünschenswerth zu sein scheint , ich muß aber nichtsdestoweniger Einlaß haben , und wenn Sie die Thür nicht öffnen , so klopf ' ich hier so lange , bis die ganze Nachbarschaft rebellisch wird - dort unten hör ' ich schon wieder Leute kommen . « Und wiederum begann er mit beiden Fäusten an die Thür zu hämmern . Keine halbe Minute hatte er es diesmal fortgesetzt , als er von innen einen schweren Riegel zurückschieben hörte - gleich darauf noch einen , dann war Alles wieder ruhig . Er versuchte jetzt die Thür zu öffnen , diese mußte aber auf jeden Fall noch verschlossen sein , und ohne sich auf weitere Demonstrationen einzulassen , begann er sein Klopfen auf ' s Neue . » Herr Du mein Gott ! « sagte da die entrüstete Stimme der ehrsamen Mrs. Breidelford , während sie jedoch den Schlüssel im Schloß umdrehte und die Thür ein klein wenig aufmachte - » daß sich unser Herr Jesus erbarme - wer in aller Welt - « Sander schnitt ihr hier den Redeschwall kurz ab , denn kaum zeigte die Thür so viel Oeffnung , daß er einen Fuß dazwischenschieben konnte , so legte er sich rasch mit seinem ganzen Gewicht dagegen und befand sich im nächsten Augenblick im innern Raum . Ohne jedoch hier den Ausruf des Schrecks wie die entfernte Andeutung unverweilt eintretender Krämpfe weiter zu beachten , warf er die Thür schnell hinter sich zu und verwahrte sie nun seinerseits eben so sorgfältig mit Schloß und Riegeln wieder , wie sie vorher verwahrt gewesen war . » Aber ich bitte Sie um Gottes willen - « rief die bestürzte Frau . » Ruhe , meine süße Lady ! « bat Sander lächelnd , » Ruhe , holde Louise - Deine Unschuld ist unbedroht , Deine freundlichen Augen sind nicht gefährdet , nur Deine herzigen Lippen mußt Du verschließen , Und wenn Dir dann das Herz , zu voll , Im wilden Drange überquillt , Dann wirf Dich , Lieb ' , an diese Brust , Und all ' Dein Sehnen ist gestillt , Dein Sehnen , das Dir - « » Der Henker ist Euer Du ! « unterbrach ihn jedoch hier Louise Breidelford auf nicht gerade freundliche Art ; » was in des Teufels Namen vollführt Ihr für einen Lärm an einsamer Wittwen Thüren , als ob Ihr Euch ein Gewerbe daraus gemacht hättet , die Füllungen einzuschlagen . Mensch , seid Ihr rasend , oder wollt Ihr mich und Euch selber unglücklich machen ? « » Keins von Beidem , holde Ariadne , « sagte Sander und machte einen Versuch , seinen rechten Arm um ihre Taille zu legen , welche Bewegung sie aber auf geschickte und ärgerliche Weise parirte - » keins von Beidem , ich hatte nur Wichtiges mit Ihnen zu bereden , und da meine Zeit etwas beschränkt ist - aber , holdseligste der Krämerinnen Helenas , wollen Sie mich denn hier die ganze Nacht auf der Hausflur stehen lassen ? Ich bin kalt , naß , hungrig , durstig , beraubt , verliebt und in Gefahr - Eigenschaften , von denen jede einzelne hinreichend sein müßte , bei einer so liebenswürdigen entzündlichen Frau auch das größte Interesse für den Eigenthümer zu erwecken . Zuerst bitte ich also um Beseitigung der ersten vier , nachher wollen wir über die anderen reden . Mrs. Breidelford , mein Name ist Sander , und ich habe schon früher das Vergnügen gehabt - « » Ei so soll Einem doch der liebe Gott in Gnaden beistehen ! « rief die Frau im höchsten Erstaunen aus - » geht dem nicht das gesegnete Mundwerk wie die Yankee-Dampfmühle am Whiteriver . Was wollt Ihr von mir , Sir ? Was kommt Ihr in später Nacht in einzelner und allein stehender Frauen Häuser , und macht zuerst einen Lärm vor der Thür , daß die ganze Nachbarschaft aufmerksam werden muß ? Bin ich hier in Helena , um Logis für vagabondirende Landstreicher zu halten , soll ich jeden hergelaufenen Bootsmann bei mir aufnehmen , jeden nichtsnutzigen Galgenstrick der gerechten Strafe entziehen ? Aber das geschieht mir schon recht , mein Seliger - wenn er jetzt von oben auf mich herabsieht , weiß er , daß ich die Wahrheit rede - mein Seliger hat mir das schon immer tausendmal gesagt - und tausendmal reichen nicht - Louise , sagte er - halt , was soll ' s da ? Die Thür ist verschlossen - was wollt Ihr an der Thür ? « » Nur Einlaß , holde Louise , « sagte lächelnd Sander , » wenn nicht hier , doch oben - ich höre solche moralische Bemerkungen des alten seligen Breidelford ungemein gern , aber ich muß ein Glas heißen Grog oder Stew vor mir und einen weichen , behaglichen Sitz unter mir haben - also , wenn ' s gefällig wäre - « » Die Thür da ist verschlossen , sag ' ich , « rief Mrs. Breidelford jetzt wirklich ärgerlich , » hol ' Euch doch der Henker , Mann , was wollt Ihr ? Weshalb kommt Ihr her ? « » Nachtquartier will ich , theuerste Louise , «