Zaunpfahl , mit dem er einst den Pitter vom Bandkotten verschont hatte , und der sich zufällig in der Nähe befand , und gab dem widerspenstigen Tiere mit dem dicksten Ende des Pfahls einen so gewaltigen Schlag in die Weichen , daß die Kuh aufstöhnte . Ihre Seiten begannen zu fliegen und ihre Nüstern zu schnauben . Der Langsame ließ die Maie , welche er in der Hand hielt , sinken , die erste Magd sah vom Kessel auf , und beide riefen wie aus einem Munde : » Gott behüt ' uns ! Was tust du ? « » Wenn so ein Aas keine Räson annehmen will , und will sich nicht mit Manier vergolden lassen , so soll ihm das Donnerwetter die Knochen zerschmeißen ! « rief der Rothaarige . Er riß der Kuh das Haupt herum und schmückte sie nun schöner als alle ihre Gefährtinnen . Denn das Tier , in seinen Schmerzen sanftmütiger geworden , stand jetzt ganz still und ließ mit sich vornehmen , was der rauhe Künstler wollte . » Das kann Euch eine teure Hochzeit werden « , sagte die erste Magd . » Denn die Blässe ist melk , und wenn sie verkalbt , so seid Ihr vom Hof . « » Und wenn Ihr noch ein einziges Mal Euren Rachen aufreißt , so kriegt Ihr auch den Zaunpfahl an den Hirnkasten ! « rief der Zornige . - » Denn der Baas hat mir lange keinen Spruch mitgeteilt und jach sein zum Hader tut auch mitunter gut , und an so einem Ehrentage muß man keinen Menschen kujonieren . « - Er gab der geschmückten Blässe einen Schlag auf die Hüften und sagte : » Nun stehe gerade und halte die Hörner steif , damit du nach etwas aussiehst , wenn die Herrschaften hier speisen . « Während auf diese nachdrückliche Weise unten die Hochzeitsanstalten betrieben wurden , legte der Hofschulze oben in der Kammer , worin er das Schwert Karls des Großen verwahrte , seinen Staat an . Das hauptsächlichste Stück des Feierputzes , welches die Bauern der dortigen Gegend tragen , ist die Menge der Jacken , welche sie unter dem Rocke anziehen . Je reicher der Bauer ist , um so mehrere Jacken zieht er bei außerordentlichen Gelegenheiten an . Der Hofschulze besaß deren neun , und alle waren von ihm bestimmt , sich am heutigen Tage auf seinem Leibe zu versammeln . Er hatte sie hinter einem Saatlaken , welches wie ein Vorhang den einen Teil der Kammer von dem andern schied , der Reihe nach an Pflöcken nebeneinander aufgehängt , erst die unteren von wollenem geblümtem Damast , silbergrauem oder rotem , dann die oberen von braunem , gelbem , grünem Tuche . Diese waren mit schweren silbernen Knöpfen geziert . Hinter dem Saatlaken besorgte der Hofschulze seinen Anzug . Er hatte sein weißes Haar sauber gekämmt , und das gelbe , frischgewaschene Antlitz leuchtete darunter hervor wie ein Rübsenfeld , über welchem im Mai Schnee gefallen ist . Der Ausdruck natürlicher Würde , welcher diesen Zügen eigen war , hatte sich heute noch um ein großes vermehrt ; er war Brautvater und fühlte das . Seine Bewegungen waren noch langsamer und gemessener als damals , wo er mit dem Roßkamm feilschte . Sorgfältig prüfend beschaute er jede Jacke , bevor er sie von ihrem Pflocke nahm , und legte sie darauf bedachtsam eine nach der andern an , ohne sich bei dem Zuknöpfen irgend zu übereilen . Eben war er mit den damastenen fertig geworden und wollte zu denen von Tuch übergehen , als draußen vor der Türe der Kammer ein Leierkasten erklang , und folgendes Lied aus einer von Trunk und Heiserkeit verwüsteten Kehle zu tönen begann : Fordre niemand mein Schicksal zu hören , Dem das Leben noch wonnevoll winkt ; Ja wohl könnte ich Geister beschwören - Weiter ließ der Hofschulze den Schwanengesang Kosciuszkos nicht kommen , sondern rasch hinter dem Saatlaken hervortretend , ging er zur Türe und rief ärgerlich hinaus : » Was soll das ? Was soll das Geplärr im stillen Hochzeitshaus ? « » Ich wollt ' mich nur anmelden « , erwiderte die heisere Stimme , indem die Pfeife des Leierkastens , welche bei dem letzten Worte des Liedes in Tätigkeit gewesen war , auspfiff . Herein trat , oder vielmehr drängte sich eine mißgewachsene , kahlköpfige Gestalt , in eine kurze , grobe Jacke und zerrissene Hosen gekleidet , mit Holzschuhen an den Füßen . Es war der einäugige Spielmann , der bei den Bauern in der Gegend der Patriotenkaspar hieß , weil er in den Unruhen von 1787 als fünfzehnjähriger Knabe zu den holländischen Patrioten gelaufen war . Er wußte viel von Schoonhoven , Gorkum und Nieuwpoort zu erzählen ; jener Feldzug war die große Zeit seines Lebens gewesen . Übrigens galt er für einen schlechten Menschen , dem man nicht gern begegnete , schützte sich vor dem Hungertode durch den Pfennigerwerb seines Leierkastens , und lag oft wochenlang unter freiem Himmel , oder in einsamen Schoppen und Ställen , denn ein eigenes Obdach besaß er nicht , obgleich er in seiner Jugend ein artiges Erb angetreten hatte , welches ihm aber in sonderbarer Weise verlorengegangen war . Neben seinem Singen schöner neuer Lieder , » gedruckt in diesem Jahr « , trieb er auch einen kleinen Handel mit Schriften , wie : » Des Herzogs von Luxemburg Verbündnis mit dem Satan « oder » Die schöne Caroline als Husarenoberst « , welche auf dem Leierkasten zur Anreizung der Wißbegierigen ausgebreitet lagen , wenn er sang und spielte . Der Hofschulze war , verdrießlich über die Unverschämtheit des Patriotenkaspars , zurückgetreten , stemmte die Arme in die Seiten und rief : » Wer ruft Euch ? Schert Euch vom Hofe ! Hier wird Euch nichts gereicht . « » Nein « , versetzte der einäugige Spielmann , indem er das unversehrt gebliebene Auge tückisch unter den dünnen Brauen zusammenkniff , » hier wird mir nichts