Möglichkeit zu zittern begann , daß er , den ich nie wieder zu lassen sehnlichst wünschte , vielleicht auf der Rückreise wäre , nach Deutschland , zu Ihnen - Gabriele , zu Ihnen ! Doch meine Furcht war vergebens , das zeigte sich bald . Ein bedeutendes Geschäft , das er für einen Freund hier abzumachen versprach , hatte ihn nach Mailand geführt ; es war jetzt vollendet und er im Begriffe nach Florenz zu gehen , wo er den größten Theil des Sommers zu verleben gedachte . Nun habe ich mir ihn gewonnen . Ich habe mich fest an ihn geklammert , und er stößt mich nicht zurück , denn Gabrielens Name ist der Talisman , der ihn mir verbindet . Langsam will er mit mir noch einmal Italien durchziehen , vielleicht wandern wir bis Syrakus ehe er mir Rom zeigt . Wahrscheinlich komme ich erst im folgenden Jahre dorthin , gegen die Zeit der großen kirchlichen Feste , welche die Ostertage herbeiführen . So habe ich denn wieder eine Bestimmung , der ich entgegen gehe . Ernesto leitet mich wie er will , er nimmt meiner sich an , weil ich von Ihnen gesendet ihm scheine . Er hängt an Ihnen mit Jünglingsfeuer und somit auch an allem , was nur auf die entfernteste Weise Ihnen angehört . Wie besorgt ist er um Ihr Wohl ! So wie die seine , denke ich mir die Liebe eines Schutzgeistes . Er ist ein seltner Mensch , aber trüge er auch keine Spur seines hohen , ungewöhnlichen Werthes , so müßte ich dennoch seinen Schritten folgen , denn ich kann mit ihm von Gabrielen sprechen und fürchte weder Hohn noch Mißverstehen . « Aus Florenz . » Nun weiß ich , wie es dem Schweizer ist , den , fern vom geliebten Vaterlande , ein Ton aus seinen heimathlichen Bergen traf und alle Qualen des Heimwehs über ihn rief ! Ich stand an Ernestos Seite im Garten des Pallastes Boboli , oben auf der höchsten Terrasse . Die Sonne ging unter ; als wäre der Aetna umgestürzt und schütte alle seine Gluthen aus , so flammte es in Westen und zwischen diesem Abendgolde und dem Aetherblau prangte der Horizont im herrlichsten durchsichtigen Grün , wie ich noch nie es sah . Die fernen Appeninen glühten dunkel-violet zu uns herüber , zu unsern Füßen glänzte die Stadt , das Schloß , der Garten und das ganze reiche herrliche Thal , welches der Arno durchströmt , alles wie verklärt im Lichte der brennenden Himmelspracht . Nur einen solchen Abend hier an Ihrer Seite ! ich konnte den Wunsch dem Freunde nicht verhehlen , er theilte ihn mit mir , und ein liebes beruhigendes Gespräch , das nach Schloß Aarheim uns versetzte , hatte sich zwischen uns beiden entsponnen , als plötzlich der Ton Ihrer Stimme , Ihrer Stimme , Gabriele , mein Ohr traf . Was ich rief , was ich that , weiß ich nicht , nur daß Ernesto mich beim Arm ergriff und sehr ernst mich zur Ruhe ermahnte . Dieß brachte mich wieder in leidliche äußre Fassung , obgleich ich seine Worte nur halb verstand . Eine Gesellschaft Herren und Damen , lustwandelnd wie wir , näherte sich uns vom Pavillon her unter lautem Lachen und Gespräch , und immer tönte noch der Klang der süßen Stimme in ihrer Mitte . Ich zitterte , und als ich aufmerksamer hinblickte , glaubte ich zu vergehen . Sie waren es , Sie selbst , Gabriele , Sie traten hervor , Sie eilten auf uns zu . Signor Ernesto ! riefen Sie in so bekanntem Ton ! und doch waren Sie es nicht . Nein ! wo hatte ich meine Augen gehabt ? Sobald man die Gestalt genauer betrachtete , war außer dem Ton der Sprache kein Zug von Aehnlichkeit zwischen Ihnen und der blendendschönen Frau , die jetzt dicht vor mir stand . Diese dunkle Lockenpracht , dieß weitgeöffnete hohe blaue Auge voller Blitze , wie verschieden von der lichten Strahlenglorie , die Gabrielens schönes Haupt umwallt , von dem sanften Mondlicht der frommen braunen Augen , die , gleich lieben freundlichen Sternen , süßberuhigend uns leuchten ? Und dennoch hatte diese Ihnen so ganz entfremdete Erscheinung auch etwas in ihren Bewegungen , dem ich unverwendeten Blicks zusehen mußte , weil es eben wie der Ton ihrer Stimme mir Gabrielen vor die Sinne zauberte . Es zog mich an und stieß mich zurück , entzückte und betrübte mich , hundertmal in wenigen Minuten . Nachdem die Dame ziemlich lange mit Ernesto geplaudert , und ich weiß nicht , welche Vernachlässigungen ihm mit scherzhaftem Tone vorgeworfen hatte , wandte sie den fragenden Blick mir zu und Ernesto konnte es nun nicht vermeiden , mich ihr vorzustellen . Er that es mit einer Art von Verlegenheit , die ich bis jetzt noch nie an ihm bemerkt hatte und ich mir nicht zu erklären weiß . Nach italienischer Sitte nannte er sie mir nur Signora Aurelia und erst da wir wieder allein waren , erfuhr ich , daß sie die Tochter der Gräfin Rosenberg und Ihnen nahe verwandt sey . So war mir denn der Zauber der Aehnlichkeit zwischen ihnen beiden durch dieses Familienband erklärt . Ihre Kusine ist im Begriffe , mit einer englischen Familie eine Reise nach Griechenland anzutreten , weil ihr in Italien das Klima nicht zusagt . Ihr Gemahl lebt in Rom . » Haben Sie ihn jemals gesehen ? Ernesto vermeidet von ihm zu sprechen ; es muß eine eigne Bewandtniß mit diesem Menschen haben . « » Was Ernesto durch Gründe , Bitten , Zureden nicht erhalten konnte , hat Aurelia ohne ein Wort darüber zu verlieren bewirkt . Ich gehe wieder in die Welt , die ich ewig meiden wollte , besuche Soiréen , Akademien , Konversaziones ; denn nur da kann ich ungestört in irgend einem Winkel sitzend , mich mit verschloßnen Augen der süßesten Täuschung hingeben , während Aurelia zu den Andern spricht . Ihr