mehrmals während der nächsten Tage , so daß Albertus Zwiehan den Rücken der Spinnerin vergaß und sich in den schönen Namen der unsichtbaren Cornelia verliebte . Denn sie war hinter einer Wand von Jasminbüschen verborgen . Wie erstaunte er aber , als diese plötzlich sich auseinanderbogen und eine weibliche Gestalt auf das Zwiehansche Gebiet herübertrat , durch ein bisher unbemerktes Gittertürchen . Das Haus zu welchem der jenseitige Garten gehörte , lag nämlich nicht an der gleichen Straße , sondern auf einer anderen Seite des ganzen Straßenviertels , und es haftete an beiden Häusern von alters her das Recht des Durchganges durch Gärten , Höfe und Hausflüre , zu gewissen Zwecken und Tageszeiten . Es war ein nicht eben schönes , aber mit lachenden Augen begabtes längliches Wesen , das vor dem Überraschten stand und ihn von der bestehenden Servitut unterrichtete , als die Nachbarin seine Unwissenheit bemerkte . Auch er müsse einen Schlüssel zu dem Pförtchen besitzen , sagte sie ihm ; er holte einen Kasten mit allerlei alten Schlüsseln herbei und fand mit ihrer Hilfe richtig denjenigen heraus , welcher in das Schloß paßte . Wie sie so mit spitzen weißen Fingern sich bemühte , betrachtete er mit Wohlgefallen den mägerlichen Wuchs , der durch sehr knappes Gewand fast einen Eindruck von geschmeidiger Fülle machte . Jetzt aber , indem sie ihn mit seinem Namen grüßte und ihm den ihrigen nannte , der auf jenes wohlklingende Cornelia hinauslief , gab sie ihr Anliegen kund . Sie beanspruchte höflich das Recht , von dem reich mit Wasser versehenen Brunnen in seinem Hofe eine bewegliche Leitung nach ihrer Waschküche anzulegen , um für die vorzunehmende große Halbjahrwäsche das Hauptelement zu gewinnen , gemäß dem verbrieften Herkommen . Da Albertus ebenso höflich bat , sich ganz nach Bequemlichkeit einzurichten , eilten alsbald auf ein Zeichen der Cornelia mehrere Waschfrauen herbei mit hölzernen und blechernen Rinnen und Rohren , fügten sie zusammen und stellten einen schwebenden Aquäduktum her , mit welchem sie wieder im Gebüsche verschwanden , aus dem sie hervorgebrochen waren . Auch die Cornelia schlüpfte hindurch , nachdem sie sich verneigt hatte , und Herr Zwiehan , stand einsam an dem Gerinnsel seines schönen Brunnenwassers und wünschte , mit hinübergehen zu können . Am andern Tage jedoch erschienen abermals die Wäscherinnen , brachen die Wasserleitung ab und machten einer großen schweren Frau Platz , welche sich jetzt durch das Pförtchen arbeitete . Sie gewährte eine tröstliche Vorstellung davon , wie stattlich dünne Fräuleins mit der Zeit bei guter Nahrung werden können ; denn sie gab sich als die Frau Mutter der bewußten Cornelia zu erkennen , welche sich nicht getraue , schon wieder den Herrn Nachbarn mit einer Unbequemlichkeit zu belästigen . Es sei nämlich zweifelhaft , ob die Sonne den ganzen Tag scheine , und darum wünschenswert , die Wäsche in einemmal zu trocknen , was hinwieder ermöglicht würde durch die Erlaubnis , einen Teil derselben in dem Zwiehanschen Garten und Hof aufzuhängen . Es sei dies in früheren Jahren auch etwa geschehen , obwohl nicht zu einer Servitut erwachsen wie das Wasserleitungsrecht , und also komme sie selbst , pflichtschuldig um die freundliche Vergünstigung anzufragen . Mit großem Vergnügen entsprach Albertus Zwiehan sofort dem Ansuchen , worauf die Frau sich dankend zurückzog und dafür das Fräulein an der Spitze einiger Waschkörbe aus den Jasminbüschen hervortrat , sie selbst das auf eine Kurbel gewickelte Trockenseil tragend . Dieses an den vorhandenen Pfosten , Haken und Baumästen anzubinden , reichte jedoch ihre Körperlänge nicht überall aus , sosehr sie sich auch auf die Zehen stellte , und so ergab es sich von selbst , daß Albertus aushalf und das Seil im Zickzack herumführte und festmachte , Cornelia aber dasselbe hinter ihm hertrug und abhaspelte . Sie bewegte sich dabei mit viel Anmut und Lieblichkeit , und der junge Mann wurde darüber so eifrig und warm , daß er hie und da eine Levkoje oder Nelke zertrat . Als es nun ans Aufhängen der Wäsche ging , blieb er in unmännlicher Weise im Garten und war wiederum behilflich , die Körbe zu schleppen und andere Handreichungen zu tun . Das Fräulein bemerkte freundlich , daß sie ihre eigene und beste Leibgewandung herübergebracht und das ältere Zeug jenseits gelassen habe , um auf dem fremden Gebiete nicht allzu schofel zu erscheinen . Der ganze Raum füllte sich also mit ihren Hemden , Strümpfen , Busentüchern und Nachthäubchen , und da eine frische Brise aufging , begann das blütenweiße Zeug so mutwillig zu flattern , daß alle Hände zu tun bekamen , das luftige Segelwerk festzuhalten . In großer Aufregung zog er sich nach getaner Arbeit in seine Zimmer zurück , von deren Fenstern aus er unablässig den inhaltreichen Garten bewachte . Niemand war jetzt dort und alles still ; nur die wie von Luftdämonen beseelten Weiberhülsen säuselten sachte hin und her , bis ein Windstoß sie plötzlich emporwirbelte , die langen weißen Strümpfe gleich Geisterbeinen um sich stießen und schon ein losgerissenes Häubchen wie ein kleiner Luftballon über das Dach wegstieg . Da eilte Albertus Zwiehan besorgt wieder hinunter , um zu retten , was ihm bereits näher zu liegen dünkte als die eigene Haut . Er schlug sich tapfer mit dem Winde herum ; allein die Strümpfe schlugen ihm an die Ohren , die Hemden flatterten um seinen Kopf und verhüllten ihm die Augen , und er wurde mit der wilden Leinwand nicht fertig , bis die lachenden Frauen herbeikamen und die Wäsche zusammenrafften . Einige Tage später wurde er von den Nachbarinnen förmlich zum Kaffee eingeladen , um den Dank für seine Gefälligkeit zu empfangen . Zum ersten Mal betrat er den jenseitigen Garten und fand den Tisch in einem offenen Sälchen gedeckt , das hinter der Jasminwand verborgen war . Die alte und die junge Dame beflissen sich auf das freundlichste um ihn , und nachher mußte er noch in ihre Wohnung hinaufsteigen und sich mit einem kleinen Nachtmahl bewirten lassen . Natürlich erwiderte er solche Höflichkeiten und lud