im Bette , daß sie sein Erwachen ahnen , sich aufraffen und zu ihm setzen konnte ; dann blieb er noch einige Minuten ruhig , ehe er sich aufrichtete und nach alter Gewohnheit , als wisse er von nichts , sein Frühstück begehrte . » Nun « , sagte er , » bist du noch nicht mit deinem Bilde zufrieden ? ich sehe , du hast es mit einem Blumenkranz umfaßt . « » Ach Herr « , sagte sie , » wenn das Bild nur mit mir zufrieden ist , ich habe solche Angst davor ; was ich tue und denke , immer meine ich , es möchte dadurch im Schlafe gestört werden ; ich habe eine große Angst , daß ich ihm nicht gut genug bin ; wie müßt Ihr herrlich sein , daß so etwas Eurer Hände Werk , weniger Stunden Fleiß ist . « Anton lachte : » Liebes Kind , wenn du so viel Schläge darum bekommen hättest wie ich , du maltest eben so gut , hast du denn gar nichts gelernt ? « - SUSANNA : » Ich war zu allem , was sie mir beibringen wollten , zu ungeschickt ; ich sollte singen , aber wenn es auch unter uns gegangen war , so blieben mir doch die Worte in der Kehle wie ein Vogel an der Leimrute stecken , wenn ich nun mit einem Kranze oder mit einem Becher heraustreten sollte , die Vorüberziehenden zu grüßen und in das Haus zu locken . « - ANTON : » Kannst du wohl vor mir singen , liebes Kind , Sing etwas , mir ist wüst im Kopfe von der närrischen Nacht . « - SUSANNA : » Wenn Euch mein Gesang nur gefallen wird , gern will ich ' s versuchen . « Sie ging hierauf im Zimmer umher , fing leise an , bald von Küssen , bald von Rittern zu singen , wie sie in dem Frauenhause unter üppigen Buhlenliedern aufgewachsen war , aber so leise , daß Anton kaum einzelne Worte hervorschimmern sah , denn kaum hatte sie eins ausgesprochen , so schämte sie sich davor . Erst dreizehn Sommer zählt die Kleine , Da strich sie durch den grünen Wald Und sang in seinem Dämmerscheine Ein Lied , das durch die Wipfel schallt . Und von den Wipfeln steigt es nieder Wie Sonnenstrahl , wie Morgentau , Es wird so eng ihr rotes Mieder Im Paradies der grünen Au . Ich trete leise auf die Strahlen , Die in dem Grase sich ergehn Und es mit Blumen lieblich malen ; Wird mir denn auch also geschehn ? Es ist ein Frühling wie noch keiner , Der Atem bebend mir beginnt ; Es sind die Blumen so viel kleiner Und sind doch alle hell gesinnt . O Frühlingsliebe , zarte Blume , Du süße Angst im reinen Sinn ; Im Busen , ihrem Heiligtume , Versteckt sie scheu ihr freies Kinn . Und als sie aufblickt , ist verklungen Das Lied im freudberauschten Wald , Sie fühlt sich fremd den frohen Zungen , Wovon ein jeder Baum erschallt . Anton hatte ihr selig zugesehen ; die Angst gab ihrer Stimme ein Leben der Vollendung , er streckte sich auf sein Bette und sang ihr nach : Dies Liedchen drängte sich zu Ohren , Die zärtlich lauschten in dem Gras , Dies Lied ist nimmermehr verloren , Wenn sie es gleich recht bald vergaß . In süßer Angst ist es geboren , Verstoßen in die Einsamkeit , Ich nahm es auf in meinen Ohren , In meines Herzens Sittsamkeit . Ich weiß es mir mit Lust zu deuten ; Es suchet , was es noch nicht kennt , Es suchet in den blauen Weiten , Was ihm so nah im Jagdschloß brennt . Fühlst du der Liebe Ahnung nimmer ? Im Dämmerschein , im grünen Wald , Da suchet dich der Liebe Schimmer , Und ihre Sonne scheint dir bald . » Wie meint Ihr das ? « fragte Susanna , und Anton stockte ; er wußte nicht , was er sprechen sollte , er hatte sich so in angenehmer Bequemlichkeit gehen lassen ; er sah sie jetzt verlegen an , sie wurde rot und ging zur Türe hinaus . Nach einiger Zeit kam sie ängstlich zur Tür herein : » Herr « , rief sie leise , » er ist da ! « » Wer ? « fragte Anton , » hast du einen Geist gesehen ? meines Vaters Geist ? « » Nein , der Seger « , sagte sie leise und legte den Finger auf die Lippen , » er hat das Vieh weggetrieben , Ihr könnt ihn noch sehen , da geht er am Walde . « Bei diesen Worten erwachte eine Wut in Anton , sich an diesem seinem Verderber zu rächen , der ihn der väterlichen Liebe entführt hatte ; er griff nach einem Jagdgewehre seines Vaters , das an der Wand hing , achtete nicht seines Übels , sprang ans Fenster , sah Segers hagere Gestalt deutlich bei der Herde und - schoß auf ihn ; im Augenblicke vergingen ihm die Sinne . Die Aufwallung war vorüber , er seufzte : » Es wird ihm sein Recht geschehen , aber ich wollte doch , es wäre alles nicht wahr ; es war doch Fabian , den ich hier in meiner Kindheit so oft mit Bewunderung betrachtet habe ; ohne den schändlichen Niklas , seinen Vater , hätte wohl etwas aus ihm werden können , das ist nun alles aus , sein Dasein mißt die Länge seines Leibes , und um mein Leben könnte ich ihn nicht wieder zum Reden und Gehen , zum Essen und Trinken bringen . « Susanna , die ihn also traurig sah , seiner eignen Schmerzen uneingedenk , nur den undankbaren Freund bejammernd , bat ihn , daß sie hinuntergehen und ihn ansehen dürfe , ob seine Wunde zu heilen ; Anton nickte mit dem Kopfe , sie öffnete