in sich an Werth verloren , wesentlich verloren hatten , und daß wenig Aussicht vorhanden war , sie in den nächsten Jahren wieder empor zu bringen und damit ihr weiteres Herunterkommen zu verhüten . Sich in solcher vergeblichen Arbeit abzumühen , war dem Amtmanne schon lange schwer geworden , und oftmals hatte sich in ihm der Gedanke geregt , was er mit seinem Fleiße , mit seinen Kenntnissen zu schaffen im Stande sein würde , wo er allein zu bestimmen , wo er allein das Gleichgewicht zwischen den Ausgaben und Einnahmen zu erhalten hätte . Aber wer mit seiner Arbeit , wie der Landmann , nicht auf den Erwerb des Tages und auf den augenblicklichen Erfolg seines Schaffens gestellt ist , dessen Wesen nimmt etwas von der langsam wirkenden Thätigkeit seines Berufes an . Adam hätte sicherlich viel Zeit gebraucht , aus freiem Antriebe zu einem selbständigen Entschlusse zu gelangen ; jetzt , durch einen äußeren Anlaß zu demselben hingedrängt , ergriff er ihn mit Lebhaftigkeit und hielt ihn kräftig aufrecht . Mit dem Momente , in welchem er vor dem Freiherrn zum ersten Male einer blinden Willkür gegenüber gestanden hatte , war seine Abhängigkeit von diesem ihm wie eine Schmach erschienen , und all das erlittene kleine Unrecht , alle die erduldeten Widerwärtigkeiten , alle seine gehabten Sorgen und seine unfruchtbaren Mühen hatten sich zwischen ihn und seine Vergangenheit , zwischen ihn und seinen bisherigen Herrn gestellt und ihn von demselben abgetrennt . Es war eine schwere Stunde gewesen , als der Freiherr ihm den Dienst gekündigt . Es war eine schwere Stunde gewesen , in der sich Adam im Geiste von der Heimath seiner Väter losgesagt hatte ; aber nun der Kampf gekämpft war , fühlte er sich als einen anderen Menschen . Er war glücklich in dem Gefühle seiner Kraft , in dem Besitze seiner Kenntnisse und seines ererbten und durch seinen Fleiß vermehrten Capitals . Er wußte seinen Vorfahren für dasselbe Dank , aber es genügte ihm nicht mehr , was ihn sonst befriedigt hatte , in ihre Fußstapfen zu treten . Nicht mehr ein treuer Diener , wie sie , ein freier Herr auf eigenem Grund und Boden wollte er werden und sein , und wie er im Geiste das Joch der Dienstbarkeit von seinem starken Nacken warf , hob er den Kopf mit schönem , schnell erwachtem Ehrgeize hoch empor , und sein starkes Selbstbewußtsein machte ihn geduldig . Grade wie der Juwelier , verwies er Eva ' s und ihres Verlobten Ungeduld auf die nicht allzu ferne Zeit , in welcher seine Schwester ihre Volljährigkeit erreicht und er den Dienst des Freiherrn verlassen haben würde . Er wollte nicht zum zweiten Male als ein vergebens Bittender vor einem Herrn stehen , nicht Gewährung fordern , wo er bald selber zu gewähren im Stande sein konnte , und nicht nur in dem Amtmanne , auch in seiner Schwester hatte die erfahrene Unbill das eigene Selbstgefühl und die Abneigung gegen die fremde Willkür gestärkt und aufgeregt . Darüber glitten die Tage hin . Der Winter kam voll herauf , Herbert ' s praktische Arbeiten ruhten , aber er war mit neuen Entwürfen mannigfach beschäftigt , und wie langsam auch in jenen Zeiten und in jenen Gegenden die Postverbindungen noch waren , wurde doch zwischen dem Amthofe und dem Flies ' schen Hause ein lebhafter Briefverkehr erhalten , an dem sich bald nicht nur Seba , sondern auch Herr Flies betheiligte . Im Amthofe ging Alles seinen ruhigen Gang , obschon es feststand , daß der Amtmann den freiherrlichen Dienst verlassen würde . An jedem Tage wurde das Nothwendige mit Voraussicht auf die Zukunft gethan , und wenn die Geschwister es dabei auch fortwährend inne wurden , daß ihre Zukunft von der Zukunft des Freiherrn und der Arten ' schen Güter fortan geschieden wären , so halfen die lange Gewohnheit dessen , was zu leisten war , und die Plane und Aussichten , mit denen Adam sowohl als Eva für sich selbst beschäftigt waren , ihnen über den Zwiespalt fort , welcher sich etwa in ihnen bei ihrer Arbeit hätte erzeugen können . Um so größeres Aufsehen machte es in den Dörfern , daß der Amtmann , daß einer der Steinerts den Dienst der Herren von Arten zu verlassen dachte . Die Reiseknechte , welche in die nächsten Marktflecken geschickt wurden , die Wirthschafter , welche mit den gedroschenen Saaten in die Kreisstadt fuhren , wußten nichts Wichtigeres zu erzählen . Die Viehhändler , die Hausirer , die nach den Gütern kamen , wurden mit der Nachricht empfangen , trugen sie weiter fort , und bald wußten sie alle Landwirthe und Gewerbtreibende der ganzen Provinz . Wo immer man sie aber erfuhr , erregte sie Erstaunen . Denn daß die Steinerts Rothenfeld nicht ohne Grund verlassen würden , davon war Jeder , der sie kannte , überzeugt , und es währte nicht lange , so sagte man es auch schon hier und dort , daß die Steinerts achtsame und vorsichtige Leute wären , die , gleich den klugen Ratten , ein baufälliges Haus zur rechten Zeit verließen . Weßhalb man das alte , gute Haus nicht mehr für baufest halten mochte , das hätten diejenigen Anfangs kaum zu sagen gewußt , welche diese Meinung äußerten ; aber die plötzliche Abreise des Marquis , die gleich darauf bekannt gewordene Nachricht , daß der Amtmann aus dem Dienste des Freiherrn scheide , waren viel zu auffallend gewesen , als daß man nicht die Frage nach dem Grunde der Ereignisse hätte aufwerfen sollen , und , wie das oft geschieht , fand die einfache Wahrheit schwerer Glauben , als das phantastische Gewebe , welches halbes Wissen und übelwollendes Vermuthen zusammenspannen . Niemand glaubte es , daß der Freiherr nicht in die Verlobung Eva ' s und Herbert ' s gewilligt habe , denn gegen diese war ja gar nichts einzuwenden ; man glaubte auch nicht , daß der Freiherr den Marquis entfernt habe , weil der Franzose den Frauen