können darauf rechnen , sagte der Arzt , der seinen Rock schon wieder angezogen hatte , meine Lippen schweigen wie das Grab . Das ist die Pflicht des Arztes , und Sie wissen , daß ich alle meine Pflichten erfülle . Nach diesen mit großem Nachdruck gesprochenen Worten , nahm er alle chirurgischen Instrumente zusammen , so wie alles zum Verband Erforderliche . Diese Sachen werden wir vermuthlich brauchen , sagte er mit einem schlauen Lächeln , da Sie des Wundarztes mehr , als des Doktors zu bedürfen scheinen . Er folgte nun dem jungen Grafen nach dessen Zimmer , wo sie seine beiden Freunde und den jungen Gustav antrafen . Sie haben den jungen Menschen in Ihre Geheimnisse eingeweiht , sagte der Arzt , indem er verwundert einen Schritt zurücksprang ; verlassen Sie sich auf seine unbedachtsame Jugend ? Sein Sie ruhig , erwiederte der Graf , ihn hat ein hartes Schicksal früh gereift ; seiner Vorsicht dürfen wir uns unbedingt vertrauen . Wenn das ist , sagte der Arzt , so verdient er die höchste Achtung . Aber , fuhr er mit bedenklicher Miene fort , wenn Ihr Geheimniß nicht verschwiegen bleibt , so denken Sie daran , daß Sie es mir nicht allein vertraut haben . Nach diesen Worten näherte er sich dem Kranken , der in einem Lehnstuhle saß und sehr zu leiden schien . Sein Gesicht war bleich wie das eines Todten , und die blauen , zuckenden Lippen deuteten auf heftige Kälte , die den ganzen ermatteten Körper zu beben zwang . Der hat ein tüchtiges Wundfieber , sagte der Arzt , zum Grafen gewandt ; sein Zustand muß sogleich untersucht werden . Er näherte sich hierauf dem Kranken und sagte mit etwas heftiger Stimme : Und warum liegen Sie denn bei Ihrer Ermattung nicht ordentlich ausgekleidet im Bette ? Sein Arm ist so aufgeschwollen , sagte der junge Graf , daß wir ihn nicht von seinem Rocke zu befreien vermochten . Der Arzt sah , daß selbst über Hand und Finger sich eine starke Geschwulst verbreitet hatte . Er antwortete nichts , sondern nahm aus seinem Besteck eine Scheere und schnitt den Aermel des Rocks der Länge nach auf . So klug hätten Sie lange sein können , sagte er , sich an den jungen Gustav wendend , der ihm zu seiner Beschäftigung leuchtete , weil er diese verweisenden Worte nicht an die andern Gegenwärtigen geradezu richten und ihnen doch eine Lehre für die Zukunft geben wollte . Als der Verwundete von seinem beschwerlichen Kleidungsstücke befreit war , zeigte es sich , daß seine Wunden unter dem Verbande stark geblutet hatten , und es war nicht möglich , den alten Verband ohne Schmerzen abzunehmen . Während nun der Arzt hiemit beschäftigt war , rief er mehrere Mal : In welchen Händen sind Sie gewesen ? Wie haben Sie sich einem Menschen anvertrauen können , der nicht einmal einen Verband aufzulegen versteht ? Das ist ja ärger , als ob Sie unter die Wilden gerathen wären , denn die werden es doch noch besser verstehen , eine Wunde zu verbinden . Der junge Graf suchte ihn zu beruhigen , indem er ihm sagte , daß sein Freund nicht hätte daran denken können , für seine Gesundheit zu sorgen , indem er nur auf seine Sicherheit habe Rücksicht nehmen können , und deßhalb wären schon zwei Tage verflossen seit dem ersten Verbande . Wenn Sie meinen Verband nach sechs Wochen abnehmen wollten , erwiederte der Arzt mit Verachtung , so würden Sie ihn immer noch in ganz anderm Zustande antreffen . Während dieser Rede war es endlich gelungen , die Wunde zu befreien , und der Arzt heftete einen langen , bedeutenden Blick auf den jungen Grafen , indem er einen Ausruf , der seinen Lippen entschlüpfen wollte , gewaltsam zurück drängte und dabei so wunderliche Gesichter machte , daß nur der Ernst des Augenblicks so mächtig auf seine Umgebung wirken konnte , daß sich keine Spur von Lachlust zeigte . Der Graf mochte nicht fragen , aber ihn selbst hatte der Anblick der Wunde und der ganz blau aufgelaufene Arm belehrt , daß das Uebel seines Freundes zu den ernsthaften gehörte . Mit schonender , leichter Hand hatte der Arzt die schlimme Wunde gereinigt und den kunstgemäßen Verband aufgelegt , und der Kranke fühlte sich sehr erleichtert . Der Graf gab ihm von seiner Wäsche , und der Arzt half ihn in eine bequeme Lage auf sein Lager bringen . Auch dieß schien in ihm eine wohlthätige Empfindung zu erregen . Als alles dieß beendigt war , fragte der Arzt den Kranken : Was haben Sie gegessen zu Abend ? Gar nichts heute den ganzen Tag , erwiederte dieser , der mit diesen Worten zuerst das bis jetzt beobachtete Schweigen brach . Obgleich die Stimme matt und krank war , so erkannte sie der Arzt dennoch , und sprang im höchsten Erstaunen drei Schritte zurück und rief : wunderbar ! höchst wunderbar ! Der junge Graf gerieth in den verzeihlichsten Irrthum , daß der Arzt die lange Enthaltsamkeit seines Freundes so lebhaft bewunderte , und sagte daher : Die heftigen Schmerzen haben den Armen gehindert , an Nahrung zu denken . Ach was ! rief der Arzt , ich dachte jetzt nicht an Lebensmittel ; aber was mich erschütterte , davon ist jetzt nicht Zeit zu reden . Jetzt muß ich als Arzt , als Menschenfreund handeln . Ihr Freund muß durchaus einige leichte , stärkende Nahrung haben , deßhalb wird es nöthig sein , Dübois gewissermaßen in unser Geheimniß zu ziehen . Er ist ein braver Mann , ob er gleich ein Franzose ist , wie wir ja überhaupt einige achtungswerthe Subjekte von dieser Nation kennen gelernt haben ; und er ist sehr dienstfertig , obgleich er hier im Hause sehr verwöhnt wird . Man muß sich an ihn wenden , damit er Ihrem kranken Freunde etwas Kraftbrühe verschafft , denn er darf nicht länger ohne Nahrung bleiben . Sie hätten mir dieß