Vater - « Patscheider verschluckte den Rest des Satzes . » Da hab ich mich nimmer halten können . Und alles hab ich ihm gradaus ins Gsicht gsagt , was ich die ganze Zeit her in mich nunterdruckt hab . Alles ! Alles ! « » Michel , um Gotts willen , bist denn gscheit ? « stammelte Franzl . » Weißt doch , daß er aufgregt is und hart im Holz ! Und schau , jetzt hat ihn dös fürchtige Unglück troffen . So was dreht doch an Menschen um und um ! Wie kannst ihm denn da was übelnehmen ? Aber Michl ! Michl ! « Patscheider kratzte sich den Kopf . » Vielleicht hast recht , vielleicht hätt ich mir ' s Maul verriegeln sollen . Aber ich hab mich nimmer halten können . Es is mir aussigrumpelt . Er hat mir Sachen ins Gsicht gsagt - « Der Zorn erwachte wieder in ihm . » Himmelkreuzteufel , ich hab ja rein glaubt - « In der Stube schwieg die Zither , und Graf Egge rief mit heiserer Stimme : » Wird da draußen bald Ruh ' werden ! « Dann klangen die Saiten wieder . Die beiden Jäger sprachen kein Wort mehr . Als Patscheider den Bergsack auf den Rücken gehoben hatte , winkte er seinem Kameraden . Schweigend gingen sie in der Nacht eine Strecke miteinander . Dann umklammerte Patscheider Franzls Hand . » Bhüt dich Gott ! Und ich sag dir Vergelts Gott , weil mir verlaubt hast , daß ich mich um den Posten umschau . Daß ich dich net vergiß , da kannst Gift drauf nehmen ! Alles andre laß ich hinter mir . Kreuz drüber und fertig ! Dir , Franzl , bleib ich der Alte . Bhüt dich Gott , Kamerad ! « Er riß ihn an sich , küßte ihn wie ein zärtlich gewordener Bär und stolperte in die Nacht hinaus . Franzl hatte kein Wort gefunden . Als Patscheiders Schritte schon verhallten , rief er ihm nach : » Bhüt dich Gott , Michl ! Laß dir ' s gut gehn , gelt ! « Während er in die Hütte zurückkehrte , blieb er immer wieder stehen und sah durch die Finsternis gegen das Tal hinunter . In der Jägerstube setzte er sich auf den Herd und starrte in die verglimmenden Kohlen . Seufzend erhob er sich endlich und suchte seine Liegerstatt im Heu . Es waren unfreundliche Zeiten , die nun im Palais Dippel Einzug hielten . Graf Egges Laune wurde knorriger von Tag zu Tag , und die rührseligen Stimmungen , die in der ersten Zeit noch ab und zu seine gallige Verbitterung für kurze Stunden lösten , wurden immer seltener . Jeder Mißerfolg auf der Jagd war die Veranlassung zum Ausbruch eines maßlosen Zornes . Kein Tag verging , ohne daß Franzl sich das » Unglück « seines Herrn in eindringliche Erinnerung rufen mußte , um seine geduldige Ruhe bewahren zu können . Dabei lagen die Sorgen seines Herzens wie ein drückender Stein auf ihm . Und sein Beruf war ihm keine Freude mehr ; immer bedenklicher schüttelte er den Kopf zu der Art und Weise seines Herrn . Wie Graf Egge jetzt die Jagd betrieb , das war eine Hetze ohne Atemholen ; am Morgen die Pirsch , untertags eine Treibjagd , am Abend wieder die Pirsch . Was ihm vor die Büchse kam , wurde niedergebrannt . Und in der Nacht ein dumpfer , schwerer Schlaf nach den erschöpfenden Strapazen des Tages . Am Morgen ging es wieder mit so blinder Hast zum Tempel hinaus , daß auf Graf Egges Stirn die Beule in Permanenz erklärt war . Keine Beute befriedigte ihn , kein Erfolg vermochte ihn zu sättigen . Es war nicht mehr die Jagd , was er suchte , nur noch die fieberhafte Erregung vor dem Schuß . Eines Nachmittags , während der Gemspirsch , sahen sie zwei Adler über einer Felswand kreisen . Das brachte eine neue , willkommene Erregung . Graf Egge schoß die erste Gemsgeiß nieder , die ihm über den Weg sprang ; sie wurde auf der Zinne der Wand als Köder ausgelegt , und während Franzl die Wache bezog , übersiedelte Graf Egge in Schippers Hütte . Nach Verlauf einer Woche konnte Franzl seinem Herrn die Meldung bringen , daß die Adler den Köder angenommen hätten und regelmäßig einfielen . » Wenn S ' Ihnen d ' Müh net verdrießen lassen , Herr Graf , die schießen S ' alle zwei ! « Graf Egge besann sich . Dann schüttelte er den Kopf . » Schießen ? Ich will mehr davon haben ! Die wirst du mir füttern über den Winter . Vielleicht bleiben sie und horsten . Dann hol ' ich mir die Jungen aus dem Nest . Das füllt mir den Käfig wieder und bringt eine Abwechslung . Ich muß wieder einmal was anderes haben , eine Sache , die mir das Blut von unten herauf aufriegelt . Das ewige Gepulver wächst mir zum Hals heraus . « Im Widerspruch zu diesem Geständnis machte jeder folgende Tag ein paar Patronen leer . Während der Hirschbrunft gönnte sich Graf Egge täglich kaum ein paar Stunden Ruhe ; es war Vollmondzeit , und so benützte er auch die Nächte zum Ansitz , ohne sich viel um die rheumatischen Schmerzen zu kümmern , die sich jetzt im linken Knie zu rühren begannen , das bisher von dem Übel noch immer verschont geblieben war . Er erinnerte sich der halben Unterhose , die er im Sommer erspart hatte , und es setzte ein böses Wetter , als das wollene Bein nicht gleich gefunden wurde . Diesmal wollte die Wärme der Wolle so flink nicht helfen . Graf Egges Gang wurde immer schleppender , sein Gesicht bekam eine gelbliche Färbung , und seine Augen fielen tief in die Höhlen . Aber solang auf den Almen und im Bergwald noch ein Brunftschrei zu hören war , gönnte er sich keine