der reinsten Absicht geschieht , bringt Tod und Verderben , und wer seinen Nebenmenschen aus dem Wasser zieht , kann ihn dabei erdrücken . « Fünftes Kapitel Er hatte gehört , daß Cornelie sich auf einer kleinen Meierei , unweit der Fabrikbesitzungen befinde , wo sie die Molkenwirtschaft lerne . Dorthin war sie vom Oheim gesendet worden , um die täglichen Berührungen zwischen ihr und Ferdinand zu hindern , welche nach der Rückkehr des Mädchens bei dem Knaben einen immer leidenschaftlicheren Charakter angenommen hatten . Ohne selbst recht zu wissen , was er beginnen wollte , und ungeachtet er dem Oheim das Wort gegeben hatte , nichts in dieser Sache eigenmächtig zu unternehmen , befand er sich eines Tages kurz nach den erzählten Vorfällen auf dem Wege zur Meierei . Dieser führte ihn an schroffen Felsen und bebüschten Hügeln vorbei , bis endlich im anmutig grünsten Wiesentale sich das reinliche , rot und weiß angestrichene Gebäude zeigte . Schönes , saubergehaltenes Vieh graste auf dem samtnen Rasen umher ; unter niedrigem Gesträuch , zwischen Gitterwerk eingehägt , scharrte und pickte allerhand Geflügel ; hübsche kräftige Mägde gingen mit ihrer Marktladung auf dem Haupte durch das Tal den umsäumenden Hügeln zu ; der blauste Himmel spannte sich über der friedlichen Szene aus . Hermann betrat das Haus , in welchem ihm der frische Molkengeruch entgegenduftete , mit einiger Beklemmung , da er von der Zusammenkunft mit Cornelien einen heftigen und ängstlichen Auftritt besorgte . Niemand begegnete ihm , und so ging er auf das Geratewohl nach einem Gemache , in welchem er ein Geräusch vernahm . Die Türe öffnend , sah er Cornelien bei der ländlichen Arbeit in Gesellschaft der Schaffnerin und einiger Dienerinnen . » Ich bin es , Cornelie , erschrecken Sie nicht ! « sagte er . » Warum sollte ich erschrecken ? « versetzte sie unbefangen . » Ich habe Sie längst erwartet , da ich wußte , daß Sie bei dem Oheim waren . « Sie wies ihn nach ihrem Zimmer und bat ihn , dort allein zu verweilen , bis ihre Arbeit , welche sie nicht aufschieben könne , getan sei . Er ging durch das Haus , welches von holländischer Reinlichkeit glänzte , betrat das Stübchen , und sah sich dort von dem lieblichsten Bilde der Ordnung angelächelt . Nicht lange , so erschien Cornelie . Sie reichte ihm von freien Stücken die Hand , begrüßte ihn mit dem traulichen Du , und da er , von ihrer Lieblichkeit bezwungen , seine Lippen den ihrigen näherte , duldete sie , ihm zum Erstaunen , seinen Kuß . » Warum bist du so lange ausgeblieben ? « fragte sie . » Du warst in meiner Nähe und ich erwartete dich täglich . « Hatte er sich vor Zwang und peinlichem Wesen gefürchtet , so setzte ihn dieser unbefangne Empfang noch mehr außer Fassung . Um sich zu sammeln , bat er sie , mit ihm einen Spaziergang zu machen , was sie gern gewährte . Sie führte ihn auf einen Hügel , von welchem er den Überblick über das ganze Tal hatte . Man sah nur dieses , und nirgends sonst menschliche Wohnplätze , weil die Turmspitzen der benachbarten Ortschaften sich alle hinter den vorspringenden Hügeln verbargen . Hiedurch erhielt die Gegend etwas unglaublich Stilles und Einsames . Dieser Eindruck wurde noch dadurch vermehrt , daß hier seit Menschengedenken nur das einfachste Geschäft , die Viehzucht betrieben worden war , das Geschäft , welches dem Boden die wenigsten Spuren menschlichen Verkehrs aufprägt . Denn das Tier wandelt da und dort über den Anger , sein Schritt furcht ihm keine Straße ein , und was sein Zahn abrupfte , ist in wenigen Wochen wieder nachgewachsen . Hermann , der das heitre , lebenskräftige Mädchen neben sich in dieser Abgeschiedenheit ansah , fragte sie , ob ihr diese , und ihre einförmige Beschäftigung nicht doch bisweilen zuwider werde ? » Niemals « , versetzte Cornelie . » Bin ich nicht eine Waise ? Ist mein Los ein andres , als dienstbar zu sein ? Ich muß dem Vater herzlich danken , daß er mir Gelegenheit bietet , die Hände zu rühren . Und dann fällt unter den Kühen und Schafen auch so manches vor , was immer Abwechslung gibt . Da entsteht Zank und Eifersucht , Versöhnung nebst allerhand Geschichten , wie unter den Menschen . Es ist ein trauriges Schicksal , keine Eltern zu haben « , setzte sie ernster hinzu . » Dein Oheim und deine Tante wollten mich es nie fühlen lassen , und doch konnte ich es wohl merken . Ich kann nie vergelten , was sie an mir getan haben , und doch bin ich immer dessen mir bewußt gewesen , daß ich niemand angehörte . Wenn von der Zukunft , von ihren Planen die Rede war , da hörte ich immer nur Ferdinands Namen , und meinen nicht mit . Das hat sich mir tief eingeprägt . Aber man lernt unter solchen Umständen früh , sich selbst helfen , und so jung ich bin , so fühle ich doch , daß ich wohl allein durch die Welt kommen wollte . Das Härteste erfuhr ich in dem Waldhause , wo du uns trafst . Die Mutter begehrte in ihrer Fieberhitze zu trinken , Ferdinand und ich , wir kamen beide mit einem Glase zum Bette , mich wies sie zurück und nahm von Ferdinand das Getränk an . Es war freilich nur Phantasie , aber es kränkte mich doch sehr ; ich setzte mich , bitterlich weinend , in eine Ecke . Nicht lange darnach tratest du ein . « Unter solchen Gesprächen waren sie in das Tal hinuntergestiegen . Hermann nahm wahr , daß die Hirten und Melkmädchen , Cornelien , wie sie an ihnen vorüberging , mit einem Ausdrucke grüßten , der an Ehrfurcht grenzte . Ja , eine junge schwarzbraune Dirne , die aus feurigen Augen schaute , sank vor ihr , wie vom Gefühl überwältigt , in die