und er konnte für den Augenblick thun , was er wollte - er blieb ihnen der erste Held der Erde ! Die Anbetung glich dem Wahnsinne ; man fragte den ganzen Reichthum der Sprache nach einem Worte , ihn zu verherrlichen . Man war mit dem Beinamen » des Großen « nicht zufrieden , und hätte ihn am liebsten » den Göttlichen « genannt . Auch zog seine Rückkehr die Blicke Aller von der Armee fort - ihm nach ! Dieser blutige , langwierige , mit so großen Kosten geführte Krieg , der die edelsten Stützen der Nation sinken ließ , und das Land seiner kräftigen männlichen Jugend auf so lange Zeit beraubte , sank augenblicklich zur Nebensache herab , als Ludwig seinen berühmten Feldherren die Erringung der großen Erfolge übertrug , die sie unsterblich machten . Die Pavillons , die an dem Schlosse von Versailles emporstiegen , die Gärten , die Le Notre unerschöpflich war , durch neue Erfindungen umzugestalten , waren weit mehr der Gegenstand aller Mittheilungen bis in die Provinzen hinein , als das große und blutige Schauspiel , das Frankreich auf fremdem Boden aufführte . In den vollsten Taumel dieser Zustände verflochten , kehrten Leonin und seine Gemahlin mit der königlichen Familie zurück . - Fennimor ' s Tod war das Hochzeitsgeschenk , das der Marquis de Souvré ihm den Tag nach der Vermählung gemacht ! Aber die Maske , die er gelernt hatte vorzunehmen , um diesen ewig lächelnden Hof nicht zu erschrecken , schützte ihn vor dem Verrathe seiner Gewissensbisse - der wahnsinnigen Verzweiflung , die ihn zerriß . Denn der Marquis hatte kein Interesse , ihm Fennimor ' s angeblichen Tod als einen Zufall der kaum erstandenen Wöchnerin zu bezeichnen , wie die Marschallin es wünschte . Den Augenblick der Rache versäumen , nach so langer sorgfältiger Mühe , ihn vorzubereiten , hieß eine Thorheit verlangen , die er blos mit Achselzucken hörte , um Leonin alsdann mit dem vollen Gewichte der Nachricht zu treffen , die ihn in Wahrheit so elend machte , als er gehofft , und seine reichen Besitzthümer in dem Augenblicke vernichtete , als sie ihn alle zu umschaaren schienen . Viktorine war Alles ganz . Früher schüchtern , stolz und jungfräulich verschlossen , war sie jetzt von der muthigen Zärtlichkeit einer Gattin durchdrungen . - Scharfsichtig , freilich die Motive verkennend , errieth sie den geistig und körperlich ungemein leidenden Zustand ihres Gemahls und gab sich ihm mit allen Mitteln einer edeln , weiblichen Liebe hin . Wie hätte er dem vereinten Zauber so vieler Vorzüge und so vieler Liebe widerstehen können ! Er ergab sich ihm mit weicher , träumerischer Zärtlichkeit , die ein weibliches Herz so lange von der Erkenntniß ihres wahren Geschickes abzuhalten vermag und lohnte ihr diese glaubensvolle Liebe doch nicht durch ein ausreichendes Vertrauen , welches allein ihn noch derselben würdig machen konnte . So gewann er wieder , was der verwöhnte Zögling der eifersüchtigsten Mutter von Jugend auf zu erzielen gelernt hatte : der Augenblick hüllte ihn schonend und liebkosend ein ! Der Arzt von Ste . Roche ward durch Souvré ' s Vermittelung mit Summen versehen , welche überschwänglich ausreichend , die Existenz des Kindes und seiner Wärterin sichern sollten . Fennimor ' s Leiche sollte in der alten Kapelle des Schlosses , in dem Grabgewölbe der Claudia von Bretagne beigesetzt werden - und Leonin war vorläufig mit diesen Angelegenheiten fertig . Die Abreise trat dazwischen . Schon hatte er gelernt , diese äußeren Pflichten als die vorherrschendsten , geltendsten anzusehen ; er fand schon darin eine Rechtfertigung , daß sie ihn von jenen Interessen abzogen , und die süße Beschwichtigung aller schwachen Karaktere , die Dinge , die sie zu verletzen drohen , verschieben zu dürfen , übte auch über ihn ihre ganze Gewalt . Jetzt war er zurück . Die alten Räume nahmen ihn auf . Das Schloß Crecy war dem jungen Erben allein übergeben . Der größte Glanz der Verhältnisse , seine Stellung bei Hofe , die immer angenehmer und anziehender ward , je mehr ihn seine übrige Lage zu begünstigen schien , Viktorinens schöne , edle Erscheinung , die diese einst so öden Räume auch geistig zu beleben wußte und , indem sie ihn als zu sich gehörend betrachtete , ihm einen Werth zu geben schien , der ihn zu Zeiten selbst täuschte und ihm die Verpflichtung , sie glücklich zu machen , immer natürlicher werden ließ - Alles dies vereinigte sich , den Winter an Leonin vorüber zu führen , ohne ihn ernstlich auf die Verhältnisse hinzuleiten , die , ihm nur halb bekannt , oberflächlich von Andern besorgt , zu entscheidenderer Einwirkung aufforderten . Das Frühjahr führte die rastlos wechselnden Feste des Hofes herbei , die auf den Genuß der schönen Gärten berechnet waren , die ein königliches Lustschloß mit dem anderen zu verbinden strebten - und endlich forderte Viktorine seine ausschließliche Aufmerksamkeit , indem sie ihm in dem Blütenmonate der Erde , wie sie wähnte - den ersten Sohn überreichte . Wir werden sein erschrecktes Herz begreifen , wenn wir hinzufügen , daß er keinen Muth hatte , für dies Kind zu fühlen , was die erste Aufwallung für dasselbe andeutete . Er stand stumm davor - ein gerichteter Verbrecher ! Es war dasselbe holde Wesen , das er verstoßen - es hatte gleiche Rechte an ihn ; - aber die Wonne , die er bei der Geburt von Fennimor ' s Sohne empfunden , und die er mit Verrath und dem schwärzesten Frevel bezahlt hatte , rächte sich jetzt an ihm und ließ ihn verzagen , wie ein Mensch zu empfinden . Dagegen war die Geburt dieses ersten Erben für die Marschallin und ihren Gemahl der Gipfel des Glückes , und Beide empfanden , Jeder in seiner Weise , dabei eine noch nie gekannte Erweichung . Das Kind selbst , Viktorine , die Geberin dieses Glückes , waren ein Gegenstand fast thörichter Liebesweise , und das herzogliche Aelternpaar blieb gegen die Schwiegerältern ihrer