dieweil sie verblühen für die anderen . Ich weiß , das Volk von München grollt mit seinen Herren um der schweren Steuer willen und ist müde des Fechtens . Mir waren die Münchener immer gut . Weil sie gesunde Menschen sind , lieben sie das Starke und Frohe . Sie werden zu mir stehen , sobald der Wessenacker die erste Mauer niederstößt . Das soll geschehen am Tage vor Matthäi . Mein Heiliger , Gleslin , mein Heiliger ! Der hält zu mir ! « Dem gewalttätigen Strom dieser Worte stand Gleslin hilflos gegenüber . Mit Tränen in den Augen , keines Wortes mächtig , faßte er den durch die rote Sonne schreitenden Fürsten am Sammetärmel . Diese körperliche Berührung schien Herr Ludwig übel zu vermerken . Doch rasch bezwang er den aufsteigenden Jähzorn , sah den erschrockenen Greis freundlich an und sagte heiter : » Aber Gleslin ! Sei doch nicht wie ein feuchtes Mädel ! Du ! Ein Mann in trockenen Jahren ! « Er wurde ernst . » Und jetzt ein Ende ! Ich hab ' s gesagt . Es wird geschehen . « Vom Blutglanz des Abends umwoben , trat er zum Erker hin . » Nachtigall ! Spiel ! mir das frohe Liedchen , das ich liebe ! Heut soll es mir singen von meinem erneuten Glück . « Ein feines , gaukelndes Saitengezwitscher . Und während Gleslin auf einen Sessel hinsank und die schwachgewordenen Knie zittern ließ , stand Herzog Ludwig hoch und straff an die Mauerkante des Erkers gelehnt und sah unter gläubigen Träumen hinaus in das rote Feuer des versinkenden Tages . Noch in der Nacht begann das fieberhafte Rüsten . Unter den Lehensleuten wurde die Rede ausgegeben , Herzog Ludwig , um den deutschen König zu versöhnen , erfülle einen frommen Wunsch des Gesalbten und rüste einen Heerhaufen wider die böhmischen Ketzer , die in drohenden Schwärmen gegen die Ostgrenze der fränkischen Lande herandrängten . - Eines Tages - der nicht kühl war , sondern eine brennende Sonne über den wolkenlosen Himmel heraufschickte - zog Prinz Höckerlein zur Flugjagd aus , auf der Faust den empfindlichen Sperber , der schon am Morgen vor Hitze schmachtete . Sieben Falkner , denen Herr Ludwig die Jagdpferde versagt hatte , begleiteten den Prinzen als unberittene Jagdgesellen . Und zur Bewachung des Honigwurmes ritten auf guten Gäulen sechs rote Einrösser mit aus , unter Führung des getreuen Nachtigall . Der saß auf einem von des Herzogs flinksten Jagdrossen und trug nicht wie sonst die Laute , sondern war gepanzert und hatte eine scharfschießende Armbrust . Lange vor Abend kam die Jagdtruppe des Prinzen , der in grimmiger Laune zu sein schien , in das Schloß zurück . Der Herzog , als er den Zug erscheinen sah , wurde stutzig . Die Jäger brachten keinen Reiher , auf der Faust des Prinzen fehlte der Sperber , einer von den Falknern war verschwunden , und Peter Nachtigall , der um sein Pferd gekommen , wanderte sorgenvoll hinter den sechs Einrössern einher , die den Prinzen umgaben . Auf der Treppe trat Ludwig dem Sohn entgegen . Der fing beim Anblick des Vaters zu weinen und zu schreien an , beschuldigte den Nachtigall des heimtückischen Mordes an seinem Sperber und forderte als Sühne , daß man dem Missetäter die Hände vom Leib herunterhacke . Der Lautenspieler stammelte : » Gnädigster Herr , ich bin unschuldig . « Da wurde der Bucklige von solchem Jähzorn befallen , daß er Krämpfe bekam , sich in gräßlichen Zuckungen auf dem Boden wälzte und unter gellendem Geschrei mit den Fäusten gegen den Kämmerer Wolfl Graumann und gegen die Lakaien losschlug , die ihn zu seiner Stube trugen . In den Augen des Herzogs funkelte das Mißtrauen . Er wußte , daß der Honigwurm dieses üble Leiden auch sehr geschickt zu spielen verstand , um einer unbequemen Zwiesprache mit dem Vater zu entrinnen . Stumm klammerte Herr Ludwig die Faust um den Arm des Lautenspielers , zog ihn zu einem Fenster hin und sah ihm forschend in das erblaßte Gesicht . » Rede ! Was war da ? « » Herr , ich bin unschuldig - « Der Herzog schrie : » Du sollst mir sagen , was geschehen ist . « » Der Sperber hat wegen der Hitze den Flug verweigert . Wir sind im Wald gelegen , um den kühleren Abend herzuwarten . Der Sperber hat arg geschmachtet . Und weil der gnädigste Prinz sich grob um den edlen Vogel gesorgt hat , hab ich gemeint , man müßte dem Sperber ein Bad geben . Ich selber hab in meiner Eisenschaller das Wasser geholt . Aber mich hat der gnädigste Prinz dem Vogel nit in die Näh gelassen . « » So ? « » Der Falkner Laitzinger , des Prinzen Liebling , hat den Sperber baden müssen . Und da ist geschehen , ich weiß nit , was . Eh man ein Vaterunser hätt beten können , ist der Vogel umgestanden . Und der gnädigste Prinz , in der ersten Wut , haut mit den Fäusten auf den Laitzinger los . Der will entrinnen . Da zieht der gnädigste Prinz das Waidmesser und will den Buben niederstechen . Und der , mit Geschrei , auf meinen Gaul hinauf ! « » Auf deinen Gaul ? Auf den besten ? « » Wohl , Herr ! Und davon wie der Teufel ! « » Und du ? « » Ich spring nach meiner Armbrust . Aber da hat schon der gnädigste Prinz mein Schießzeug in Händen - « » Und fehlt den Buben ? Mit jedem Bolz , der in deinem Leder war ? Nicht ? Nicht ? Nicht ? « Herr Ludwig lachte in Zorn . » Wohl , gnädigster Fürst ! « Der blasse Lautenspieler machte erstaunte Augen . » Sechsmal hat er daneben geschossen - « » Sechsmal einen Gaul und Reiter fehlen ? Der ? Und schießt den Spatzen vom Dach herunter , den Fasanengockel aus der