samt einem lauten Aufschrei . Kaum sind sie vor die alte Kapelle gelangt kaum sah der Gärtner drei Schritte vor sich den Maler der Länge nach unter der offenstehenden Tür ohne Lebenszeichen liegen , so ruft schon Henni , sich angstvoll an den Vater klammernd und ihn nicht weiter lassend » Halt , Vater , halt ! um Gottes willen seht Ihr nicht - dort in der Kammer - « » Was ? « ruft der Alte ungeduldig , da ihn der Knabe aufhält , » so laß mich doch ! Hier , vor uns liegt , was mich erschreckt - der Maler , leblos am Boden ! « » Dort aber - dort steht er ja auch und - o seht Ihr , noch jemand - « » Bist du von Sinnen ? du bist blind ! was ist mit dir ? « » So wahr Gott lebt , ich sehe ! « versetzte der Knabe mit leiser , von Angst erstickter Stimme und deutet fortwährend nach der Tiefe der Kammer , auf die Orgel , wo für den Gärtner nichts zu sehen ist ; dieser will nur immer dem Maler beispringen , über welchen Henni weit wegschaut . » Vater ! jetzt - jetzt - sie schleichen auf uns zu - Schrecklich ! o flieht - « Hier versagt ihm die Sprache , er hängt ohnmächtig dem Alten im Arm , der jetzt ein verzweifeltes Notgeschrei erhebt . Von allenthalben ruft es und rennt es herbei , der Hausherr selbst erscheint mit den ersten und schon ist der Wundarzt zur Hand , der diese letzten Tage das Schloß nicht verließ ; er läuft von Nolten zu Henni , von Henni zu Nolten . Beide trägt man hinauf , ein jedes will helfen , mit raten , mit ansehn , man hindert , tritt und stößt einander , der Präsident entfernt daher alles bis auf wenige Personen . Ein Reitender sprengt nach der Stadt , den zweiten Arzt zu holen , indes der gegenwärtige , ein ruhiger , tüchtiger Mann , fortfährt , das Nötige mit Einreibung und warmen Tüchern nach der Ordnung zu tun ; schon füllte schauerlicher Duft der stärksten Mittel das Zimmer . Mit Henni hat es keine Gefahr , obgleich ihm die volle Besinnung noch ausbleibt . An Nolten muß nach stundenlanger Anstrengung , so Kunst wie Hoffnung erliegen . Bescheiden äußerte der Wundarzt seinen Zweifel und als endlich der Medikus ankam , erklärte dieser auf den dritten Blick , daß keine Spur von Leben hier mehr zu suchen sei . Hatte Agnesens Krankheit und Tod überall in der Gegend das größte Aufsehn und die lebhafteste Teilnahme erregt , so machte dieser neue Trauerfall einen wahrhaft panischen Eindruck auf die Gemüter der Menschen , zumal bis jetzt noch kein hinreichender Erklärungsgrund am Tage lag . Da indes doch irgendein heftiger Schrecken die tödliche Ursache gewesen sein muß , so lag allerdings bei der von Kummer und Verzweiflung erschöpften Natur des Malers die Annahme sehr nahe , daß hier die Einbildung , wie man mehr Beispiele hat , ihr Äußerstes getan . Dieser Meinung waren die Ärzte , sowie der Präsident . Doch fehlte es im Schlosse , je nachdem man auf gewisse Umstände einen ängstlichern Wert legen wollte , auch nicht an andern Vermutungen , die , anfänglich nur leise angedeutet , von den Vernünftigen belächelt oder streng verwiesen , in kurzem gleichwohl mehr Beachtung und endlich stillschweigenden Glauben fanden . Der Schwester ließ sich das Unglück nicht lange verbergen ; es warf sie nieder als wär es ihr eigener Tod . Margot hielt treulich bei ihr aus , doch freilich blieb hier wenig oder nichts zu trösten . Henni befindet sich , zum wenigsten äußerlich , wieder wohl . Er scheint über einem ungeheuern Eindruck zu brüten , dessen er nicht Herr werden kann . Ein regungsloses Vor-sich-Hinstaunen verschlingt den eigentlichen Schmerz bei ihm . Er weiß sich nicht zu helfen vor Ungeduld , sobald man ihn über sein gestriges Benehmen befragt ; er flieht die Gesellschaft , aber sogleich scheucht ihn eine Angst in die Nähe der Seinen zurück . Der Präsident , in Hoffnung irgendeines neuen Aufschlusses über die traurige Begebenheit , befiehlt dem Knaben in Beisein des Gärtners , zu reden . Auch dann noch immer zaudernd und mit einer Art von trotzigem Unwillen , der an dem sanften Menschen auffiel , gab Henni , erst mit dürren Worten , dann aber in immer steigender Bewegung , ein seltsames Bekenntnis , das den Präsidenten in sichtbare Verlegenheit setzte , wie er es aufzunehmen habe . » Als ich « , sprach nämlich der Befragte , » gestern nacht mit meinem Vater auf den Lärm , den wir im untern Hausflur hörten , nach der Kapelle lief - die Tür stand offen , und die Laterne außen auf dem Gang warf einen hellen Schein in die Kammer - sah ich tief hinten bei der Orgel eine Frau , wie einen Schatten , stehn , ihr gegenüber in kleiner Entfernung stand ein zweiter Schatten , ein Mann in dunkelm Kleide , und dieses war Herr Nolten . « » Sonderbarer Mensch ! « versetzte der Präsident , » wie magst du denn behaupten , dies gesehen zu haben ? « » Ich kann nichts sagen , als : vor meinen Augen war es licht geworden , ich konnte sehn , und das ist so gewiß , als ich jetzt nicht mehr sehe . « » Jenes Frauenbild « - fragte der Präsident mit List , » verglichst du es jemandem ? « » Damals noch nicht . Erst heute mußt ich an die verrückte Fremde denken , ich ließ mir sie daher beschreiben und kann die Ähnlichkeit nicht leugnen . « » Herrn Nolten aber , wie konntest du diesen sogleich erkennen ? « » Mein Vater zeigte auf den Boden und nannte dabei den Herrn Maler , da merkt ich erst , daß dieser , welcher vor uns lag , und jener