an zu delirieren . Quandt war entschlossen , an das Delirium nicht zu glauben . Als Caspar aus dem Bett springen wollte , schrie er ihn an : » Machen Sie nicht solche widerlichen Umstände , Hauser ! Gehen Sie schleunigst in Ihr Bett zurück . « Der Pfarrer Fuhrmann trat gerade in das Zimmer und hörte dies . » Aber Quandt ! Quandt ! « sagte er entsetzt . » Ein wenig Milde , Quandt , im Namen unsrer Religion . « » Oh , « versetzte Quandt kopfschüttelnd , » Milde ist hier schlecht angebracht . In Nürnberg , wo er doch auch so eine verworfene Komödie aufgeführt hat , gebärdete er sich genauso , und ich habe mir sagen lassen müssen , daß er dabei von zwei Männern ist gehalten worden . Was mich betrifft , ich lasse mir so ein Schauspiel nicht bieten . « Frau von Imhoff hatte eine Pflegerin vom Krankenhaus geschickt , die über Nacht an Caspars Lager wachte . Er schlummerte zwei bis drei Stunden . Schon früh am Morgen erschien eine Gerichtskommission . Caspar war bei klarem Bewußtsein . Vom Untersuchungsrichter aufgefordert , erzählte er , ein fremder Herr habe ihn zum artesischen Brunnen in den Hofgarten bestellt . » Zu welchem Zweck bestellt ? « » Das weiß ich nicht . « » Er hat darüber gar nichts gesagt ? « » Doch ; er hat gesagt , man könnte die Tonarten des Brunnens besichtigen . « » Und daraufhin sind Sie ihm schon gefolgt ? Wie sah er aus ? « Caspar gab eine kurze , abgerissen gelallte Beschreibung und der Art , wie ihn der Fremde gestochen . Sonst war nichts aus ihm herauszubringen . Es wurde nach Zeugen gefahndet . Es stellten sich Zeugen . Zu spät für die Verfolgung des Täters . Schon die erste Anzeige war , durch die Mitschuld Quandts , unverantwortlich verzögert worden . Als man die am Ort des Verbrechens befindlichen Blutspuren untersuchen wollte , ergab es sich , daß inzwischen schon zu viele Menschen dagewesen waren und den Schnee zertreten hatten . Aus einem so wichtigen Umstand Nutzen zu ziehen mußte also von vornherein verzichtet werden . Zeugen fanden sich genug . Die Zirkelwirtin in der Rosengasse bekundete , gegen zwei Uhr sei ein Mann in ihr Haus gekommen , den sie nie zuvor gesehen , und habe gefragt , wann ein Retour nach Nördlingen gehe . Der Mann war ungefähr fünfunddreißig Jahre alt gewesen , von mittlerer Größe , bräunlicher Hautfarbe und mit Blatternarben im Gesicht . Er habe einen blauen Mantel mit Pelzkragen , einen runden schwarzen Hut , grüne Pantalons und Stiefel mit gelben Schraubsporen getragen . In der Hand hielt er eine Reitgerte . Er habe nur fünf Minuten geweilt und ganz wenig gesprochen ; auffallend sei es gewesen , daß er nicht sagen gewollt , wo er logierte . So beschrieb auch der Assessor Donner einen Mann , den er um drei Uhr im Hofgarten neben der Lindenallee gesehen , und zwar in Gesellschaft von zwei andern Männern , die der Assessor jedoch nicht betrachtet hatte . Ein Spiegelarbeiter namens Leich ging ein paar Minuten vor vier Uhr von seiner Wohnung auf dem neuen Weg durch die Poststraße auf die Promenade und von da über den Schloßplatz . Er sah vom Schloß her zwei Männer über die Gasse schreiten und , die Reitbahn zur Linken lassend , zum Hofgarten gehen . Er erkannte in dem einen von ihnen Caspar Hauser . Als die beiden zum Laternenpfahl am Eck der Reitbahn kamen , wandte sich Caspar Hauser um und blickte den Schloßplatz hinauf , so daß ihn der Beobachter noch einmal und genau hatte sehen können . Bei den Schranken blieb der Fremde stehen , um Hauser mit höflicher Gebärde den Vortritt zu lassen . Der Arbeiter dachte für sich : wie doch die Herren bei solchem Sturm und Schnee spazierengehen mögen . » Drei Viertelstunden später , « erzählte der Mann , » als ich von einer Besorgung beim Büttner Pfaffenberger zurückkam , standen auf dem Schloßplatz viele Leute , die jammerten und sagten , der Hauser sei im Hofgarten erstochen worden . « Und weiter . Ein Gärtnergehilfe , der in der Orangerie beschäftigt ist , hört gegen vier Uhr Stimmen . Er blickt zum Fenster hinaus und sieht einen Mann im Mantel vorüberlaufen . Der Mann läuft einen guten Trab . Die Stimmen sind etwa einen Büchsenschuß weit vom Orangeriehaus entfernt gewesen , nicht so weit , wie das Uzsche Denkmal ist . Es waren zweierlei Stimmen , eine Baß und eine helle Stimme . Neben der Weidenmühle wohnt eine Näherin . Ihr Fenster geht auf den Hofgarten ; sie sieht bis in die zwei gegen den hölzernen Tempel zu führenden Alleen . Bei beginnender Dämmerung gewahrt sie den Mann im Mantel ; er tritt aus dem neuen Gittertor und steigt am Abhang der Rezatwiese hinab . Er stutzt , als er vor dem hochgeschwollenen Wasser steht . Er kehrt um und wendet sich gegen die Stäffelchen an der Mühle , geht über den Steg auf der Eiberstraße und verschwindet . Die Frau hat von seinem Gesicht nur einen schräglaufenden schwarzen Bart wahrnehmen können . Es meldet sich auch der Schreiber Dillmann zu einer Aussage . Die unverbrüchliche Gewohnheit des alten Kanzlisten ist es , jeden Nachmittag , wie das Wetter auch beschaffen ist , zwei Stunden lang im Hofgarten zu promenieren . Er hat Caspar und den Fremdengesehen . Er versichert aber , nicht vorangegangen sei Caspar dem Fremden , sondern hintennach sei er gegangen . » Er ist ihm gefolgt , wie das Lamm dem Metzger zur Schlachtbank folgt « , sagt er . Zu spät . Zu spät der Eifer . Zu spät die erlassenen Steckbriefe und Streifzüge der Gendarmerie . Es konnte nicht mehr fruchten , daß man sogar den Rezatstrom aus seinem Bett leitete , um vielleicht das Mordinstrument zu entdecken , das der Unbekannte bei seiner Flucht von