Boden lag , den Schleier weit zurückgeschlagen , das himmlische Gesicht weißer wie Schnee , die Augen geschlossen , der Mund voll Güte und Liebe , schmerzlich zum Weinen verzogen , beide Hände im tiefsten Jammer zusammen geschlagen ! - Sieh weg ! Sieh weg ! ich bitte Dich . Ich verliere den Verstand , sehe ich sie in Gedanken so vor mir liegen . Wer spricht mir noch von Liebe ? Wer weiß denn , was Lieben ist ? Niemand ! das sage ich Dir . Auch sie nicht ! das ist das Tollste . Auch sie nicht ! bei dem ganzen Umfange ihres Opfers , wußte sie nicht , was Liebe ist . Wie hätte sie sonst die Lüge zwischen uns geschoben , und Früchte von solcher Saat gehofft ? Nun sind die Teufel alle losgebunden , und ein zerbrochenes Gelübde erzeugt den Wunsch , die andern auch zu brechen . Frage sie doch , was sie aus mir machen wird ? und wie sie die rebellischen Wünsche in der eignen , stürmenden Brust zu bändigen gedenkt ? » Zurück ! zurück ins Kloster , « klagte sie leise , und weinte dabei . Entsagen wollte sie ! O hätte sie Geduld mit mir gehabt , und nicht größer sein wollen , als die Natur vom Menschen es verlangt . Siehst Du , Heinrich ! ich sagte es Dir schon einmal , die eigentlichen Gespenster , die springen aus dem verhetzten Gehirn der Menschen hervor . Den Wahn gebirt er selbst , wie jeden , um den er leiden muß . Sie ist sehr unglücklich , das glaube mir ! Hier ! hier an diesem Herzen hat sie alle ihre Seelenangst bekannt ! Hier an diesem Altar konnte sie beichten ! So treibt sie noch der alte Götzendienst zur Abgötterei , und sie darf glauben , ihn abgeschworen zu haben ? O hilf mir aus dem Labyrinth heraus , in dem ich auch sie verlieren könnte . Glaubst Du , ich spreche im Fieber ? Weißt Du so von gar nichts , daß Du nicht merkest , sie sei die Nonne , die mich seit Monaten , wachend und träumend , begleitet ! Die Nonne ! Ja wohl ! sie ward es , und galt für todt . Wollte dafür gelten , um mich glücklich zu wissen . Verstehst Du wohl , um mich glücklich zu wissen . Du ewiger Himmel ! wie schlecht berechnet sich das Glück , und wie irrt sich der Mensch , wenn er es zu schaffen gedenkt ! Irren und immer irren , das ist das Motto , das am Ein- und Ausgange unserer Lebensbahn steht . Wir kennen nur die verschlungenen Schriftzüge nicht , und machen Jeder ein beliebiges Wort daraus . Wie sie sich mir bei allem dem immer nahte , wie ich sie zuletzt finden , und den - ! Nennst Du es Betrug ? Sage die Täuschung , es klingt besser - entdecken mußte ? Ja , mein Freund ! das ist es eben . Die Wahrheit ist eine mächtige Gottheit , sie rächt jede Verletzung ihrer Gesetze . Es muß dann alles so kommen , wie es kommen soll ! Wie das Haupt der Medusa schreckt sie das Menschenauge ! O ! es ist eine weitläuftige Geschichte . Ich erzähle sie Dir einmal . Einmal ? es ist gut , seine Vorsätze so ins Ungewisse zu stellen . Wer sagt gut für die Erfüllung ? Wüßte ich nur darüber hinaus , daß sie irre an mir werden , daß sie mich aufgeben konnte ! Ist denn die Liebe nicht die Wahrheit , und lehrt sie nicht wahr sein ? Ach ! so still wie ein Lamm schlich sie sich abwärts , und wollte verloren heißen , damit ich ihr nur nicht begegne , und ihr Anblick mich nicht störe . Sage , ich bitte Dich , ist das nicht dennoch Liebe ? O ! hättest Du sie gesehen , das liebe , sanfte , blasse Leidensgesicht , und immer , immer schön wie der Friede . Ich will Dir etwas sagen - doch Nein ! Du verstehst mich nicht . Es versteht Keiner den Andern ! Ich werde sie noch um eine Unterredung in ihrem Kloster bitten . Hier , in dem nahegelegenen Waldkloster , wo man sie begraben sagte , da begrub sie sich auch . Da nahm sie den Schleier . Unselige Bethörung ! Sie soll mir sagen , was kein Anderer weiß , was sie nur , oder Niemand beantworten kann , warum - ! O weg ! weg ! tolle , rasende Gedanken . Wäre sie auch eitel , und hätte sie sich selbst einen Triumph bereitet ? Abscheulich ! Die Welt ekelt mich an . Ueberall nur das Echo-Wort - Ich ! Ich ! und sonst hohler Schall ! Ich komme von ihr ! Unaussprechlich ! ich sage Dir , Heinrich ! unaussprechlich ist der Zauber ihrer sanften Nähe . Wie der Hauch von einem Blumenbeet , im Thau der Abendwolken , so süße Thränen perlten auf den lilienblassen Wangen . Und doch hat sie sich von mir losgesagt ! und doch hat sie das eiserne Gitter zwischen sich und mir aufgezogen ! Dahinter steht sie , und unerreichbar ! unerreichbar ! Was das für ein entsetzliches Wort ist . Ich fürchte , ich fürchte - ! Was denn ? Was soll noch kommen ? Siehst Du , das ist es ! Es ist alles aus ! Die Oberhofmeisterin an den Comthur Das Geheimniß ist also entdeckt ! Es kam , wie ich immer fürchtete . Sie hat sich zuletzt selbst verrathen . Sein Leben durfte nicht auf dem Spiel stehen . Daran scheiterte ihre geträumte Festigkeit . Jetzt ist das ganze Phantom in Nichts aufgelöst , und die nüchterne Wahrheit bringt Alle außer Fassung . Auch Sie , Ihr Gefühl , sagen Sie mir , empört sich gegen das gewagte Spiel mißverstandener Selbstverleugnung . Sie fragen mich , wie ich jemals darein