mit mir . - » Gott , wie werde ich alt , « sagte sie einmal , » schon wieder jemand , der mir bekannt scheint , und ich weiß gar nicht , wo ich Sie zum erstenmale gesehen habe . « » Es war am Abend , Madame ; war es nicht in der Dämmerung , begegneten wir uns nicht zu Pferde am Rhein ? « » Sie haben ganz recht , seien Sie mir willkommen . « - Dann küßte sie mich freundlich , ich schien wieder so ernsthaft als das erstemal , und sie bekehrte mich wieder sehr emsig . Violette war immer stiller geworden in der letzten Zeit , und schien sich mit einer schmerzlichen Zuneigung an mich zu hängen . Das Mädchen machte mir bange und jetzt , da ich meine ganze damalige Lage ruhig übersehe , bemerke ich mit Scham und Reue , warum ich diese Bangigkeit zu vermeiden suchte . - Violette mochte sein , wie sie wollte , war nicht der erste Abend im Schlosse , und meine Unterhaltung mit ihr , das einzige , auf das ich mit reiner Freude zurücksehen konnte ? - Wie hatte sich die Jungfrau in ihrem Streite mit der Lust mit ihrem Reinsten in mich gerettet , und was versprach ich ihr , das ich ihr nicht hielt ! - Die Gräfin mochte sein , wie sie wollte , aber mit ihrem Kinde zusammen war sie schlecht . - Das Leben eines genialischen Menschen kann aus sich selbst hervorgeführt , mit eigner Kraft verteidigt und durchgesetzt , ein gutes selbstgedeihliches Leben sein , denn es ist das Leben der Eigentümlichkeit , aber die Jugend kann sich an ihm nicht entwickeln ; sie ist eine Allgemeinheit , und muß an dem Frühling und nicht am Menschen hervorwachsen ; denn das letztere heißt der Psyche die Flügel auseinanderzupfen , oder ihr mit einem künstlichen Lichte die Sonne ersetzen wollen , ohne die Rücksicht , daß sie hineinfliegt und stirbt . - Brachte ich Violetten nicht zur völligen Uneinigkeit mit sich , indem mein Verhältnis mit ihrer Mutter immer ihrer unschuldigen Neigung zu mir entgegentrat ? - Ich konnte in der letzten Woche gar nicht mehr offen mit ihr reden , denn ich bemerkte , daß sie stets verlegener ward , wenn ihre Mutter in ihrer Gegenwart mit mir vertraulich war . - Diese Empfindung war es , die zu meinen Spazierritten mitwirkte , und ich wünschte sogar einigemal , wieder zu Hause zu sein . Das letztemal , da ich ausritt , nahm ich meinen Weg nach einem der schönsten Punkte am Rheine , dem Ostein , einem schönen Lustschlosse auf dem Niederwald , einem hohen Berge , dem Städtchen Bingen gegenüber ; dieser Berg macht den Winkel , um den sich hier der Rhein scharf herumwendet . Der Besitzer des Schlosses war nicht gegenwärtig , und obschon ich den Mann zu kennen wünschte , der eine solche Anlage bloß zu seinem Vergnügen machen durfte , war es mir lieb , daß er nicht hier war . Ich hätte ihn hier meines Dankes ohne einigen Neid nicht versichern können . So tröstete ich mich und dachte , er habe dieses Werk vollbracht , wie jeder , wenn er es gleich nicht weiß , durch irgend etwas ein höchst wichtiger Mensch ist , so daß ich mir hieraus die Ursache erkläre , warum die Worte : Es war ja ein gemeiner Mensch , keinen Totschlag entschuldigen . Diese Wichtigkeit des Lebendigen ist mir der einzige Grund irgend eines Rechtes , so wie mir der einzige Grund der Moral ist , daß der Mensch aus den Augen heraussieht , daß er ein Repräsentant des Lebens ist . - Doch ich kehre zurück . - Das kleine Lustschloß ist ein wahres Lustschloß , denn es ist voll lustiger Einrichtungen , voll geheimer Türen , verborgner Treppen und doppelter Wände ; man kann darin herumirren , wie ein verwünschter Prinz , und ich finde diese luftige , scherzende Gattung von Bauart hier recht angebracht , denn es würde in jedem Falle eine Stümperei geworden sein , hätte man hier ein gediegenes Gebäude hersetzen wollen , wo selbst kaum des Menschen Herz sich erhalten kann , gegen die vollen reichen Ansichten der Natur . Wo die Architektur der Natur so erhaben ist , zwischen den Massen der Felsen , den Ergüssen der Aussichten , den brausenden Wäldern hätte nicht leicht ein Gebäude stehen können , ohne plump und mühselig auszusehen , das im mindesten affektieren konnte , als wolle es etwas bedeuten . Ja ich glaube , es ist ein äußerst trotziger , melancholisch hoffärtiger Gedanke , auf solchen herrlichen Gesichtspunkten der größten und reichsten Natur , die durch unendliche mannigfaltige Freiheit harmonische Unordnung der Aussicht mit einer prahlend wichtigen Bausymmetrie äffen zu wollen , die in solcher Zusammenstellung nur unverdaute Mathematik an der Stirne trägt . Ein leichtes luftiges Freudengezelt müßte hier aufgeschlagen werden , ein ergötzlicher Feenpalast , voll Mutwill und koquetter Mädchenhaftigkeit , doch ohne Prüderie und Sittenpedanterei , - und so ist es hier ; man möchte sich umsehen , wo die fröhliche Gesellschaft geblieben ist , die hier in voller fürstlicher Freude , mit Maitressen , Haiducken , Laufern , Opernmädchen und einem witzigen Hofnarren , gehaust hat . - Wo ist die junge etwas schmachtende Gräfin , die hier an den militairisch schönen Prinzen denkt ? - wo ist der muntere Dichter , der hier Singspiele dichtet , und Elegien schreibt , weil er in die junge Gräfin verliebt ist ? - Ich wandelte durch die Stuben mit großen Spiegeln in buntgemalten Bretterwänden - verirrte mich auf den kleinen Treppen von Boudoir zu Boudoir ; in den Weiberstuben berührte ich mit Herzklopfen umherliegende Kleinigkeiten , zerrissene Liebesbriefchen , Locken , und gemachte Blumen , welche die holden leichten Wesen von Frühling zu Frühling , wie den bunten Staub der Schmetterlingsflügel , abstreifen . - Und verzeihen Sie - aber es ist nicht anders - wenn ich es