unsre Töpfer und Bildner gewisse zwischen der Kugel und dem Ei mehr oder weniger in der Mitte schwebende Formen als die schönste zu Urnen und Prachtgefäßen wählen . Was ich von Licht und Schatten , Farben und Linien als den Elementen des sichtbaren Schönen gesagt habe , gilt in seiner Art auch von den verschiedenen Schwingungen der Luft , wodurch der Schall in unserm Ohr und vermittelst dieses Organs in unserm innern Sinne gewisse angenehme Gefühle erregt ; von dem majestätischen Rollen des Donners bis zum leisen Geflüster der Pappel und Birke ; vom klappernden Tosen eines entfernten Wasserfalls , bis zum einschläfernden Murmeln einer über glatte Kiesel hin rieselnden Quelle ; vom fröhlichen Geschwirr der Lerche bis zum eintönigen Klingklang der Cicade . Alle diese einfachern Schälle und Töne , durch welche die Natur unser Ohr als ein zu ihr stimmendes lebendiges Saiteninstrument anspricht , betrachte ich als die Elemente des hörbaren Schönen , welches , gleich dem sichtbaren , in der Mitte zwischen zwei Aeußersten schwebt , und also eben demselben Gesetz unterworfen ist , wodurch die dem Auge gefälligen Töne des Lichts und der Farben , und die dem Gefühle schmeichelnden Formen der Körper bestimmt werden , dem Gesetze der Harmonie der sinnlichen Eindrücke von außen mit der Einrichtung der ihnen entsprechenden Organe . Wiewohl ich nun diese angenehmen Empfindungen , wovon bisher die Rede war , als die Elemente betrachte , woraus alles sichtbare , hörbare und fühlbare Schöne zusammengesetzt ist ; so würden sie uns doch , jede für sich allein , nie auf den Begriff der Schönheit geführt haben . Denn wie lebhaft auch die angenehme Empfindung seyn mag , die z.B. durch eine gewisse Farbe oder einen gewissen einzelnen Ton in uns erregt wird ; so würde doch eine lange Dauer derselben unser Auge oder Ohr ermüden , und uns erst gleichgültig , dann langweilig , endlich widrig und unerträglich werden . Verschiedenheit und öftere Abwechselung der angenehmen Eindrücke sind sowohl zum Vergnügen als zur Erhaltung der Organe gleich nothwendig : aber im Verschiedenen muß Aehnlichkeit seyn , die Abwechselung durch sanfte Uebergänge bewirkt werden , und das Mannichfaltige , von Harmonie zusammengefaßt , zu einem Ganzen , dessen Totaleindruck uns angenehm ist , verschmolzen werden ; und dieß allein ist es , was die Idee der Schönheit in uns erzeugt . Lass ' uns nun einen höhern Standort nehmen . Die Natur ist alles was ist , war , und seyn wird , also auch die Quelle , so wie die Summe alles Schönen . Wär ' es möglich einen Augenpunkt zu finden , aus welchem sich die ganze Natur mit Einem Blick von uns überschauen ließe , so würden wir das wahre Urbild alles Schönen in der Wirklichkeit vor uns sehen . Aber unser Auge ist auf ein enges Hemisphärion eingeschränkt , und die Natur unermeßlich . Was sie unsern Sinnen darstellt , sind nur unendlich kleine Abschnitte und Bruchstücke eines gränzenlosen Ganzen . Aber das Wundervolle und Göttliche in ihr , das , wodurch sie sich so unendlich weit über die Kunst des Menschen erhebt , ist , daß jedes der kleinsten Gliedmaßen , aus welchen sie zu einem einzigen leben- und seelenvollen Körper innigst verwebt ist , eine Welt voll harmonischer Mannichfaltigkeit , eine unendliche Menge von organisirten Theilen enthält , deren jeder wieder als ein neues Ganzes betrachtet werden könnte , wenn die Werkzeuge unsrer Sinne fein und scharf genug wären , die besondern Eindrücke , die er auf uns macht , zu unterscheiden . Hier verliert sich der Gedanke in einem uferlosen Ocean , und uns bleibt nichts übrig , als uns wieder in die Schranken unsrer eigenen Natur zurückzuziehen , und , dem Gesetz der Nothwendigkeit gehorchend , uns selbst ( so klein wir sind ) als den Kanon der Natur , unser Empfindungsvermögen als das Maß ihrer Schönheit , und unsre Kunstfähigkeit als eine schaffende Macht zu betrachten , welche berechtigt ist , den uns überlass ' nen Erdschollen , unsre Welt , nach unsern eigenen Bedürfnissen , Zwecken und Begriffen zu bearbeiten , und in ein beschränktes Ganzes für uns zu unserm Nutzen und Vergnügen umzuschaffen . Daher kommt es nun , daß wir die Natur nur insofern schön finden , als das Schauspiel , womit sie uns umgibt , oder der einzelne Gegenstand , den wir daraus absondern , und für sich betrachten , unsern Sinnen angenehm ist . Eben dieselbe Landschaft , die uns bei heiterem Himmel unter einem gewissen Winkel von der Sonne beleuchtet , in Entzücken setzt , gibt bei trüber Luft einen sehr gleichgültigen Anblick ; eben dieselben Gegenstände , z.B. ein sumpfiger Boden , umgestürzte , ausgefaulte Baumstämme , schroffe mit schmutzigem Moose bewachsne Felsenstücke , tiefe finstre Höhlen , wildes struppichtes Gebüsche , - lauter Dinge die uns einzeln und in der Nähe betrachtet . Unlust , Ekel und Grauen erregen , erscheinen aus einem entfernten Gesichtspunkt , und durch eine gewisse Beleuchtung in ein Ganzes verbunden , als ein reizendes Gemälde . Vorzüglich aber erklärt sich daher , daß der Mensch keine schönere Gestalt kennt als seine eigene , und sich selbst , ohne sich dessen bewußt zu seyn , zum Typen aller schönen Formen macht . Da alles was die Natur hervorbringt , in seiner Art vollendet und vollkommen ist , wie käme der Krokodil oder die Kröte dazu , daß wir sie so häßlich und abscheulich finden , wenn nicht daher , weil der Contrast ihrer Bildung und Gestalt mit der unsrigen so ungeheuer groß ist ; da wir hingegen alle Arten von Thieren desto schöner finden , und um so viel mehr Anmuthung zu ihnen fühlen , je mehr die Formen und Proportionen ihrer Bildung sich den unsrigen nähern ; eine Bemerkung , die du sogar an solchen Naturgeschöpfen , welche die wenigste Aehnlichkeit mit uns zu haben scheinen , an Blumen , Stauden und Bäumen , bestätigt finden wirst , und wovon der Affe allein eine Ausnahme macht , weil er ,