Herrn erinnere . Gott sei seiner Seele gnädig ! Glücklich war er auch nicht , die Leute sprachen Allerlei von ihm . Er mußte viel Trauriges erlebt haben ; denn rührender seufzte kein Mensch . Ach , und dann hörten wir ihn eben so die Nächte durch umher wandern und tief , tief seufzen . Des Morgens fanden ihn die Bedienten oft auf den kalten Steinen der großen Halle oder auf den Treppen eingeschlafen liegen . Alt konnte er dabei nicht werden , das könnt Ihr denken ; aber er that keinem Kinde was zu Leide , ja , er liebte sie zärtlich , und ich und Lanci und einige Fischerkinder , wir saßen gern um ihn her , und er schnitt uns Bilderchen und knetete uns Püppchen von Wachs . Mit der gnädigen Frau war es damals noch nicht so weit , wie jetzt , aber lieben thaten sich die Herrschaften nicht . Man sagt , der gnädige Herr sei ein Ketzer gewesen , und die gnädige Frau habe ihn gern durch die heilige Kirche von seiner Schwermuth befreien wollen ; aber das sei ihr nicht gelungen , und darum schrien sie oft fürchterlich gegen einander und blieben dann wieder getrennt . So kam es auch , daß die gnädige Frau es gar nicht merkte , als Mylord eines Morgens verschwunden war ; und als sie spazieren gehen wollte , fand sie die Leiche des gnädigen Herrn vor einer kleinen verschlossenen Thür dicht vor ihrem Schlafzimmer . Seitdem ist Mylady sehr unruhig , und geht häufig des Nachts umher und beabsichtigt Mylord zu suchen , von dem sie jetzt noch denkt , er schlafe irgendwo und werde sich erkälten . Aber es sind nun fast zehn Jahre , daß der arme Herr zur Ruhe ist , und Mylady weiß dies auch bei Tage und so lange sie gesund ist , aber häufig vergißt sie es wieder . - Das Unheimliche des Eindrucks , den Maria empfangen , ward durch diese Mittheilungen nicht gemildert , und vor Allem schrecklich schien es ihr , in der Gewalt eines sinnberaubten Wesens zu sein . Sie fühlte die größte Ungeduld , sich über die Verhältnisse , in die man sie gegen ihren Willen gezwängt , Auskunft zu verschaffen , und sich vollkommen gesund fühlend , verlangte sie das Bett zu verlassen . - Liebe Lady , verzieht einen Augenblick , Pater Clemens will erst Euern Puls untersuchen , ehe er dies zugiebt ; ich rufe ihn sogleich . - Wer ist Pater Clemens ? sprach Maria . Laß das , liebes Mädchen , ich fühle mich ganz wohl und wünsche nur , daß Du zu Deinem Vater gehst und ihn aufforderst , mir meinen Reisegefährten herzusenden , den ich nothwendig sprechen muß . Nun , liebe Lady , sagte Margarith , das ist ja eben Pater Clemens , derselbe , der Euch diese Nacht zu Hülfe kam und Euch nachher zur Ader ließ . Maria war von dieser Entdeckung nicht sehr überrascht , und wünschte um so mehr das Bett zu verlassen , da sie Sehnsucht trug , sich selbst in unabhängiger Thätigkeit zu fühlen , diesem unsichern , geheimnißvollen Umherschleichen gegenüber . Ehe es daher Margarith hindern konnte , ergriff sie die seidene Decke ihres Bettes , und sich hineinhüllend , stand sie pfeilschnell auf ihren Füßen , und betrieb nun selbst mit Geschick und Schnelligkeit ihr Ankleiden , wobei sie doch bald Margariths Beistand nöthig fand , da der Arm , an dem man die Ader geöffnet , noch ziemlich unbrauchbar war . Als sie sich dann den sorgfältigen Händen der neuen Kammerjungfer entzogen , eilte sie der Nebenthür zu und als sie in ihr Wohnzimmer trat , fand sie die Lehnstühle an ihrem Kamine nicht mehr leer , sondern in der einfachen Kleidung des Ordens Jesu saß ihr Reisegefährte einer Frau gegenüber , die Maria auf den ersten Blick für dieselbe erkannte , in deren Armen sie erwacht war . Beide schienen in ihr Gespräch vertieft und nicht wenig überrascht , als Maria blühend , vollständig gekleidet , und mit jenem klaren und festen Ausdruck des ganzen Wesens , der vom guten Rechte zeigt , vor sie trat . Pater Clemens , wie wir ihn nun nennen müssen , schien auch nicht sogleich den rechten Ton finden zu können , und sein Gesicht war mehr verlegen , als ernst . Ihr überrascht uns , Mylady , sagte er , vor sich niedersehend ; ich will wünschen , daß Ihr Euch nicht zu früh für gesund erklärt habt . Ich war gesonnen , Euch Ruhe anzurathen . Ruhe , Sir ? antwortete Lady Maria , Ruhe bedarf nur noch mein Geist ; über das Gefühl der Gesundheit giebt man sich selbst das richtigste Zeugniß ! Die blasse Frau machte hier eine kleine Bewegung und zog Maria ' s Aufmerksamkeit dadurch auf sich . Ich irre mich wohl nicht , fuhr sie gegen diese gewendet fort , wenn ich mich Euch verpflichtet halte für Euern liebreichen Beistand , den Ihr mir in dieser Nacht geleistet ? Ohne die Augen zu erheben , verbeugte sich die Angeredete bloß mit dem Kopfe . Pater Clemens hatte mich zu diesem Dienst ersehn , erwiederte sie leise ; Ihr seid mir nicht dafür verpflichtet . Maria konnte , trotz dieser kalten Antwort , ihre Blicke nicht sogleich von der anziehenden Person abwenden , die diese Worte sprach , und deren hohe und schlanke Gestalt in der eng anschließenden schwarzen Kleidung , die sie trug , noch sehr wohl als schön zu erkennen war . Ihr milchweißes Angesicht von der feinsten Regelmäßigkeit , mit seinem demüthigen und frommen Ausdruck , rief unwillkürlich das Andenken an jene rührenden Heiligenbilder zurück , die in ihrem kleinen Schrein das ganze Leben zugebracht zu haben schienen , um einem einzigen frommen Gedanken nachzuhängen , Ihr Kopfputz aber erinnerte Maria an die Nonnen , die sie zur Nacht gesehn , obgleich dieser jetzt Schleier und Skapulier fehlten , und allein die eng