Schule für weiche Herzen , und wie viele werden wohl da zerdrückt , und doch liegt in dieser natürlichen Schule eine Art Barmherzigkeit ; es ist eine Schule fürs harte Leben , wie man Baumstecken härtet im Feuer , leider aber oft sie verbrennt dabei , damit sie nicht faulen in Wasser , Schnee und Erde . Es soll sich dabei Ergebung bilden , eine Gewohnheit , zu dulden und zu tragen , ohne zu klagen , und diese eben sieht man so oft bei armen kranken Kindern . Sie schreien nicht , sie weinen nicht ; in glühender Hitze , im ärgsten Fieberfrost liegen sie auf dem jämmerlichsten Lager , ihre Lippen sind braun im Brand ; auf dem Ofen ist ein zerbrochen Geschirr mit etwas Nassem , aber niemand hat Zeit , es ihnen zu reichen , sie schweigen , leiden , ihre Augen richten sich wohl dem Geschirr auf dem Ofen zu , aber sie warten , bis die Mutter im Vorübergehen es merkt und frägt : » Wotsch öppe trinke ? « Wenn man dagegen reiche Kinder sieht in ihrer Begehrlichkeit , in ihrer Unfähigkeit , den Schmerz zu ertragen , wie sie schreien , wenn sie beinahe sich gehauen , und wie ihrer Sieben um sie springen müssen , wenn sie sich wirklich gehauen , und sie doch nicht gschweigen können , so ist es wirklich zum Erbarmen . Man fängt dann wohl an zu werweisen , wer glücklicher sei fürs Leben , das reiche oder das arme Kind , fängt an , immer stärker darüber zu sinnen , warum es so schwer sei und namentlich den Eltern , die rechte Mitte zu treffen für das Leben , so schwer sei , das Herz zu härten für das Leben , es weich zu erhalten für das Lieben . Durch die harte Schule waren auch die kranken Kinder gegangen , sie lagen ergeben , stumm , stumpf , würden Solche sagen , die das nicht verstünden , in ihren Hüdelchen ; was sie dachten , was sie empfanden , ob sie an das Leiden dachten oder an den Tod , von dem so viel geredet ward , oder an Genesung ? Sie gaben kein Zeichen von sich . Aber als die alte , schöne , freundliche Frau sich ihrer annahm , sie säuberte , reine Hemder ihnen anzog , ihnen hülfreich beistand , sie tröstete , ihnen zu trinken gab , weiche , warme Sachen , da war es fast , als ob sie aufwachten , als ob sie wieder reden möchten , und das Kleinste , ein blasses , aber lieblich Mädchen mit krausen , blonden Härchen um den Kopf , fragte : » Bist du öppe my Gotte ? « » Ja , King « , sagte Änneli , » dy Gotte will ih sy . « » Gäll , du gehst nicht von uns , du bleibst jetzt bei uns , bis es für ist u Müetti wieder ufma « , sagte es . » Ja , du guts Kind , ich verlasse euch nicht « , hatte Änneli gesagt , und jetzt konnte es wirklich nicht fort . Die Kinder , und besonders das blasse , blonde , hatten es gefesselt , es war ihm , als ob es ihre Großmutter wäre und als ob Gott , wenn es sie verließe , sie aus seiner Hand fordern würde . Dieses sagte Änneli Annelisi freilich nicht , sondern anderes ; aber es ist ja so häufig so , daß wir viel sagen , aber gerade das nicht , warum wir etwas gesagt , warum wir das wollen und nicht was anderes . Von wegen , was wir nicht wissen , können wir nicht sagen , und wie oft geschieht es uns nicht , daß wir etwas wollen , wir wissen nicht warum , der Entschluß steigt uns auf als wie ein Gespenst aus dunkelm Schlunde , und erst wenn es so da vor uns steht , suchen wir nach Gründen , sein Dasein zu rechtfertigen . Eine rechte Reisbrühe zu kochen für diesen Fall wüßte niemand , sagte Änneli , man koche das Ding gewöhnlich ein wenig , aber den Reis verkoche man nicht ; wenn man anrichte , so sei das lautere Wasser obenauf und der Reis hocke ganz am Boden , und dHauptsach bei einer solchen Brühe sei , daß sie schleimicht sei , anhänke in den Därmen , wie der Doktor gesagt habe ; eine solche Brühe wolle es selbst kochen . Dann müßten die Kinder Dokterrustig nehmen ; die Frau sage zwar , man könnte innen nichts beibringen , sie nähmten nichts . Das müsse nun sein , und wenn sie jemand etwas abnähmen , so nähmten sie es von ihm , sie seien jetzt an ihns gewöhnt , und es wolle das einmal probieren . Es gehe ihm schier leichter , jetzt hier zu bleiben , als heimzulaufen . Am Morgen könnten sie ihm dann Roß und Wägeli schicken , und wenn jemand kommen wolle , ihns abzulösen , so sei es ihm recht , daneben , wenn einmal die Sach im Gang sei , so werden sich wohl Leute aus der Nächsemi zeigen . Aber vergessen solle man nicht , noch Haberkernen zu bringen und von denen Bettdecken eine , wo im Spycher hingen . Gäb was es sich sträubte , Annelisi mußte gehen , und gäb was die arme Frau dagegen einwandte , Änneli blieb als Wärterin . Sie dürfte das nicht annehmen , sagte die Frau , sie wüßte nicht , wie es vergelten . Öppe so bei einer Kindbetti , da wollte sie nichts sagen , da sei es der Brauch , da hätte öppe eine Frau die andere nötig , und sie sei manchmal froh darüber gewesen , aber bei einer solchen Krankheit hätts afe ke Gattig . Wenn man das Trinken auf den Ofen stellen wollte , so wollte sie sehen , wie sie es mache . Sie weinte , als Änneli